Schriftgröße

Journalist ./. DFB

Von Kampagnen und Demagogen

Von Jan-Philipp Hein, 18.11.08, 21:23h, aktualisiert 21.11.08, 13:13h

DFB-Chef Theo Zwanziger trägt eine bizarre juristische Fehde gegen den Journalisten Jens Weinreich aus. Dieser hatte ihn einen "Demagogen" genannt, worauf sich Zwanziger in Verbindung mit Goebbels gerückt sah. Zwei Prozesse hat der DFB-Chef schon verloren, doch er gibt nicht auf...

Theo Zwanziger
Bild vergrößern
Theo Zwanziger spricht bei einer Pressekonferenz des DFB. (Bild: dpa)
Theo Zwanziger
Bild verkleinern
Theo Zwanziger spricht bei einer Pressekonferenz des DFB. (Bild: dpa)

Vor Gericht hat der DFB-Präsident Theo Zwanziger gegen den freien Journalisten Jens Weinreich bereits zweimal verloren. Beide Male wollte der Verbandsboss dem Schreiber verbieten lassen, ihn einen „Demagogen“ zu nennen. Das hatte Weinreich sowohl in Zeitungen als auch online und in den Kommentaren eines Internet-Blogs getan. Demagoge, weil Zwanziger - nach Weinreichs Wahrnehmung - den Grund für die Misere des Deutschen Fußballs beim Kartellamt und Gerichten sieht und nicht in seinem Laden.

Der DFB-Präsident sah sich mit dem Begriff in die Nähe von Joseph Goebbels gerückt. Das Landgericht und das Kammergericht in Berlin sahen das anders. Zwanziger wollte jedoch nicht aufgeben und drohte ein Hauptsacheverfahren in Koblenz an. Warum Koblenz, fragte sich nicht nur Weinreich. Der DFB hat seinen Sitz in Frankfurt, Weinreich lebt in Brandenburg. Womöglich Koblenz, weil Zwanziger dort mal Richter war. Die Klage fällt aus. Denn Weinreich habe sich entschuldigt, teilte der DFB vor ein paar Tagen per Pressemitteilung mit.

„Ich habe mich weder entschuldigt noch ein Fehlverhalten eingestanden“, schreibt Weinreich in seinem Blog und nennt die Pressemitteilung des DFB ein „Lügengebilde“. Die mit dem Kürzel „hs“ gezeichnete Mitteilung, hinter dem sich vermutlich Kommunikationsdirektor Harald Stenger verbirgt, ist bemerkenswert. Der DFB zitiert seinen Generalsekretär Wolfgang Niersbach und lässt ihn über Weinreich sagen: „Die Grenzen der Meinungsfreiheit wurden hier eindeutig überschritten“, was in Anbetracht der Gerichtsurteile eindeutig falsch ist. Insgesamt „18 Lügenkomplexe“ verortet Weinreich in dem Schreiben, in dem ihm außerdem vorgeworfen wird, eine Kampagne gegen Zwanziger zu führen.

DFB-Pressestelle gibt sich wortkarg

Bemerkenswert: Der DFB schickte die Presseerklärung per Mail mit Begleitschreiben auch an Hochkaräter aus seinem Verteiler - Bundestagabgeordnete, Funktionäre und sonstige Society-Größen. DFB-General Niersbach fordert darin dazu auf, die Erklärung „argumentativ“ zu verwerten. Bis zum Redaktionsschluss war der DFB nicht dazu in der Lage, Fragen zu beantworten - weder Niersbach, noch Vize Rainer Koch, noch Kommunikationsdirektor Harald Stenger. Der verweist beim Thema Demagoge auf die Pressemitteilung und beendet das Gespräch abrupt, so man nach möglichen Falschbehauptungen in eben der Mitteilung fragt.

Die Berufsverbände halten sich zurück. Der Präsident des Verbands Deutscher Sportjournalisten, Erich Laaser, lehnt jeden Kommentar ab, und beim Deutschen Journalistenverband nennt man die Pressemitteilung des DFB zwar „unglücklich“, aber es handele sich doch nur um eine Privatfehde.



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Kölner Stadt-Anzeiger auf dem iPad


Anzeige


Umfrage

Wie fanden Sie Hape Kerkeling?
Mehr als drei Stunden führte Hape Kerkeling durch den ZDF-Jahresrückblick "Menschen 2011". Hat Ihnen die Darbietung des gefeierten Allround-Moderators gefallen.

Bildergalerien


Extra


ksta-blogs.de


Kolumne


WAS.WANN.WO.


Hintergrund


Extra


Dienste