Von Lars Richter, 10.09.08, 13:20h, aktualisiert 10.09.08, 19:21h
Ümit Özat (31) sitzt am Mittwoch wenige Meter weiter auf dem Podium im gut besuchten Pressesaal des Rhein-Energie-Stadions und hört mit konzentrierter Miene, was ihm sein Übersetzer ins linke Ohr flüstert. Der türkische Defensivspieler ist seit fast zwei Wochen der Fixpunkt des FC-Mikrokosmos, denn seit der Kapitän am 29. August in der Partie beim Karlsruher SC nach 26 Minuten ohne gegnerische Einwirkung kollabierte, diktiert die Sorge um seine Gesundheit den Lebensrhythmus des Vereins: Über 5000 Genesungswünsche sind über unterschiedliche Kommunikationswege bei dem ehemaligen Nationalspieler eingegangen. „Ich bedanke mich für die große Anteilnahme“, sagt Özat, „mir geht es zurzeit gut.“
Selbstverständlich ist das ja nicht, immerhin haben die Koryphäen der Medizinischen Hochschule Hannover in den vergangenen Tagen die bereits von der Uniklinik Köln herausgearbeitete Diagnose bestätigt: Es handelt sich um eine durch einen Virus hervorgerufene Herzmuskelentzündung, in der Fachterminologie auch als Myokarditis bekannt. Ob und wann der Routinier ins Team von Trainer Christoph Daum zurückkehren kann, vermag niemand zuverlässig zu beurteilen. Fest steht lediglich, dass der türkische Patient unter medikamentöser Behandlung mindestens sechs Wochen absolute Ruhe benötigt, danach sollen weitere Untersuchungen Klarheit liefern.
Meier (58) ist spürbar bemüht, viel Optimismus in die quälende Ungewissheit zu mischen, er meint: „Mit neunzigprozentiger Wahrscheinlichkeit kann er seinem Beruf wieder nachgehen. Eine Rückkehr zum 1. FC Köln ist möglich.“ Vorsicht ist natürlich noch geboten, deshalb spricht Meier auch von einer „möglichen“ Rückkehr, nicht von einer sicheren. Und den geeigneten Zeitpunkt für das mögliche Comeback sieht der Manager unter Berücksichtigung der Fürsorgepflicht „in einem halben Jahr“ gekommen.
Özat versichert zwar, wieder spielen zu wollen, „wenn alles vollkommen in Ordnung ist“. Er sagt aber auch: „Ich habe immer hundert Prozent oder mehr gegeben. Wenn ich weniger leisten kann, muss ich aufhören. Ich glaube, dass ich es schaffe. Ich vertraue meinem Körper.“
Doch schon einmal hat sein Körper nicht mehr mitgespielt, Warnsignale hat es auch vor dem Zusammenbruch in Karlsruhe nicht gegeben. Vielleicht ist auch das Özat durch den Kopf gegangen, als er die vielen Fragen beantwortete. Er hat das an diesem für seinen Klub schönen Tag mit ernster Miene getan.
Verletzung: Radu zwickt die Leiste
Bildergalerie: Die Pressekonferenz von Ümit Özat
Bildergalerie: Ümit Özat beim 1. FC Köln
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige