Von Emmanuel van Stein, 18.11.08, 18:29h, aktualisiert 19.11.08, 10:28h
Eine altehrwürdige Kölner Kunstmesse nimmt unter dem Titel Cologne Fine Art & Antiques (CFAA) wieder Fahrt auf: Nachdem sich die traditionsreiche Westdeutsche Kunstmesse, die KunstKöln und die Antiquariatsmesse vor zweieinhalb Jahren erstmals unter der gemeinsamen Flagge der Cologne Fine Art präsentierten und 2007 den Platz mit der Art Cologne tauschten, eröffnete gestern in Halle 3.2 der Deutzer Kölnmesse eine stark gewandelte Veranstaltung mit vielen Neuerungen und einem erneut veränderten Namen.
Der sei notwendig geworden, erklärt der Sprecher des Rheinischen Kunsthändler-Verbandes, Hans- Martin Schmitz. Vor allem ausländische Kunden hätten die Cologne Fine Art und die Art Cologne kaum noch auseinanderhalten können. Der Neustart lässt Hoffnungen keimen, auch weil im Juli eine eigene Direktorin für die CFAA installiert wurde: Die Kunsthistorikerin Ulrike Berendson nahm die „Herausforderung“, wie sie im Gespräch betont, „mit der festen Überzeugung an, dass wir an die Tradition der westdeutschen Kunstmesse anknüpfen können.“ Berendson reduzierte beherzt die Zahl der Galerien, Kunsthandlungen und Antiquare um die Hälfte auf jetzt 80 Teilnehmer, die sich in einer Halle direkt am Südeingang der Messe (gut erreichbar vom Bahnhof Deutz aus) in einer kompakten Crossover-Aufstellung zusammenfinden: Es gibt also keine Blockbildungen mehr. Klassische Moderne, Nachkriegskunst bis 1980 (das ist der Trennstrich zur Art Cologne), Meister des 19. Jahrhunderts, Möbel und Kunsthandwerk sowie die außereuropäische Kunst mischen ihre Angebote attraktiv.
Gerhart Richter ab 59.000 EuroSteht man zum Beispiel in der großzügigen Koje der Düsseldorfer Galerie Ludorff, die eine umfangreiche Gerhard-Richter-Kollektion zeigt (zu Preisen zwischen 59 000 und 375 000 Euro), blickt man sowohl auf das Keramik- und Kunsthandwerk-Angebot des Aachener Kunsthandels Steinbeck, als auch auf die Afrika- und Ozeanien-Objekte des Kölner Michael Vignold, der eine hölzerne Gabun-Maske für 32 000 Euro offeriert. Rainer Ludorff begrüßt den Genre-Mix ebenso wie der Dortmunder Galerist Wilfried Utermann (Emil Schumachers „Bergon“ kostet hier 210 000 Euro).
Ansprechend ist die Standarchitektur: hell, großzügig, übersichtlich; dazu Rosen in den Gängen. Berendson, die auf zeitgenössische Kunst und Fotografie verzichtet, ist offenbar weitgehend freie Hand gelassen worden, die Qualität zu komprimieren: „Es geht hier nicht um verkaufte Quadratmeter, aber wir wollen wachsen“ - und zu einem klaren Profil finden. Der Einsatz der neuen Direktorin zeigt Wirkung, denn das Angebot und seine Darstellung gefallen größtenteils.
Bei einem Gang durch die Halle begegnet man immer wieder Hochkarätern; etwa von Emil Nolde: „Zinnen und Sonnenblumen“ (1940) bietet Margret Heuser (Düsseldorf) für 2,65 Millionen Euro an, „Clematis“ (1944) kostet bei Salis & Vertes 1,85 Millionen Euro. Die Salzburger haben zudem einen Tom Wesselmann für 1,45 Millionen Euro im Angebot. Die Kölner Galerie Boisserée hat eine Farbkreidezeichnung von Joan Miró (95 000 Euro) am Stand, und Georg Britsch aus Bad Schussenried bietet ein Wiener Steinschloss-Prunk-Pistolen-Paar (58 000 Euro) an.
Bleiben die sieben Antiquariate: Unter ihnen bietet das Sindelfinger Kunstkabinett Strehler ein Büchlein der Zeichnerin Maria S. Merian (1718) für 14 800 Euro an. Allen positiven Perspektiven zum Trotz beklagt Hans-Martin Schmitz eine „enorme zeitliche Konkurrenz“, in die die Messe gezwungen worden sei: Allein in München banden vier Veranstaltungen im Vorfeld der CFAA „so viel Potenzial, dass einige Aussteller in Köln absagten“. Hinzu kamen die Internationale Antiquariatsmesse LiberBerlin Anfang November sowie die Ars Nobilis, die erst am letzten Wochenende in Berlin ihre Pforten schloss.
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