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Interview mit Frank Plasberg

„Menschen sind mein Hobby“

Erstellt 01.10.08, 19:04h, aktualisiert 02.10.08, 10:20h

Frank Plasberg, das Alpha-Tier von „Hart aber fair“, kann auch richtig sensibel sein. Sagt er jedenfalls. Der 51-jährige über seine neue Talkshow im WDR-Fernsehen, die Konkurrenz-Situation mit Kollegen und Studio-Dekos zum Wohlfühlen.

Frank Plasberg
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Frank Plasberg: Seine neue Show "plasberg persönlich" steht für einfühlsamen Talk, für interessante Menschen und ihre Geschichten. (Bild: dpa)
Frank Plasberg
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Frank Plasberg: Seine neue Show "plasberg persönlich" steht für einfühlsamen Talk, für interessante Menschen und ihre Geschichten. (Bild: dpa)
Kölner Stadt-Anzeiger: Herr Plasberg, fühlen Sie sich als Fernsehschaffender unterbeschäftigt?

Frank Plasberg: Ich habe mich in letzter Zeit auf jeden Fall unterspaßt gefühlt.

Wie soll ich das verstehen?

Plasberg: Als Mann aus dem Bergischen Land ist mir Pflichterfüllung sehr wichtig, davon kann ich mich nicht frei machen. Hart aber fair macht mir nach wie vor Spaß, ist aber natürlich anstrengend, auch wenn Erfolg Freude bringt. Die Sendung ist mein Schwarzbrot im Fernsehen.

Sie möchten also im Fernsehen nicht nur gesund, sondern auch lecker essen. „Plasberg persönlich“ heißt Ihre neue Talkshow im WDR-Fernsehen.

Plasberg: Die erste Folge haben wir bereits aufgezeichnet, und nach der Sendung hatte ich das Gefühl: Mit den Gästen würde ich auch gerne privat am Küchentisch zusammen sitzen, weil alle eine spannende Geschichte zu erzählen hatten. Wenn ich im Rahmen einer Fernsehsendung am Leben dieser Menschen teilhaben kann und damit auch noch Geld verdiene, kann ich nur sagen: nicht schlecht.

Finden Sie, dass das deutsche Fernsehen mit Talkshows unterversorgt ist?

Plasberg: Definitiv nicht. Letztlich entscheidet der Zuschauer, wie viele Talkshows er sehen möchte.

Und welche sind verzichtbar?

Plasberg: Interessante Frage, aber Sie glauben doch nicht wirklich…

Schade. Sind Sie mit der Idee für eine neue Talkshow auf den WDR zugekommen, oder hat der Sender Sie gefragt?

Plasberg: Es ist immer besser, wenn man gefragt wird. Bei „Die klügsten Kinder im Norden“, meinem Quiz im NDR, war das so, und auch diesmal kam die Anfrage von Seiten des Senders. Ich habe mich sehr gefreut, als die WDR-Fernsehdirektorin Verena Kulenkampff an mich herantrat.

Wie sind Sie mit dieser Freude umgegangen?

Plasberg: Wir haben uns hingesetzt und nachgedacht. Erste Prüfungsfrage: Schadet es Hart aber fair, wenn ich im Fernsehen außer der NDR-Geschichte noch etwas anderes mache, passt es dazu? Zweitens: Kann ich das alles leisten? Ich bin immerhin schon 51. Drittens: Über welche Themen möchte ich reden?

„Hart aber fair“ läuft jetzt seit einem Jahr in der ARD. Haben Sie den Eindruck, dass Ihr Heimatsender WDR Sie vermisst hat?

Das weiß ich nicht. Sie haben mir auf jeden Fall gesagt, dass Sie einen schönen Sendeplatz für mich haben. Dann haben wir gemeinsam überlegt, was fehlt auf dem Sendeplatz, was ist eine Marktlücke?

Der Sendeplatz ist der des „Kölner Treff“, anerkanntermaßen eine weiche People-Talkshow, die am Freitagabend läuft. Sind Sie ein Wettkampftyp und möchten sich mit ihrer Kollegin Bettina Böttinger duellieren?

Bettina Böttinger muss ja nichts abgegeben. Sie hat unlängst in dieser Zeitung selbst richtig festgestellt, dass der WDR den Kölner Treff im nächsten Jahr auf 38 Sendungen hochfahren wird.

Was Frau Böttinger über Sie gesagt hat, klingt dennoch reichlich schmallippig: „Ich halte Plasberg für einen tollen Moderator und schätze ihn als Kollegen. Ich habe keine Lust, mich in eine Konkurrenz-Situation bringen zu lassen“. Mit anderen Worten: Als Mensch können Sie ihr gestohlen bleiben?

Plasberg: Sie haben das gelesen, was Sie gelesen haben. Dazu sage ich Ihnen nur einen Satz: Ich kenne Bettina Böttinger seit 20 Jahren.

Wodurch wird sich „Plasberg persönlich“ von anderen Talkshows unterscheiden?

Plasberg: Die Sendung wird monothematisch sein, ich möchte Lebensthemen behandeln. Es wird kein Promi-Verbot geben, aber in der ersten Sendung ist zum Beispiel kein berühmtes Gesicht dabei. Wenn Prominente bei „Plasberg persönlich“ in der Runde sitzen, müssen sie millimetergenau in das Oberthema passen. Wir werden nicht drei Promis einladen und für die ein Oberthema suchen.

Wenn bei Hart aber fair Oskar Lafontaine und Claudia Roth in der Runde sitzen, kennt man 95 Prozent der Antworten schon vorher.

Plasberg: Falsch, da haben Sie aber eine unserer beiden letzten Sendungen mit Lafontaine und Roth nicht gesehen.

Okay, sagen wir 75 Prozent…

Plasberg: Ja, es ist für mich wirklich spannender, im Fernsehen wieder mit Menschen zu reden, von denen ich kaum weiß, was sie antworten werden, das sehe ich für mich als Herausforderung. Und ich möchte auch wieder mit Gästen sprechen, die ich im Interview nicht so angehe wie bei Hart aber fair, sondern im Gespräch eher stütze.

Wie sieht das Ambiente Ihrer neuen Show aus? Darf ich mir das so vorstellen wie bei “Maischberger“, mit diesen kuschelig-zarten Braun- und Beige-Tönen?

Plasberg: Mir gefällt das Sprechzimmer von Frau Maischberger. Unser Studio sieht aus wie Loft, Sie gucken von oben auf eine Stadt-Silhouette. Wenn es um journalistische Entscheidungen geht, fühle ich mich immer sicher. Wenn es um Deko geht, sind Sie allein auf hoher See.

Das heißt?

Plasberg: Sie müssen jede Menge Entwürfe angucken und versuchen etwas Unmögliches zu schaffen: Es soll nicht beliebig aussehen, aber trotzdem vielen gefallen. Man soll sich sofort wohl fühlen, aber eben auch nicht in Plüsch versinken.

Und was ist dabei herauskommen – stimmen die Farbklimata?

Plasberg: Als ich das Studio zum ersten Mal gesehen habe, war ich hin und weg, ich bin niedergekniet vor unserer Architektin. Man fühlt sich sofort wohl. Lassen Sie sich überraschen.

Von wo werden Sie senden?

Plasberg: Wir produzieren bei Kogel & Schmidt.

Harald Schmidt hat Ihnen sein Studio zur Verfügung gestellt?

Plasberg: Er hat es uns geschenkt.

Verstehe. Vielleicht braucht er es selbst ja auch bald nicht mehr.

Plasberg: Das wäre schade.

Erzählen Sie doch bitte etwas über den Titel der ersten Sendung, „Gefangen im Doppelleben“. Der klingt, als ob Sie auf dem Boulevard tänzeln möchten.

Plasberg: Ich möchte nicht auf dem Boulevard tänzeln, ich möchte auf dem Boulevard gehen!

Was bedeutet Boulevard für Sie?

Plasberg: Eben nicht Busen, Bohlen, Boris. Boulevard sind zum Beispiel Themen, die erst mal den Bauch ansprechen, Themen auf die ich neugierig bin. Ich bin gerne in fremden Leben unterwegs, Menschen sind mein Hobby. Diesem Hobby werde ich am Freitagabend eher nachgehen können als am Mittwochabend. Bei Hart aber fair ist die Distanz eine unbedingte Voraussetzung für meinen Job als Moderator.

Schlussfrage des Interviews. Ist nicht ganz ernst gemeint, machen Sie sich bitte trotzdem ernsthafte Gedanken. Frank Elstner ist zwar noch ganz rüstig, aber wenn er doch mal überraschend abdanken sollte: Übernehmen Sie spontan „Verstehen Sie Spaß?“

Plasberg: Ich verstehe keinen Spaß (grinst).

Sie sehen sich also nicht in der Nachfolge von Kurt Felix und Paola, Karl Dall, Harald Schmidt, Dieter Hallervorden, Cherno Jobatey und eben Frank Elstner?

Frank Elstner hält sich extrem fit, ich glaube, er hat sogar einen Personal Trainer. Insofern stellt sich die Frage erst gar nicht. Ich hoffe, dass ich mein privates Forschungsprojekt „Wie werde ich gesund und niveauvoll alt?“ nicht mit „Verstehen Sie Spaß?“ beantworten werde.

Das Interview führte Martin Weber



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