Von Bettina Janecek, 08.09.08, 10:45h, aktualisiert 08.09.08, 13:11h
Lange ist’s her, die wilden Zeiten sind vorbei, auch für Michael Weber. Am Rande der Südstadt ist mit dem Rheinauhafen in den letzten Jahren ein schickes Vorzeige-Viertel entstanden. Im Unterschied zu manch anderen „Südstadt-Gewächsen“ findet Weber den neuen Rheinauhafen gut. „Ich denke, dass der Hafen positiv auf die Südstadt ausstrahlen wird und neue Leute hier hin zieht“. Dass damit eine neue Trennlinie zwischen Arm und Reich entstanden ist, glaubt er nicht.
Weber hat die Veränderungen vor seiner Haustür miterlebt und per Video dokumentiert. Einmal im Monat schaut der 48-Jährige nach, was sich auf dem Gelände tut – und das seit sechs Jahren. 36 Stunden Bildmaterial hat er inzwischen gesammelt, nicht nur vom Rheinauhafen, sondern auch von anderen Großbaustellen der Stadt. „Köln bekommt gerade ein neues Panorama, das die Stadt für die nächsten Jahrzehnte prägen wird“, sagt der Musik- und Videoproduzent. Den Prozess will er festhalten, „einfach weil man so schnell vergisst, wie es früher ausgesehen hat“. Neben dem Rheinauhafen hat er den Bau der Nord-Südstadtbahn und die Ausgrabungen beobachtet, regelmäßig die Gerüstbauer am Dom besucht. Den Anspruch der Vollständigkeit hat er dabei nicht: „Ich filme, was mich interessiert, und lasse weg, was mich langweilt.“
Zum Rheinauhafen hat er seine ganz persönliche Meinung, unabhängig von Profi-Ansichten der Architekten und anderer Experten. Die Kranhäuser wirken auf ihn ein bisschen „wie im Versandkatalog bestellt und vom Himmel gefallen, so geschliffen und glatt“. Trotzdem könnten sie zu einem neuen Wahrzeichen Kölns werden, glaubt Weber, der ihnen gleich einen Spitznamen verpasst hat. „Das sind für mich die ’drei Musketiere’ von Köln“, sagt er mit Blick auf die Namen anderer markanter Gebäude wie Henkelmännchen oder Siebengebirge. Die Microsoft-Zentrale sei zweifellos ein Highlight, das Kap am Südkai finde er dagegen total langweilig. „Da habe ich schnell aufgehört zu filmen, weil es mich nicht interessiert hat.“
Die schönsten Gebäude sind für ihn immer noch die historischen, allen voran das Siebengebirge. Schon als Achtjähriger habe er davon geträumt, dort zu wohnen, sagt Weber, der jedes Mal daran vorbeifuhr, wenn er seinen Onkel in Sürth besuchte. „Das Haus hat von sich aus Leben in sich, wie viele alte Gebäude.“ Das fehle den neuen Gebäuden im Rheinauhafen derzeit noch, findet er.
In zwei Jahren, wenn die Bauarbeiten am Rheinauhafen abgeschlossen sind, will Michael Weber das Rohmaterial sortieren und zu einem Film zusammen schneiden. Den Soundtrack werden Kölner Musiker beisteuern, die er noch von damals kennt, als die Südstadt der Nabel der Kölner Musikszene war. Die Südstadt hat sich verändert, aber "das Netzwerk funktioniert immer noch", sagt Weber. Ein neues Baustellen-Projekt hat der 48-Jährige schon im Visier: den Neu- und Umbau des Schauspiel- und Opernhauses.
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