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Forschung & Ethik

Nicht das Ergebnis entscheidet

Von Christiane Woopen, 14.10.08, 21:02h

Bei der Diskussion um die Nutzung embryonaler Stammzellen wird immer wieder mit den Aussichten einer solchen Technik argumentiert. Doch der Blick in die Zukunft ist irrelevant. Die goldene Regel bleibt: Forschung ist dann zulässig, wenn sie ethisch vertretbar ist - egal wie viel oder wenig erfolgversprechend sie sein mag.

Christiane Woopen
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Christiane Woopen. (Bild: ksta)
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Christiane Woopen. (Bild: ksta)
Im Zentrum der Kontroversen um die Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen steht die Frage nach der Zulässigkeit der Forschung. Zur Information: In Deutschland ist die sogenannte verbrauchende Embryonenforschung gesetzlich verboten, die Einfuhr embryonaler Stammzellen aus längst im Ausland zerstörten, wenigen Tagen alten Embryonen ist unter bestimmten gesetzlich festgelegten Voraussetzungen erlaubt.

Dabei fällt auf, dass ein „Argument“ viel zu selten hinterfragt wird: die Wahrscheinlichkeit nützlicher Resultate. Befürworter der Stammzellforschung berufen sich auf die bald zu erwartenden segensreichen Therapien schwerer Krankheiten wie beispielsweise der Parkinson- oder der Zuckerkrankheit. Gegner hingegen bezweifeln, dass es jemals zur Entwicklung von Behandlungen kommen wird, und verweisen auf das große Potenzial der adulten Stammzellen. Gemeinsam ist beiden Begründungen, dass sie Annahmen über zukünftige Forschungsergebnisse als einschlägig darstellen, um die Zulässigkeit der Forschung selbst zu beurteilen. Es soll hier nicht beurteilt werden, ob die eine oder die andere Seite recht hat. Wichtiger erscheint mir die Einsicht, dass sie für die Frage nach der Zulässigkeit schlicht irrelevant sind - ja sogar mehr Schaden als Nutzen anrichten.

Forschung zeichnet sich definitionsgemäß dadurch aus, dass sie ihre Ergebnisse nicht vorhersagen kann. Sie kann nur Hypothesen aufstellen und bestimmte Erkenntnisse anstreben. Forschung befasst sich mit dem noch Unbekannten, über dessen Art und Eintrittswahrscheinlichkeit man eben gerade nichts, jedenfalls nichts Wesentliches sagen kann - sonst müsste man ja nicht forschen. Zudem hat die Geschichte oft genug gezeigt, dass bahnbrechende Erkenntnisse zufällig gewonnen wurden, während vielversprechende Ansätze wider Erwarten zu nichts Bedeutsamem führten.

Denen, die sich von embryonaler Stammzellforschung viel versprechen, ist zudem entgegenzuhalten, dass sich - wenn die Forschung ohnehin schon aus ethischen Gründen wie der Verletzung der Menschenwürde zwingend abzulehnen wäre - an dieser Unzulässigkeit auch dann nichts änderte, wenn morgen alle zuckerkranken Patienten der Welt geheilt werden könnten.

Umgekehrt bleibt die Forschung, deren Freiheit aus guten Gründen verfassungsrechtlich garantiert ist, im Falle ihrer ethischen Vertretbarkeit auch dann zulässig, wenn sie keine therapeutisch verwertbaren Erkenntnisse erbringen sollte. Man mag dann bedauern, wie viel Geld, Zeit und Anstrengungen kreativer Forscher ohne Wirkung blieben - die Zulässigkeit der Forschung bleibt davon unberührt. Der Schaden beider Spekulationen - der hoffnungsfrohen wie der skeptischen - besteht darin, dass im Bewusstsein der Öffentlichkeit der Wert der Forschung an sich untergraben und sie nur an ihren kurzfristigen Ergebnissen gemessen wird, dass sich diejenigen mit vollmundigen Versprechungen unglaubwürdig machen und Skeptiker zu Unrecht als zukunftsfeindlich gelten. Ein Bärendienst an allen.



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