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US-Wahlkampf

McCain scheitert bei Aufholjagd

Von Joachim Frank, 16.10.08, 07:22h, aktualisiert 17.10.08, 10:14h

In der letzten TV-Debatte der Präsidentschaftsbewerber ging es aggressiver als in vorherigen Diskussionen zu. Der Republikaner John McCain griff Barack Obama scharf an - konnte beim studentischen Publikum und bei den Fernsehzuschauern den Vorsprung des Demokraten aber nicht wettmachen.

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Barack Obama (l.) und John McCain beim TV-Duell (Bild: afp)
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Barack Obama (l.) und John McCain beim TV-Duell (Bild: afp)
FAIRFAX COUNTY – John McCain und Barack Obama reiben sich schon eine ganze Weile aneinander, bevor zum ersten Mal der Funke ins Publikum überspringt. Etwa 100 Studenten im „Atrium“ der George Mason Universität (GMU), einem nüchternen Innenhof mit Stahltreppen-Konstruktionen rundherum, verfolgen die letzte TV-Debatte vor der US-Präsidentschaftswahl am 4. November. Als McCain, der Kandidat der Republikaner, zum wiederholten Mal Obamas Kontakte zu dem einstigen linksradikalen Anarchisten William Ayers sowie Unregelmäßigkeiten in der Wählerrekrutierung der Demokraten zur Sprache bringt, schlägt Obama zurück: Diese Themenauswahl sage sehr viel über McCains Wahlkampf-Kampagne.

Da applaudieren die Zuschauer beim GMU-„Debate Watch“ zum ersten Mal. Sie folgen Obamas Sicht, dass McCains mit seinen Attacken den Vorsprung seines Gegners wettmachen will. Als „garstig“ und „eines Präsidenten unwürdig“ wird der angehende Technik-Student Eugene Luarasi McCains Auftritt im Anschluss an die Live-Übertragung kritisieren. Obwohl beide Kandidaten über den unsachlich geführten Wahlkampf klagen und sich wechselseitig negative Wahlkampfwerbung vorhalten, geht McCain an diesem Abend deutlich aggressiver in die Diskussion und spart eben auch die persönlichen Angriffe auf Obama nicht aus. Was diesem wieder und wieder Gelegenheit zu Kopfschütteln und scheinbar gelassenem Lachen gibt – für die albanisch-stämmige Studentin Elia Celsula Ausweis seiner „Klasse“ und einer „präsidialen Haltung“.

Sarah als Vorbild für amerikanische Frauen

Die meiste Zeit folgen die Zuhörer der 90-minütigen Debatte über Themen der US-Innenpolitik, speziell Steuer- und Gesundheitspolitik, konzentriert, aber ohne erkennbare äußere Anteilnahme. Nur gelegentlich kommt Wahlkampf-Stimmung auf. In einem dieser seltenen Momente preist John McCain sein „Running Mate“, die streng konservative Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin aus Alaska, den Frauen Amerikas als Rollenvorbild an.

Da kann Tahira White, eine schwarze Marketing-Studentin, nicht mehr an sich halten. Sie zischt durch die Zähne, verdreht die Augen und schüttelt den Kopf, dass ihre dünn geflochtenen Zöpfe fliegen. „Ich kann schon McCains Gesicht nicht ertragen“, sagt sie. „Der Kerl langweilt mich.“ White spricht für die Mehrheit ihrer Kommilitonen – und offenbar auch für die Mehrheit der Amerikaner. Repräsentative Ad-hoc-Umfragen der Fernsehsender CNN und CBS sehen den demokratischen Bewerber in der Gunst der Zuschauer nach dem Ende der Debatte klar vorne.

Die Obama-Fans sind auch beim „Debate Watch“ an der George Mason Universität deutlich in der Überzahl, nicht zuletzt weil viele republikanisch gesinnte Studenten gerade die parallel stattfindenden Gottesdienste besuchen. Der Mittwochabend sei nach dem Sonntag der bevorzugte Versammlungstermin für die christlichen Studenten, erklärt Rachel Dickson, Mitorganisatorin der uni-internen Kampagne „Mason votes“ (Mason wählt) für eine hohe Wahlbeteiligung.

Studenten eher für Obama

Aber es sind wohl nicht allein fromme Gründe, warum republikanisch gesinnte Studenten an diesem Abend fernbleiben. Im ganzen Wahlkampf seien ihre Vertreter so gut wie unsichtbar gewesen, sagt James Greif vom Pressebüro der Universität. Dabei ist die Mobilisierung unter den Studenten in diesem Wahlkampf außergewöhnlich hoch. „Jeder auf dem Campus hat seine Meinung“, so Rachel Dickson. Und zu zwei Dritteln gehe diese Meinung mit Obama nach Hause.

Für die jungen, gut ausgebildeten Amerikanern – so scheint es – ist das Rennen um die Nachfolge George W. Bushs schon entschieden - zugunsten des charismatischen Profeten eines großen Wandels in den Vereinigten Staaten. In seinem Schlusswort lässt es sich Obama nicht entgehen, erneut dieses Schlüsselwort seines Wahlkampfs unters Volk zu bringen: Er stehe für einen „fundamental change“.



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