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Retter oder Ersatzteillager?

Debatte um „Designerbaby“ in Spanien

Von Ralph Schulze, 15.10.08, 16:36h, aktualisiert 15.10.08, 21:33h

Als Andrés vor sechs Jahren geboren wurde, war die Freude groß. Doch kurze Zeit später erfuhren die Eltern von einer schweren Bluterkrankheit. Nun schöpfen sie Hoffnung. Ihr zweiter, gerade geborene Sohn soll seinen älteren Bruder heilen.

Javier Mariscal Fuentes
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Javier Mariscal Fuentes soll seinen Bruder retten. (Bild: dpa)
Javier Mariscal Fuentes
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Javier Mariscal Fuentes soll seinen Bruder retten. (Bild: dpa)
MADRID - Der kleine Javier kam dieser Tage im südspanischen Sevilla mit einer wichtigen Mission auf die Welt: Er soll seinem sechsjährigen Bruder Andres das Leben retten. Der 3400 Gramm schwere Nachwuchs wird als Spaniens erstes genetisch ausgewähltes „Designerbaby“ in die Geschichte eingehen.

Javier ist das muntere und kerngesunde Ergebnis einer genetischen Embryonen-Selektion - um sicherzustellen, dass er nicht die gleiche lebensgefährliche Blutkrankheit wie sein älterer Bruder Andres hat. Demnächst werden Zellen aus Javiers Nabelschnur ins Rückenmark von Andres transplantiert. Dies soll bei Andres die Produktion neuer gesunder Blutzellen anregen und so seine todbringende Krankheit heilen. Die Chancen für einen Behandlungserfolg stehen nach Meinung der Ärzte gut.

„Wir haben entschieden, dass diese Lösung das Beste für unseren kranken Sohn ist“, sagen die Eltern. Die Heilungschancen sehen die Ärzte bei 70 bis 90 Prozent. Wenn alles klappt, ist Andrés in fünf Jahren völlig gesund. Andres kann derzeit nur durch regelmäßige Bluttransfusionen am Leben erhalten werden. Er leidet an Thalassämie, einer Erkrankung der roten Blutkörperchen, bei der durch einen Gendefekt das Hämoglobin - ein wichtiger Sauerstoff-Transporteur - nicht ausreichend gebildet wird. Spaniens Gesundheitsministerium, das diese therapeutische Embryonen-Auswahl nur zur Heilung schwerer Krankheitsfälle genehmigt, gab seinen Segen.

In Spanien ist diese von den Medizinern als „Präimplantationsdiagnostik“ bezeichnete genetische Embryonen-Selektion seit zwei Jahren erlaubt. Sie wurde aber erst jetzt erstmals im eigenen Land eingesetzt. Dabei werden bei einer künstlichen Befruchtung Eizellen der Mutter mit Samenzellen des Vaters im Reagenzglas verschmolzen und die daraus entstehenden Embryonen einige Tage später genetisch untersucht. Soweit dann ein gesunder und genetisch kompatibler Embryo vorliegt, wird dieser Keimling in die Gebärmutter eingepflanzt.

Die katholische Kirche lehnt auch diese Art der künstlichen Befruchtung, die therapeutischen Zwecken dient, strikt ab. In etlichen europäischen Ländern, etwa in Deutschland, ist dieses Verfahren sogar gesetzlich verboten.

Seit zwei Jahren erlaubt

In Spanien hat es die sozialdemokratische Regierung von Ministerpräsident Jose Luis Zapatero vor zwei Jahren erlaubt. Auch in Großbritannien und Schweden wird die Präimplantationsdiagnostik angewendet. Für Andres - den kranken Bruder des derzeit berühmtesten Babys Spaniens - so rechtfertigten die Gesundheitsbehörden ihre Erlaubnis, gebe es nun „eine Chance weiterzuleben“.



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