Schriftgröße

Konzert

Immer gibt er Gas

Von Frank Schergel, 23.11.08, 19:02h

Farin Urlaub tritt zweimal hintereinander im Kölner Palladium auf - und alle singen mit. Die Karten für den ersten Termin waren bereits im Sommer knapp geworden, sodass mit einem Zusatzkonzert die Krachgarten Tour 2008 gleich doppelt eingeläutet wurde.

farinurlaub
Bild vergrößern
Farin Urlaub weiß seine Fans zu ködern. (Bild: Arton Krasniqi)
farinurlaub
Bild verkleinern
Farin Urlaub weiß seine Fans zu ködern. (Bild: Arton Krasniqi)
„Liebe! Liebe!“ Ein seltsamer Sprechchor dröhnt durch das ausverkaufte Palladium. Gerade hat sich Farin Urlaub über Kölner und Romantik amüsiert: Wenn es romantisch wird, fange der Kölner an, „Liebe!“ zu grölen. Das Publikum nimmt den Vorschlag begeistert auf und legt los. Es ist nicht sicher, wer sich jetzt über wen lustig macht. Aber sicher ist, dass Farin Urlaub spätestens mit seiner dritten Soloplatte „Die Wahrheit übers Lügen“, was den Erfolg beim Publikum angeht, in einer Liga spielt mit Westernhagen und Grönemeyer. In der Fan-Dressur ist er ganz vorn, wenn er es will, springen und singen alle.

Der Nachteil ist, dass die Fans gnadenlos alles johlen, ruhige Stücke haben keine Chance. So gibt Farin Urlaub immer Gas, der Name seiner Band, „Racing Team“, ist Programm. Seit nun schon sieben Jahren spielt er mit ihnen, und mit der neuen Platte scheint er in der Entwicklung stehen geblieben zu sein. Die Musik wechselt zwischen derbem Rock, gelegentlich entspanntem Reggae und atemlosem Ska (der im Konzert schön von vier Bläsern getragen wird). Die Texte drehen sich immer um die gleichen Themen: Glück, Liebe und Enttäuschung.

Das funktionierte zwei Alben lang, auf dem neuen fügt Farin Urlaub nichts Wesentliches mehr dazu. Das klappt bei seiner Erstband, den Ärzten, nach nun auch schon 25 Jahren besser. Doch auch wenn die neue Platte schwächelt - live garantiert Farin Urlaub nach wie vor gute Unterhaltung. Der Solo-Arzt ist inzwischen Mitte 40, und im Saal feiern Fans aus drei Generationen. Die Ansagen sind launig, das Licht stimmungsvoll, und die Band spielt, was das Publikum hören will.

Der Klang ist allerdings etwas dumpf, und die Schlagzeugerin sorgt mit durchgängiger Basstrommel dafür, dass er dumpf bleibt. Manchmal merkt man Farin Urlaub seine Vorliebe für Kiss an, dann ist der Rock recht eintönig, doch die Bläser sorgen rechtzeitig für Abwechslung. „Ich bin ein Meister der getanzten Eleganz“, singt Farin, wackelt mit dem Hintern, und die Bläser spielen Michael Jacksons „Thriller“ an. Ansonsten sorgen sie für Partystimmung: Fiesta mit Farin. Auch einen Jubel wert: Gitarristin Nessie feiert ein Heimspiel. Ihre eigene Band „Nicht ohne meine Schwester“ wird in ihrer Heimat Köln allerdings feste ignoriert.

Zweimal hintereinander spielt Farin Urlaub im Palladium, die Preise sind erstaunlich fair, die Unterhaltung ist gut, über zwei Stunden dauert das Konzert, und Farin Urlaub bringt es fertig, in seinen Texten selten gebrauchte Wörter wie „Misanthrop“ und „Erbsenzähler“ unterzubringen. Da kann man nicht meckern.



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Orte des Geschehens

große Karte

Anzeige


WAS.WANN.WO.


Bildergalerien


Kölner Stadt-Anzeiger auf dem iPad


Studio DuMont


Video


Kolumne


Extra


Stadtmenschen Community


Extra


Die andere Meinung


ksta shop


Links


Dienste