Von Heribert Rösgen, 26.11.08, 16:01h
„Dezernent Streitberger bereitet einen Bebauungsplan vor“, sagte der Ehrenfelder Bezirksvertreter Jürgen Brock-Mildenberger. Das offenbar schon sehr weit fortgeschrittene Vorhaben sei „verspätet“ in Politikerkreise durchgesickert, ergänzt der SPD-Politiker ironisch. Bereits in der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung Ehrenfeld hatte es einen einstimmigen Beschluss gegeben. Damit wurde die Verwaltung beauftragt, für das Gebiet, das von der Oskar- Jäger-Straße, Vogelsanger Straße, Maarweg und der Trasse der DB AG eingegrenzt wird, einen Bebauungsplan mit einer anderen Zielsetzung aufzustellen. Darin soll stehen: „Eine städtebaulich sinnvolle Bebauung unter besonderer Berücksichtigung von Kreativwirtschaft und anderem produzierendem Gewerbe. Der entscheidende Satz aber soll sein: „Großflächiger Einzelhandel ist mit sofortiger Wirkung auszuschließen.“
So wäre ein Möbelgeschäft ausgeschlossen. Baudezernent Bernd Streitberger stellt indes klar, dass es bislang lediglich Vorüberlegungen gegeben habe, ob man dem Möbel-Unternehmen ein Grundstück auf dem Bahnhofsareal anbieten könnte. „Es ist schließlich Wunsch des Stadtentwicklungsausschusses, das Geschäft vom jetzigen Standort zu verlagern, um dort dann Wohnungen bauen zu können“, betont Streitberger. Benötigt würden etwa 10 000 Quadratmeter. Damit würde noch genügend Fläche auf dem Güterbahnhofs-Areal verbleiben, um dort noch etwas anderes zu realisieren. Die Initiative „Jack in the Box“ hält auch Streitberger für „wichtig und unterstützenswert“.
Nach Informationen von Bezirksbürgermeister Josef Wirges seien schon Investoren, die das Möbelhaus errichten wollten, beim Baudezernat vorstellig geworden. „Nicht mit uns. Wir wollen das nicht“, bekräftigte Josef Wirges beim dritten Ehrenfelder Kulturforum, das auf genau diesem Gelände stattfand, dem früheren Güterbahnhof an der Vogelsanger Straße. Gastgeber war die Beschäftigungsinitiative „Jack in the Box“. Die Frage „Billigmöbel oder Designzentrum“ war das beherrschende Thema.
Schützenhilfe erhielten Ehrenfelds Politiker und Kulturschaffende von Kulturamtsleiter Konrad Schmidt-Werthern. „Räume für Kultur zu schaffen, ist mindestens ebenso wichtig wie deren öffentliche Förderung“, sagte Schmidt-Werthern. Es möge ja vielleicht notwendig sein, dass man irgendwo preiswerte Möbel kaufen könne, „aber nicht, wenn dadurch dieser Ort hier verloren geht“, sagte der Amtsleiter unter dem Beifall der Kulturforumsgäste.
Ins Blickfeld der Kulturszene rückte das größtenteils aus unbebauter Brachfläche bestehende Gelände durch die Ansiedlung von „Jack in the Box“ vor etwa einem Jahr. Die „Spezialität“ dieser Beschäftigungsinitiative ist das Nutzbarmachen ausgedienter Seecontainer für Wohnen und Gewerbe, Bildungszwecke und soziale Aufgaben. Mehrere Musterbeispiele für Wohnzwecke und mobilen Galerie-Einsatz sind auf dem Gelände zu sehen. Ein Team von Architekten, Ingenieuren, Schlossern, aber auch Ungelernten verwirklicht die Ideen im Rahmen dieses ungewöhnlichen „Recyclingprojektes“. „Nebenbei“ haben die hier Beschäftigten die Möglichkeit, sich durch Leistungen und Erfahrungen für den Arbeitsmarkt zu empfehlen.
Zweimal bereits war „Jack in the Box“ bei der Architekturwoche „Plan“ vertreten sowie auch bei der dezentralen Design-Messe „Passagen“. Beim Projekt „Workstation“ schuf der Verein im September dieses Jahres in zwei Seecontainern mobile Arbeitsplätze für Architekturstudenten der Fachhochschule. Beeindruckend ist auch die Liste eigener Veranstaltungen von „Jack in the Box“ auf dem Gelände am ehemaligen Güterbahnhof Ehrenfeld, die von Kino über Konzerte bis bis zur Mini-Messe für ökologisches Design reichten.
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