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Guten Morgen, Köln

Protest ohne Muslime

Von Bettina Janecek, 18.09.08, 08:22h, aktualisiert 19.09.08, 11:41h

Ausnahmezustand in Köln: Bis zu 60.000 Gegendemonstranten erwartet die Stadt zum Anti-Islam-Kongress von Pro Köln am Wochenende. Doch die Empörung über die Rechtsextremen ist vor allem eine deutsche. Für die meisten Muslime scheint der Hass-Kongress kein Thema zu sein.

Moschee Köln Pro Köln
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Die Kampagne der rechtsextremen Organisation Pro Köln richtet sich gegen die geplante Moschee in Ehrenfeld. (Bild: dpa)
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Die Kampagne der rechtsextremen Organisation Pro Köln richtet sich gegen die geplante Moschee in Ehrenfeld. (Bild: dpa)
Ehrenfeld - Die Venloer Straße in Köln-Ehrenfeld am Mittwochnachmittag: An einigen wenigen Hauswänden kleben Plakate des Aktionsbündnisses „Köln stellt sich quer“, die zum Protest gegen den Pro-Köln-Kongress aufrufen. Wenn am Freitag ein Bus mit rechtsextremen Kongressteilnehmern bei ihrer Sightseeing-Tour durch angebliche multikulturelle „Problemviertel“ auch an der Ehrenfelder Moschee Station macht, werden Demonstranten versuchen, die Fahrt zu vereiteln.

Doch die Blockierer werden vornehmlich Deutsche sein. Fragt man Muslime in Ehrenfeld, gibt kaum jemand an, sich an den Protesten beteiligen zu wollen. "Beim Freitagsgebet hat der Hodscha geraten, am besten zu Hause zu bleiben und gar nicht auf die Moscheegegner zu reagieren", sagt Caglar Cevik (20), der dem Auflauf der Rechten in Köln gelassen entgegen sieht: "Sollen die ruhig demonstrieren, ändern können sie sowieso nichts, die Moschee darf ja gebaut werden." Das Ganze sei nur ein Trick, die Muslime zu provozieren und so wieder schlecht zu machen.

Wie Cevik haben viele nur beim Freitagsgebet in der Moschee etwas von dem Pro-Köln-Kongress gehört. Hürriyet und Zaman, die beiden großen türkischen Zeitungen in Deutschland, hätten wenig berichtet, klagt Tayfun Keltek, der Vorsitzende des Integrationsrates der Stadt. "Die meisten Türken haben kaum etwas von dem Kongress mitbekommen“, so Keltek. Auch der Zentralrat der Muslime räumte inzwischen ein, dem Thema zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet zu haben.

Nachfrage bei der Geschäftsstelle von Zaman in der Venloer Straße: Der Redakteur ist nicht da, aber ein Kundenberater, der allerdings kein Deutsch spricht. Er muss zunächst eine Übersetzungshilfe aus dem angeschlossenen türkischen Buchladen zu Hilfe holen. Ein größerer Artikel sei erschienen, über die Flugblatt-Aktion der Polizei am Freitagnachmittag vor der Moschee, mehr habe die Zeitung nicht berichtet. Die NRW-Redaktion von Hürriyet befindet sich derzeit noch in der Sommerpause. Dies sei der Grund, dass bisher wenig berichtet wurde, erklärt Redaktionsleiter Tuncay Yildirim. Erst am Donnerstag erschien unter dem Titel "Köln steht gegen Pro Köln auf" eine Aufmacher-Geschichte im Europa-Teil der Zeitung.

"Die meisten Türken sind total unpolitisch. Sie sitzen abends vor dem Fernseher, gucken ihr türkisches Programm und bekommen ansonsten nichts mit von der Welt, leider", meint Ümit Akkoc (32), der an der Venloer Straße in einem Reisebüro arbeitet." Viele Muslime hätten das Gefühl, von allen Seiten abgelehnt zu werden, und empfänden das als sehr ungerecht. Daher zögen sie sich in ihren eigenen Schutzraum zurück, beschreibt der Integrationsbeauftragter Keltek das Phänomen. Und Seda Aydin, deren Vater als Bestattungsunternehmer in der Moschee arbeitet, sagt: "Wir sind stolz darauf, dass die Moschee gebaut wird, was die anderen sagen ist uns egal."

"Die Leute haben einfach andere Probleme", so Reisekaufmann Akkoc. "Wenn sie sich nach dem Freitagsgebet unterhalten, sprechen sie über höhere Preise und welches Geschäft wieder teurer geworden ist. Über die Proteste gegen die Moschee reden sie nicht." Akkoc hatte in seinem Geschäft selbst schon Besuch von einem Pro-Köln-Anhänger, der ihm ein Flugblatt gegen die Moschee auf den Schreibtisch legte. "Das ist schon schwierig, sich dann nicht provozieren zu lassen", sagt der 32-Jährige. Er hält es für besser, sich nicht an den Gegendemos zu beteiligen. "Vor allem unsere jungen Leute sind leider leicht reizbar." Mit dem Hodscha in der Moschee ist er sich einig: das wichtigste sei, sich nicht in die Reibereien verwickeln zu lassen.



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