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Stiftung

Teufelskreis Analphabetismus

Erstellt 05.09.08, 11:50h

Mit der Gründung einer Stiftung will der Bundesverband Alphabetisierung die annähernd vier Millionen Analphabeten in Deutschland besser unterstützen. Je höher die Arbeitslosenquote in einer Region, desto größer seien auch die Probleme mit Analphabetismus.

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Lesen soll Spaß machen. (Bild: dpa)
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Lesen soll Spaß machen. (Bild: dpa)
MÜNSTER - "Wir wollen Bund, Länder und Unternehmen ins Boot holen", kündigte Geschäftsführer Peter Hubertus an. Zum Internationalen Weltalphabetisierungstag an diesem Montag (8.9.) soll die erste deutsche Stiftung ("Alfa-Stiftung") zur Alphabetisierung ihre Arbeit aufnehmen.

"Überall in Deutschland gibt es Analphabeten", sagte Hubertus. In den vergangenen Jahren hätten die ostdeutschen Bundesländer im Fokus der Bemühungen des Bundesverbandes gestanden. "Inzwischen deckt sich die Landkarte geringer Grundbildung eher mit der Karte der Arbeitslosigkeit in Deutschland." Je höher die Arbeitslosenquote in einer Region, desto größer seien auch die Probleme mit funktionalem Analphabetismus. Gerade bei langfristig Arbeitslosen würden Schreib-und Lesefähigkeiten nicht mehr gefordert. "Es ist möglich, dass diese Menschen zu funktionalen Analphabeten werden und keinen Job mehr bekommen", beschrieb Hubertus einen Teufelskreis. Sie könnten dann zwar etwas Lesen und Schreiben, den alltäglichen gesellschaftlichen Erwartungen aber nicht genügen. "Das kann man nur durch regelmäßiges Üben auffangen."

Positiv sieht der Geschäftsführer des Alphabetisierungsverbandes daher, dass das Bundesbildungsministerium einen neuen Schwerpunkt auf die Alphabetisierung gelegt hat. In den kommenden fünf Jahren sollen 30 Millionen Euro in die Forschung zu dem Thema investiert werden. Damit will der Bundesverband unter anderem einen Masterstudiengang für Erwachsenen-Alphabetisierung an der Pädagogischen Hochschule Weingarten (Baden-Württemberg) einrichten. Die Erwachsenen dürfe man bei der Bildungsarbeit nicht vergessen. "Es reicht nicht, dass wir uns auf die Grundschulkinder konzentrieren", forderte Hubertus. "Jeder Vater, der Lesen und Schreiben lernt, kann auch seinen Kindern besser helfen." Zu oft würden Bildungschancen in Deutschland sozial vererbt.

Der Bundesverband für Alphabetisierung geht von vier Millionen funktionalen Analphabeten in Deutschland aus. Das entspricht einem Anteil von gut sechs Prozent der über 15-Jährigen. Die meisten von ihnen können so gut schreiben wie Grundschulkinder in der dritten Klasse. "Oft kennen sie die Buchstaben, können sie abschreiben, aber nicht eigenständig zu einem Wort zusammensetzen", erklärte Hubertus. Obwohl das Problem seit Jahren bekannt und die Zahl der Analphabeten konstant sei, ziehe nicht jedes Bundesland mit beim Ausbau der Alphabetisierungskurse. Durchschnittlich kommen in Deutschland auf eine Million Einwohner 34 Förderkurse in Volkshochschulen und anderen Einrichtungen. (dpa)



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