Von Arton Krasniqi, Simon Müller und Detlef Schmalenberg, 24.09.08, 12:08h, aktualisiert 28.09.08, 13:43h
Die Jugendlichen hatten gehofft, im Streifenwagen Maschinenpistolen zu finden. Am Mittwoch waren die Verdächtigen festgenommen worden. Wegen des Verdachts der versuchten Tötung sitzen sie nun in Untersuchungshaft. Das islamistische Tatmotiv bestätigte der Kölner Oberstaatsanwalt Rainer Wolf. Inzwischen ermittelt der Staatsschutz. Bis Anfang nächster Woche wird entschieden, ob die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernehmen wird.
Angriff auf amerikanische Kaserne geplant
In Polizeikreisen heißt es, die Täter hätten in einer amerikanischen Kaserne ein Blutbad anrichten wollen. Oberstaatsanwalt Wolf zufolge sagte einer der Verhafteten, er habe mit den Waffen nach Heidelberg fahren wollen, „weil dort so viele amerikanische Soldaten stationiert sind“. Außerdem würden wegen des Bundeswehr-Einsatzes in Afghanistan auch Deutsche zu den Feinden gehören. Einer der Verdächtigen soll angegeben haben, man habe die beiden Polizisten möglichst geräuschlos mit Messern töten wollen, nachdem man ihnen die Waffen abgenommen habe. Wolf: „Ob das eine belastbare Aussage ist, die Bestand haben wird, müssen wir noch prüfen.“ Die Frage sei, ob es sich „um eine ernst gemeinte Planung oder um aufschneiderisches Geschwätz von Jugendlichen handelt.“
Die Idee, die Polizisten zu überfallen, sei nicht spontan, sondern über mehrere Wochen entstanden. Als sich die Beamten wehrten und Warnschüsse abfeuerten, seien die Angreifer jedoch geflüchtet. Dabei habe einer sein Handy verloren und die Polizei so auf seine Spur gebracht. „Eine gut organisierte und skrupellos arbeitende Terrorzelle agiert anders, mit so etwas haben wir es hier sicher nicht zu tun“, sagte Wolf. Die Jugendlichen hätten sich zwar islamistische Hassvideos angesehen, aber keine Kontakte zu islamistischen Gruppierungen gehabt. „Sie hatten nicht vor, nach Afghanistan zu reisen und sich Osama Bin Laden anzuschließen.“ Ihre Eltern hätten ein liberales Weltbild.
Ganz normale Jugendliche
In der Rondorfer Nachbarschaft hätte man den Festgenommenen eine solche Tat nicht zugetraut. Sie seien ganz normale Jugendliche gewesen, die gegrüßt hätten, wenn man sich auf der Straße begegnet sei, sagt ein Anwohner. Höchstens habe sich mal jemand über zu laute Musik beschwert.
„Wir haben uns oft getroffen, zusammen abgehangen und Shisha geraucht“, sagt der Bruder eines Verhafteten. Er war am Mittwoch ebenfalls festgenommen und nach vierstündigem Verhör wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Der Tatverdacht gegen ihn hatte sich nicht bestätigt. Ob sein Bruder, der als Anführer galt, und dessen Freunde ihre Tat als „Dschihad“ verstanden hätten? Keine Antwort. „Ich habe genug Ärger durch die Sache.“ Wegen einer Schlägerei sei er vor zwei Tagen von seiner Schule in Deutz geflogen. Sein Bruder habe einen Ausbildungsplatz als Schlosser „fast sicher“ gehabt. Von den beiden anderen habe einer gearbeitet, der andere nur rumgehangen.
Mit der Polizei sei der Bruder auch mehrfach in Konflikt geraten: „Wegen Körperverletzungen“. Weil er da noch keine 14 Jahre alt gewesen sei, habe man ihn nicht bestrafen können. Gemeinsam sei man in einem Kampfsport-Verein in Troisdorf gewesen. Dort hatten die Eltern bis zu ihrer Trennung gewohnt. „Mein Bruder macht Kickboxen. Er war so gut, dass sie für ihn keine Gegner mehr hatten.“ Trainer Jörn Esser sagt dagegen: „Der Junge war kräftig, aber nur ein durchschnittlicher Kämpfer.“ Bis vor zwei Jahren habe er regelmäßig trainiert, danach nur noch sporadisch. „Ich kann nichts Negatives über den Jungen sagen. Er war nett, zurückhaltend, eher ein bisschen träge.“
jugendliche Deppen können Mörder sein
29.09.2008 | 22.53 Uhr | geromarkus_1691
- leider.
Aber man möge bitte nicht noch weiter auf die Trottel reinfallen und ihnen ernsthaft abnehmen, sie seien dem islamistischen Terror…
Mitläufer und Nachahmer
29.09.2008 | 19.37 Uhr | VII
es ist ja glücklicherweise kein Polizist zu schaden gekommen...
aber sollten durch solche, von organisierten Terrorgruppen unabhängige…
@borriquito
29.09.2008 | 18.54 Uhr | Jellinek
Zur wissenschaftlichen Genauigkeit gehört übrigens das genaue Lesen. Wenn sich also Jugendliche selbst als Kämpfer im Dschihad bezeichnen, sind sie…
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