Von Tim Stinauer, 20.11.08, 21:53h, aktualisiert 21.11.08, 00:26h
Die Geldübergabe sollte auf einem Friedhof bei Bonn stattfinden. Lidl schaltete die Polizei ein. Bei der geplanten Geldübergabe vorige Woche nahmen Beamte den mutmaßlichen Erpresser zwischen Grabsteinen fest. „Ein Richter hat Haftbefehl gegen den Mann erlassen“, sagte Rainer Köller von der Polizei Heilbronn dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Die Kripo Heilbronn bearbeitet sämtliche Fälle von Lidl-Erpressungen, weil der Konzern im benachbarten Neckarsulm ansässig ist.
Im April hatte Jupp G. den Ermittlungen zufolge seinen ersten von sechs Drohbriefen an die Lidl-Geschäftsleitung geschickt. Der pensionierte Diplom-Ingenieur forderte eine sechsstellige Summe von dem Unternehmen. Andernfalls wolle er in Filialen in Köln, Bonn und Düsseldorf Lebensmittel vergiften.
Im Oktober informierte der Erpresser auch den „Kölner Stadt-Anzeiger“ in einem anonymen Schreiben darüber, „dass die Lidl GmbH Drohungen erhält verbunden mit einer Geldforderung als Wiedergutmachung für Kündigungen und Repressalien bzw. Überwachungen ihrer Mitarbeiter. Diese Drohung wurde jetzt nicht nur wiederholt, sondern auch umgesetzt.“ Zwölf Zeilen in Computerschrift auf einem weißen Din-A-4-Blatt, sauber formuliert, ohne Rechtschreibfehler. Jedes Komma sitzt. Im letzten Satz heißt es: „Seit Montag sind Gurkengläser mit WC-Reiniger in Umlauf. Mit freundlichem Gruß.“
Die Polizei beschlagnahmte den Brief und untersuchte ihn auf Fingerabdrücke. Lidl räumte in allen Filialen in Nordrhein-Westfalen die Gurkengläser aus den Regalen. Tatsächlich fanden die Beamten in einer Fi
liale im Raum Köln ein verunreinigtes Glas. „Schon beim Öffnen des Deckels roch es stark.
Den Gurken war ein Reinigungsmittel beigemischt, das zwar ungenießbar war, aber nicht gesundheitsgefährdend“, berichtete Polizeisprecher Köller.
Zum Schein gingen die Ermittler auf die Forderungen des 67-Jährigen ein, ließen auf sein Geheiß in einer Tageszeitung eine Annonce mit einem vorgegebenen Text schalten. „Der Täter wollte sich davon überzeugen, dass Lidl seine Drohungen auch erhalten hat“, verriet ein Ermittler. Wie die Polizei dem Mann schließlich auf die Spur kam, behalten die Beamten für sich. Sie observierten den Verdächtigen bis zu seiner Festnahme auf dem Friedhof.
In seiner Wohnung stellte die Kripo nach eigenen Angaben „umfangreiches Beweismaterial“ sicher, unter anderem Schriftstücke und einen Computer. Der Rentner habe ein Geständnis abgelegt und beteuert, nur ein Glas verunreinigt zu haben. Bei der Polizei war der 67-Jährige bislang nie aufgefallen. Warum er so dringend Geld benötigte, sei noch unklar, sagte Polizeisprecher Rainer Köller.
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