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Guten Morgen Köln

Ende. Aus. Schluss.

Von Tobias Kaufmann, 09.09.08, 23:55h, aktualisiert 10.09.08, 10:40h

Es bleibt nicht mehr viel Zeit. Im CERN-Labor in Genf wird der Urknall nachgestellt. Demnächst verschlucken uns deshalb kleine, schwarze Löcher. Wer das für eine Verschwörungstheorie hält, wird ja dann sehen, was er davon hat.

Schwarzes Loch
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Hübsch sehen sie aus, die Killer: Auf dieser Computersimulation ist die Geburt von Sternen um ein Schwarzes Loch herum zu sehen. (Archivbild: dpa)
Schwarzes Loch
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Hübsch sehen sie aus, die Killer: Auf dieser Computersimulation ist die Geburt von Sternen um ein Schwarzes Loch herum zu sehen. (Archivbild: dpa)
Ticktack-ticktack-ticktack. Wenn die Zeit verrinnt, kann sie so ein schönes, beruhigendes Geräusch machen wie dieses Ticken einer alten Uhr, das sich durch die Lieder von Madonna zog, letzte Woche bei ihrem Konzert in Düsseldorf. Sieht so aus, als wäre es mein letztes Konzert gewesen. Ab 9.30 Uhr geht die Welt unter. Mal sehen, wie lange es dauert, bis die vielen kleinen schwarzen Löcher, die beim Urknall-Experiment von dem riesigen Teilchenbeschleuniger unter der Erde von Genf erzeugt werden sollen, uns alle verschluckt haben.

Da sitzen Politiker und Forscher und Lobbyisten in Klimakonferenzen rum, um dem Planeten begreiflich zu machen, dass er auf 0,2 Grad Erwärmung doch bitteschön zu verzichten habe, wenn wir im Gegenzug online den Kohlendioxidausstoß unseres letztes Urlaubsflugs ausgleichen, und währenddessen schmeißen in der Schweiz durchgeknallte Wissenschaftler vier Milliarden Euro in eine Megaröhre, um die Welt in die Luft zu sprengen. Und bis auf ein paar wachsame Wissenschaftler, die vor den Folgen gewarnt haben, tut keiner was dagegen. Wenn das keine Verschwörung ist. Und wer steckt dahinter? Physiker.

Die habe ich schon in der Schule nicht leiden können. Jetzt weiß ich warum. Jetzt zahlen sie es uns heim, all diese pickeligen Naturwissenschafts-Asse, seit der Pubertät sexuell nie erhört, gefangen in muskellosen Körpern, umhüllt mit kratzigen Pullovern. Jetzt opfern sie uns alle in einem einzigen Orgasmus größenwahnsinnigen, äh, Wahnsinns. Und die furchtbaren Juristen, die machen mit, die haben es nicht verhindert, am Europäischen Gerichtshof, vor den die wenigen aufmerksamen Wissenschaftler gezogen sind. Soll noch einer sagen, die Bombenmoslems seien verrückt. Ha! Die gottlosen Kopffüßler aus den Labors sind es, die uns alle ins schwarze Nichts stürzen werden.

Können wir denn gar nichts tun?

Normalerweise müsste doch jetzt ein Team, angeführt von Bruce Willis und ausgestattet mit Atombomben, unterwegs sein, um das Ruder noch mal herumzureißen. So wie in Armageddon oder in „Core, der innere Kern“. Da hörte das Magnetfeld der Erde einfach auf, wegen Wissenschaftlern und Militärs. Wenigstens John McCain müsste doch noch irgendwo auftauchen in letzter Sekunde.

Stattdessen nur blöde Witze. „Ich hatte ja schon häufiger das Gefühl, dass einige unserer Mitmenschen aus Antimaterie bestehen“, sagt der Kollege am Nebentisch. Haha. Antimaterie. Schwarze Löcher. Megapointe. Da musst Du Dich aber beeilen, wenn es nicht die letzte gewesen sein soll, Kollege.

Redet es nur klein, glaubt Ihr nur der Regierung und dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen, das zum Rücktritt eines SPD-Chefs einen „Brennpunkt“ produziert – aber ein Hinweis auf die schwarze Gefahr, die findet man wieder nur auf den Internetseiten von Spinnern.

Diese Hilflosigkeit ist es doch, die einen verrückt macht. Ich sitze hier in Köln und haue in die Tastatur, weil Wissenschaftler in der Schweiz Gott spielen und herausfinden wollen, wie der Urknall funktioniert hat. Zeitdruck ist man ja gewöhnt in meinem Job, aber so eine finale Deadline ist was anderes. Sie, liebe Leser, müssen doch, wenn die Welt gesprengt wird, wenigstens bei ksta.de gewarnt werden. Dieser Auftrag macht mich stolz und gibt mir Kraft. Tschüss, Köln!

Aber bei aller Liebe: vielleicht ist verstecken doch besser? Wenn ich mich jetzt mit einer Aktentasche auf dem Kopf unter den Schreibtisch legen und mit Jodpillen werfen würde, dann müssten die schwarzen Löcher mich doch eigentlich übersehen? Aber woher jetzt eine Aktentasche und Jodpillen nehmen? Außerdem: Schwarze Löcher haben überhaupt keine Augen, mit denen sie mich übersehen könnten.

Diese Ungewissheit ist wirklich das Letzte. Was passiert eigentlich kurz vor dem Urknall? Schade, dass wir es nicht erfahren werden. Diese blöden Forscher brauchen ja mindestens zwei Jahre, bis sie den Bericht über ihr Experiment geschrieben, mit einer Million Fußnoten versehen und in "Nature" veröffentlicht haben.

Lance Armstrong weiß es

„Nun reg dich mal ab“, sagt der Kollege. „Lance Armstrong würde ja wohl nicht noch mal für die Tour de France trainieren, wenn das Weltende bevorstünde, und wenn Lance Armstrong nicht damit rechnet, dass das passiert, dann passiert es auch nicht.“ Schöne Theorie. Lance, der Außerirdische, der weiß es. Zumindest überzeugender als die offiziellen Mitteilungen der CERN-Spinner aus Genf: „Wenn überhaupt, dann entstehen nur ganz kleine schwarze Löcher, und die sind dann auch ganz schnell wieder weg.“ Ach so, na dann.

Aber was nehmen sie mit, das ist doch die Frage! Meinen Keller werden sie wohl nicht aufräumen für mich, die schlucken gleich das ganze Haus, wenn sie erstmal erwachsen sind. Außerdem: Wie kann ein normaler Mensch nicht daran glauben, dass die Welt vergeht, wenn die DEG bei den Haien gewinnt und Poldi kurz davor ist, zu Manchester City zu wechseln?

Aber was soll das alles. Ich setze mich jetzt hin und warte. Wir werden ja sehen, wer noch da ist, wenn der Teilchenbeschleuniger erstmal Betriebstemperatur erreicht hat. Ich gucke einfach aus dem Fenster, und ab und zu gucke ich auf die Uhr. Ticktack-ticktack-ticktack. Solange Sie das hier lesen, leben Sie noch.



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