kalaydo logo
stellen
auto
immobilien
marktplatz
inserieren
Schriftgröße

Falle für Polizei

Islamistisch motivierte Tat

Von Arton Krasniqi, Simon Müller und Detlef Schmalenberg, 24.09.08, 12:08h, aktualisiert 28.09.08, 13:43h

Die Schüsse auf zwei Kölner Polizisten am Mittwoch hatten einen islamistischen Hintergrund. Die drei jungen Männer waren laut eigener Aussage im "Dschihad", so Oberstaatsanwalt Rainer Wolf. Die Polizisten sollten möglichst geräuschlos mit Messern getötet werden, so die Staatsanwaltschaft.

Rondorf Köln Polizei
Bild vergrößern
Fahnder in Rondorf bei der Befragung von Nachbarn im Ort. (Bild: Krasniqi)
Rondorf Köln Polizei
Bild verkleinern
Fahnder in Rondorf bei der Befragung von Nachbarn im Ort. (Bild: Krasniqi)
Polizisten beschossen Köln
Bild verkleinern
Der abgesperrte Tatort in Rondorf. (Bild: Krasniqi)
Köln Polizisten beschossen
Bild verkleinern
Die gefundenen Waffen. (Bild: Krasniqi)
Polizisten beschossen Köln
Köln Polizisten beschossen
Rondorf - KÖLN - In Vernehmungen sprechen sie vom „heiligen Krieg“, sie sehen sich als „Märtyrer“ und wollten mit ihrer Tat zum Dschihad beitragen. Die drei Jugendlichen, die am Dienstag in Rondorf Polizisten in einen Hinterhalt gelockt haben, wollten die Beamten offenbar töten und mit den erbeuteten Dienstwaffen US-Einrichtungen angreifen. Die Tatverdächtigen sind 15, 16 und 17 Jahre alt, zwei von ihnen haben einen deutschen Pass. Ihre Eltern stammen aus der Türkei und dem Iran.

Die Jugendlichen hatten gehofft, im Streifenwagen Maschinenpistolen zu finden. Am Mittwoch waren die Verdächtigen festgenommen worden. Wegen des Verdachts der versuchten Tötung sitzen sie nun in Untersuchungshaft. Das islamistische Tatmotiv bestätigte der Kölner Oberstaatsanwalt Rainer Wolf. Inzwischen ermittelt der Staatsschutz. Bis Anfang nächster Woche wird entschieden, ob die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernehmen wird.

Angriff auf amerikanische Kaserne geplant

In Polizeikreisen heißt es, die Täter hätten in einer amerikanischen Kaserne ein Blutbad anrichten wollen. Oberstaatsanwalt Wolf zufolge sagte einer der Verhafteten, er habe mit den Waffen nach Heidelberg fahren wollen, „weil dort so viele amerikanische Soldaten stationiert sind“. Außerdem würden wegen des Bundeswehr-Einsatzes in Afghanistan auch Deutsche zu den Feinden gehören. Einer der Verdächtigen soll angegeben haben, man habe die beiden Polizisten möglichst geräuschlos mit Messern töten wollen, nachdem man ihnen die Waffen abgenommen habe. Wolf: „Ob das eine belastbare Aussage ist, die Bestand haben wird, müssen wir noch prüfen.“ Die Frage sei, ob es sich „um eine ernst gemeinte Planung oder um aufschneiderisches Geschwätz von Jugendlichen handelt.“

Die Idee, die Polizisten zu überfallen, sei nicht spontan, sondern über mehrere Wochen entstanden. Als sich die Beamten wehrten und Warnschüsse abfeuerten, seien die Angreifer jedoch geflüchtet. Dabei habe einer sein Handy verloren und die Polizei so auf seine Spur gebracht. „Eine gut organisierte und skrupellos arbeitende Terrorzelle agiert anders, mit so etwas haben wir es hier sicher nicht zu tun“, sagte Wolf. Die Jugendlichen hätten sich zwar islamistische Hassvideos angesehen, aber keine Kontakte zu islamistischen Gruppierungen gehabt. „Sie hatten nicht vor, nach Afghanistan zu reisen und sich Osama Bin Laden anzuschließen.“ Ihre Eltern hätten ein liberales Weltbild.

Ganz normale Jugendliche

In der Rondorfer Nachbarschaft hätte man den Festgenommenen eine solche Tat nicht zugetraut. Sie seien ganz normale Jugendliche gewesen, die gegrüßt hätten, wenn man sich auf der Straße begegnet sei, sagt ein Anwohner. Höchstens habe sich mal jemand über zu laute Musik beschwert.

„Wir haben uns oft getroffen, zusammen abgehangen und Shisha geraucht“, sagt der Bruder eines Verhafteten. Er war am Mittwoch ebenfalls festgenommen und nach vierstündigem Verhör wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Der Tatverdacht gegen ihn hatte sich nicht bestätigt. Ob sein Bruder, der als Anführer galt, und dessen Freunde ihre Tat als „Dschihad“ verstanden hätten? Keine Antwort. „Ich habe genug Ärger durch die Sache.“ Wegen einer Schlägerei sei er vor zwei Tagen von seiner Schule in Deutz geflogen. Sein Bruder habe einen Ausbildungsplatz als Schlosser „fast sicher“ gehabt. Von den beiden anderen habe einer gearbeitet, der andere nur rumgehangen.

Mit der Polizei sei der Bruder auch mehrfach in Konflikt geraten: „Wegen Körperverletzungen“. Weil er da noch keine 14 Jahre alt gewesen sei, habe man ihn nicht bestrafen können. Gemeinsam sei man in einem Kampfsport-Verein in Troisdorf gewesen. Dort hatten die Eltern bis zu ihrer Trennung gewohnt. „Mein Bruder macht Kickboxen. Er war so gut, dass sie für ihn keine Gegner mehr hatten.“ Trainer Jörn Esser sagt dagegen: „Der Junge war kräftig, aber nur ein durchschnittlicher Kämpfer.“ Bis vor zwei Jahren habe er regelmäßig trainiert, danach nur noch sporadisch. „Ich kann nichts Negatives über den Jungen sagen. Er war nett, zurückhaltend, eher ein bisschen träge.“



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Orte des Geschehens

große Karte

Anzeige


Umfrage

Kunst oder Geschmacklosigkeit
Politiker sind Sesselfurzer oder Arschlöcher - so heißt es in einem Lied Kölner Künstler, mit dem sie gegen den Abriss des Schauspielhauses protestieren. Ist das Freiheit der Kunst - oder einfach nur geschmacklos?

Anzeige


Karneval


Hintergrund


Extra


Bildergalerien


Neue ksta.tv-Videos aus Köln



Extra


 

Anzeige

Aktuelle Zeitungsbeilagen


Extra


Serie


Offene Schulen


Hintergrund


Top-Links

Anzeige


Aktion


Stadtmenschen Community


Extra


Forum


Weitere Serien


ksta.de auf Facebook

KSTA auf Facebook

Extra