Von Gudrun Klinkhammer, 14.11.08, 17:28h, aktualisiert 14.11.08, 17:31h
Schumacher ist Postbote in der Gemeinde Kall. Um Punkt sieben Uhr tritt der Gruppenführer mit insgesamt 15 Kollegen seinen Dienst an, um täglich im Schnitt 10 000 Briefe, zudem etliche Päckchen und Pakete in den zehn Bezirken der Gemeinde zu verteilen. „Montags und dienstags hält sich das Postvolumen meist in Grenzen, zum Wochenende hin steigt es, vor allem jetzt vor Weihnachten, stark an.“
Alles über Spich
Die erste Arbeitsphase findet im Postamt im Kernort statt. Dort werden Briefe und Pakete in Empfang genommen und in greifbare Bündel verpackt. „Die Briefe sind bereits vorsortiert“, berichtet Dieter Pietruck, Pressesprecher der Deutschen Post mit Sitz in Düsseldorf. Das für Kall und die gesamte Region zuständige, überwiegend maschinell betriebene Briefzentrum, in dem die Briefe vorsortiert werden, ist in Troisdorf-Spich angesiedelt. Wird ein Brief per Post von Kall nach Kall versandt, dann nimmt auch solch ein Schreiben die Route über Spich.
In den Nachtstunden werden die Sendungen in Spich bearbeitet, so dass sie am nächsten Tag beim Adressaten ankommen sollten. Pietruck: „Über 70 Millionen Briefe und rund drei Millionen Pakete werden bundesweit durchschnittlich pro Tag per Post transportiert.“ 80 000 Postboten arbeiten derzeit in Deutschland. Bis vor einem Jahr hießen die Postboten offiziell noch „Zusteller“. Pietruck: „Doch Klaus Zumwinkel selbst entschied noch für seine Mitarbeiter, die Bezeichnung »Zusteller« wieder in die ursprüngliche Bezeichnung »Postbote« ändern zu lassen.“
Sind die Postboten in den Städten überwiegend mit dem Fahrrad unterwegs und nur für die Info- und Briefpost zuständig, müssen Ralf Schumacher und seine Kollegen alle Sendungen ausliefern, und nicht nur das. Pietruck: „Im ländlichen Bereich gilt die Verbundzustellung von Paketen und Briefen. Die Leute auf den Dörfern können auch beim Postboten Briefmarken kaufen und Briefe oder Pakete zum Versand abgeben.“
Die Geldgeschäfte würden die Kunden inzwischen in ländlichen Gebieten zunehmend per Online-Banking abwickeln, so dass die Post ihre eigenen Filialen bis 2011 komplett abgeben werde. „Filialen werden dann nur noch im Einzelhandel in so genannten Partnerfilialen zu finden sein“, so Pietruck.
Auch Ralf Schumacher und seine Kollegen bemerken die Veränderung innerhalb der Poststrukturen: „Der Beruf hat sich gewandelt. Es wird weniger sortiert, dafür mehr ausgeliefert. Vor allem die Werbepost hat stark zugenommen.“ Die Belastung, das tägliche Wettrennen gegen die Zeit, bezeichnen die Kaller Briefträger als „gewaltig“. Im Sauseschritt werden bereits die morgendlichen Arbeiten im Postamt erledigt. Noch rasanter wird es aber dann, wenn die täglichen Touren beginnen. Ralf Schumacher, 38 Jahre alt, fährt am Montag die zu Beginn bereits beschriebene Strecke. Das Postauto düst durch die Straßen der kleinen Ortschaften, der Postbote springt immer wieder heraus, sprintet zu den Briefkästen an den Häusern und im Dorfkern, schwingt sich wieder zurück auf seinen Fahrersitz. Und während des Anfahrens greift seine Rechte bereits wieder in die Kiste mit den Postsendungen auf dem Beifahrersitz. „Von der Gurtpflicht sind wir innerorts befreit“, berichtet Schumacher.
Immer freundlich
Im Sommer stehen immer mal wieder Leute an der Tür oder auf der Straße und warten auf den Postboten. Ein kleines Schwätzchen ist besonders bei den älteren Menschen gern willkommen. „Freundlichkeit ist sehr wichtig“, bestätigt Dieter Pietruck. „Die Briefträger haben den härtesten Job bei der Post, gleichzeitig sind sie aber auch unsere Aushängeschilder.“ 2007 erhielten Ralf Schumacher und seine Kaller Kollegen Dirk Iskra und Guido Huppertz sogar bundesweit eine Auszeichnung als „freundlichste Briefträger des Landes“.
Im Winter bleiben die Haustüren meist geschlossen. Wetterunempfindlich sind dagegen die Haushunde. „70 bis 80 Hunde auf einer Tour sind normal“, so Schumacher. Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung kennt der Wahlener seine „bellenden Pappenheimer“. Die meisten Vierbeiner, ob gut oder schlecht gelaunt, sind bestechlich mit „Hundeleckerchen“.
In Benenberg allerdings existiert ein Vierbeiner, der derart scharf ist, dass sich Ralf Schumacher seit Jahren immer neue Anpirschmethoden ausdenken muss, um heil zum Briefkasten und wieder zurück zum Auto zu gelangen. Ohne Angst hat er dieses Haus noch nie angefahren. 12 000 Kilometer fährt Ralf Schumacher dienstlich übrigens pro Jahr im Stop-and-go-Verfahren durch die Gemeinde Kall.
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