Erstellt 16.10.08, 12:38h, aktualisiert 16.10.08, 12:39h
"Nicht mit christlichem Menschenbild vereinbar"
"Es ist mit unserem christlichen Menschenbild nicht vereinbar, den Armen die schon begrenzten Mittel für die Überwindung von Obdachlosigkeit und Elend zu streichen, während gleichzeitig Milliardenbeträge zur Sicherung der Banken bereitgestellt werden", betonte der Franziskaner. Erfahrungen der Armenküchen weisen nach seiner Einschätzung auf steigende Obdachlosenzahlen hin. Die Begründung der Landesregierung für die Streichung der Mittel, die Obdachlosigkeit habe um 70 Prozent abgenommen, wies der Pater zurück.
Auch die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe mit Sitz in Bielefeld hält es für unverantwortlich, das im Bundesgebiet einzigartige Förderprogramm "Wohnungslosigkeit vermeiden - dauerhaftes Wohnen sichern" aufzugeben. Die präventive Arbeit der zentralen Fachstellen sei heute genauso wichtig wie zu Beginn des Landesprogramms vor zwölf Jahren. Nach Schätzung der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe sind in Nordrhein-Westfalen 26.000 bis 52.000 Menschen von Wohnungsverlust bedroht.
Verband: Etwa eine Viertelmillion ohne feste Wohnung
Die Arbeitsgemeinschaft schätzt, dass derzeit in Deutschland etwa 240.000 bis 290.000 Menschen ohne festen Mietvertrag oder Wohneigentum leben; davon sollen etwa 18.000 als "echte Obdachlose" auf der Straße leben - der Rest komme etwa vorübergehend bei Verwandten und Freunden unter, lebe in Not- oder Aussiedlerunterkünften oder als Selbstzahler in einer Billigpension.
Der Cellist Thomas Beckmann vom Verein "Gemeinsam gegen Kälte" hatte den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) in einem offenen Brief aufgefordert, die Kürzungen zu stoppen. Seinen Worten zufolge gibt es nicht weniger Menschen, die Armut und Not haben. Vielmehr habe der Zustrom der Menschen bei den Tafeln, der Essensausgabe im Franziskanerklösterchen und der Armenküche in der Düsseldorfer Altstadt zugenommen.
(epd/bes)
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