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Duisburg

Deutschlands größte Moschee eröffnet

Von Harald Biskup, 26.10.08, 13:56h, aktualisiert 26.10.08, 20:47h

In Duisburg ist die größte Moschee Deutschlands eingeweiht worden. An der feierlichen Eröffnung nahmen NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers sowie Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche. Ander als in Köln oder Berlin gab es in der Ruhrgebietsstadt kaum Proteste gegen das Projekt.

Moschee Duisburg
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Die größte Moschee Deutschlands wurde in Duisburg eröffnet. (Bild: dpa)
Moschee Duisburg
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Die größte Moschee Deutschlands wurde in Duisburg eröffnet. (Bild: dpa)
Duisburg - „Wir kriegen keine Hagia Sophia in Marxloh.“ Jetzt, da der prachtvolle Bau mit byzantinischen Kalligrafien und farbenprächtigen Mosaiken fertiggestellt ist, zeigt sich, dass Pfarrer Manfred Kemper sein Versprechen halten kann, abgegeben, als die Silhouette des Duisburger Industriequartiers noch von den Türmen seiner neugotischen Pfarrkirche St. Peter und dem der protestantischen Kreuzkirche sowie natürlich den rauchenden Schornsteinen bestimmt wurde. Jetzt ragen das 34 Meter hohe Minarett und eine 23 Meter hohe Kuppel einträchtig neben den Kirchtürmen in den Duisburger Himmel, und es ist eine reizvolle Sichtachse zwischen der neuen Moschee und den christlichen Gotteshäusern entstanden.

In keiner Festrede bei der feierlichen Eröffnung der Merkez-Moschee, in dreieinhalb Jahren Bauzeit auf dem Gelände der ehemaligen Zechenkantine des Bergwerks Marxloh entstanden, fehlt der Hinweis auf zwei Besonderheiten von Deutschlands bislang größter Moschee: Von Anfang an waren die bei den Kirchen, aber auch Kommunalpolitiker der verschiedenen Ebenen und engagierte Bürger in die Planung einbezogen. Und elementarer Bestandteil des ehrgeizigen Projekts ist eine öffentliche interkulturelle Begegnungsstätte mit Bistro, Bibliothek und Bildungsangeboten für Muslime und Nichtmuslime. „Das Wunder von Marxloh“, sagt Elif Saat, die Vorsitzende des Begegnungszentrums, „ist nicht vom Himmel gefallen, auch wenn wir uns Gottes Segen sicher sind.“

Harmonie als Leitmotiv

Harmonie ist das Leitmotiv dieses verregneten Sonntagnachmittags. „Wir sind in unserer Heimatstadt Duisburg, in Nordrhein-Westfalen und in Deutschland angekommen“, wie Moschee-Vorsitzender Mehmet Özay unter großem Beifall erklärt, im Hauptberuf Gerichtsvollzieher. Die Nationalhymnen erklingen, im zugigen Festzelt flattern deutsche und türkische Flaggen sowie Fahnen in den NRW-Landesfarben.

Das Doppelkonzert für Violine und Oboe von Bach, ausgeführt von Mitgliedern der Duisburger Philharmoniker, geht in einem allgemeinen Klangteppich aus Gemurmel unter. Die älteren Frauen mit ihren bunten Kopftüchern können den deutschen Reden ganz überwiegend nicht folgen; die 15- und 16-jährigen Mädchen, viele stark geschminkt und in engen Jeans, juchzen lieber zu den Gruppenbildern, die sie mit ihren Fotohandys machen.

Dann die Rede von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers. „Wir brauchen mehr Moscheen in unserem Land, nicht in Hinterhöfen, sondern sichtbar.“ Für dieses Bekenntnis erhält der Regierungschef viel Beifall, aber er scheut sich nicht, an diesem „Freudentag“ auch unbequeme Fragen von Bürgern an zusprechen, „die ich mir auch selbst stelle“ - vor allem die nach der Vereinbarkeit von Islam und Demokratie. Deren Beantwortung durch die Muslime und ihre Dachverbände stehe noch aus. Viel Beifall erntet der praktizierende Katholik Rüttgers für seine Feststellung, er wünsche sich „manchmal mehr Respekt vor dem Heiligen“ - und dieser Respekt müsse allen Religionen gelten.

Ruhrbischof Felix Genn und der evangelische Landespräses Nikolaus Schneider verschweigen in ihren Gratulationen ebenfalls nicht, „dass für die Moschee nicht nur Beifall geklatscht wird (Genn). Manche Deutsche fragten sich, ob die osmanische Architektur nicht ausdrücke, „dass die Sehnsucht nach der Türkei vielleicht größer ist als der Wunsch nach Integration“. Präses Schneider rühmt das doppelgleisige Konzept, Traditionen zu pflegen und gleichzeitig neue Wege zu erproben. Schneider und Genn appellieren an den aus Ankara angereisten Chef der türkischen Religionsbehörde Diyanet, Ali Bardakoglu, sich für die Nachahmung des Duisburger Modells bei anderen Ditib-Moscheen und für eine Verwirklichung der Religionsfreiheit für Christen in der Türkei einzusetzen. Michael Rubinstein, Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Duisburg, versichert den „muslimischen Freunden“, man stehe „vor euch, hinter euch und zu euch“ - und widerspricht damit den Attacken des jüdischen Kölner Publizisten Ralph Giordano gegen den Bau repräsentativer Moscheen.



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