Von Damian Zimmermann, 21.11.08, 20:46h
Das ist neu: Acht Kölner Jung-Galerien laden an diesem Samstag zum Rundgang von 12 bis 20 Uhr ein. „Cologne Contemporaries“ nennt sich die Veranstaltung, die vom neuen Art-Cologne-Chef Daniel Hug begründet wurde - und sich nicht als Konkurrenz für die „Cologne Open“ der etablierten Galerien versteht, sondern als Ergänzung.
Musik im Zentrum
Zum Rundgang finden drei Vernissagen statt - aus Planungsgründen haben die meisten Galeristen ihre Ausstellungen schon in den vergangenen Wochen eröffnet. So zum Beispiel Sebastian Brandl. In seinen kleinen Räumen dreht sich derzeit alles um Musik, denn der Maler, Zeichner, Bildhauer und Videokünstler Marcelo Viquez zeigt in „Solo“ rund 20 Zeichnungen, eine Skulptur sowie ein Video, die sich inhaltlich mit seinen zurückliegenden Aktivitäten als Schlagzeuger in einer Punkband auseinandersetzen. „One day is fine and next is black“ lautet der Satz, der aus dem Clash-Klassiker „Should I Stay Or Should I Go“ stammt und unter einem gezeichneten Schlagzeug steht. Das Werk von Viquez weist die Ästhetik, Ikonographie, den Humor und die Leichtigkeit des Comic, des Graffiti und der Pop-Art auf, ohne jedoch auf Tiefe zu verzichten.
Gegenüber präsentiert Marietta Clages Kunst, die sich im weitesten Sinne mit Musik beschäftigt - allerdings wesentlich abstrakter. In der Ausstellung „Ping Pong“ der 1976 geborenen Shila Khatami geht es um den musikalischen Kontrapunkt, den Khatami für ihre Methode adaptiert: Ihre Arbeiten verbinden Mittel der gestischen Abstraktion mit denen eines geometrischen Minimalismus. Das musikalische „Note gegen Note“ wird hier zum malerischen Pingpong, die beiden Ansätze behaupten sich als Einzelnes und reagieren doch aufeinander.
Marion Scharmann zeigt in ihren Räumen mit Caroline Bayer, Sven Weigel, Katharina Meister sowie dem französischen Künstlerduo Leylagoor+AnnGuillaume gleich vier junge, medienübergreifende Positionen mit Fotografie, Video, Scherenschnitt, Wandzeichnung, Bleistift-, Woll- und Kohlezeichnung. Thematisch visualisieren die Arbeiten Raumerfahrungen zwischen Stadt- und Landschaftsdarstellungen, zwischen Innen- und Außenraum - damit entsprechen sie dem Galerieprogramm, das sich eben durch intermediale und raumbezogene Grenzüberschreitungen auszeichnet.
Für die Ausstellung „Matrix & Lemniscate“ bei Christian Lethert hat die Künstlerin Jorinde Voigt erstmals mit den Komponisten Patric Catani und Chris Imler zusammengearbeitet. In der Ausstellung geht es um nichts Geringeres als die Unendlichkeit. Jorinde Voigt zeichnet Strukturen, um die Endlichkeit der Grenzen von Systemen zu untersuchen. Patric Catani und Chris Imler haben die liegende Acht des Unendlichkeitssymbols als akustisches Cluster in den Galerieräumen entstehen lassen.
Im Schnittraum erhält die Künstlerin Katharina Marszewski Verstärkung von den beiden Braunschweigern Natalie Häusler und Heiner von Alberti. Während Marszewskis und Häuslers Arbeiten quasi in den Raum hineinwachsen und skulpturale Probleme des Mediums behandeln, verwendet Alberti Bilder und Sprache in seinen Zeichnungen.
Ebenfalls eröffnet werden die Ausstellungen bei Figge von Rosen und Teapot. Erstere zeigt monumentale Arbeiten des niederländischen Bildhauers und Malers Bas de Wit. Im Zentrum steht dabei die über drei Meter hohe Skulptur „Toontje Lager“ aus Polyester und PU-Schaum, die drei Afroamerikaner in Lebensgröße zeigt. Auf ihren Schultern ruht ein überdimensionierter Ghettoblaster, der in einem Trauermarsch zu Grabe getragen wird. In einem aufwendigen Verfahren hat de Wit lebensnahe Abgüsse von allen Elementen des Werks gemacht und diese entsprechend seinen Vorstellungen in der Größe verändert.
Den „W.A.L.D.“ vor lauter Bäumen übersehenDie Südstadtgalerie Teapot, die Anfang des Jahres eröffnet und gleich einen imposanten Start hingelegt hat, zeigt „W.A.L.D.“ von Thomas Palme, dem manischen Schöpfergeist, der in einem Jahr schon mal 4000 Zeichnungen anfertigt. Unruhe versprühen auch seine Bildinhalte: deformierte Körper, Kreuze, wilde Übermalungen, gelegentlich Tiere oder Teufel. Die werden oft um Text wie kurze Widmungen ergänzt. Es sind Bilder zwischen Himmel und Hölle, wozu die Palme-Definition als „Seismograph im Christusleib“ ganz gut zu passen scheint. Von rheinischer Heiterkeit fehlt bei ihm jedenfalls jede Spur.
Unweit von Teapot befindet sich die Galerie Julia Garnatz. Ihre Ausstellung „Über den Wolken“ der Bildhauerin Ilona Herreiner läuft bereits seit Ende Oktober. Dort reiten männliche, sonderbar entstellte Figuren auf Ziege, Hahn oder einem doppelköpfigen Pferd, während Froschgesichter, Holzbeine oder kleinwüchsige Extremitäten den Blick auf die sonst betont maskulin gearbeiteten Körper verzerren. Grotesk geht es auch in ihren Puppenhausszenarien zu: Bevölkert sind die Zimmer von Frauengestalten, die mal sitzen, mal stehen, mal mit Gitarre oder Messer spielen oder auch mal auf einem Kentaur-ähnlichen Zwitterwesen reiten.
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