Von Rüdiger Heimlich, 26.11.08, 20:20h, aktualisiert 26.11.08, 20:22h
Da unsere Sicht auf die sogenannte arabische Welt durch westliche Medien geprägt ist, bemühen sich seit Jahren TV-Sender wie Al Dschasira und Al Arabia, ihre Sicht der Dinge dagegenzusetzen. Dabei werden sie misstrauisch beäugt vom Westen, denn was für ein „Licht“ soll ihm da aus Ländern mit kontrollierten Staatsmedien aufgehen? Zur Ausräumung von Missverständnissen und Vorurteilen ist es freilich hilfreich, nicht nur übereinander, sondern auch miteinander zu reden.
Den deutsch-arabischen Medien-Dialog will nun die Deutsch-Arabische Freundschaftsgesellschaft (DAFG) pflegen. Die DAFG spaltete sich im Juli 2007 in der Person von Otto Wiesheu von der Deutsch-Arabischen Gesellschaft (DAG) ab. Letztere ist eine Lobby, mit der deutsche und arabische Unternehmen ihre Beziehungen zur Politik pflegen. Wiesheu, ehemals bayerischer Wirtschaftsminister, trat 2005 demonstrativ als DAG-Präsident zurück, nachdem er mit einer Veränderung der Gewaltenteilung innerhalb der DAG nicht reüssierte. Seit einem Jahr nun pflegt Wiesheu die eigene Gesellschaft, in dessen Vorstand und Beirat „kraft ihres Amtes“ die Botschafter arabischer Staaten in Deutschland sitzen.
Wo sind die Botschafter der arabischen Welt?In der Konkurrenz der deutsch-arabischen Lobby-Verbände sieht die DAFG im Medien-Dialog eine Art Alleinstellungsmerkmal, was Außenstehenden freilich schwer zu vermitteln ist. Denn Wiesheus Nachfolger als DAG-Präsident ist der Medienmann Peter Scholl-Latour. „Unser Präsident“, verkündet die DAG in ihrem Printmagazin „Eurabia“ stolz, „wird noch in diesem Sommer den Libanon und Syrien besuchen und dabei von einem ZDF-Fernsehteam begleitet.“ Einstweilen kann DAFG-Präsident Wiesheu mit einem „Deutsch-Arabischen Medienforum“ punkten, das am Dienstagabend erstmals in Berlin stattfand und zur Podiumsdiskussion unter anderem mit dem ehemaligen ARD-Nahost-Korrespondenten Marcel Pott aufwartete.Die Diskussionsteilnehmer, Vertreter arabischer und deutscher Medien, waren sich einig, dass das Bild arabischer Länder in Deutschland und das Deutschlands in der arabischen Welt gelinde gesagt unbefriedigend sei. Grundsätzlich wurde festgehalten, seien Begriffe wie „arabische Welt“ oder Islamismus irreführend, denn außer dem Koran, der arabischen Hochsprache und den Palästina-Konflikt gebe es kaum Gemeinsamkeiten zwischen den Staaten an Golf und Levante.
Beklagt wurde eine „deutsche Unausgewogenheit“: Israel komme - historisch bedingt - in deutschen Medien häufiger als die arabischen Staaten vor, zudem sei deren Haltung aus arabischer Sicht überwiegend pro-israelisch. Verantwortlich dafür sei nicht nur das Freund-Feind-Schema des Kalten Krieges, so Marcel Pott - Israel gehörte ins westliche Lager, arabische Nachbarn wie Syrien ins Feindeslager. Einschüchternd sei auch, wenn Journalisten wie Henryk M. Broder „jede antizionistische Kritik als krypto-antisemitisch“ geißelten. Auch bei der Themenauswahl sei in öffentlich-rechtlichen Redaktionen „die Schere im Kopf“ zumindest mitbestimmend, so Pott. Im letzten Libanonkrieg, so Pott, hätten Kamerateams internationaler TV-Sender einen libanesischen Flüchtlingskonvoi begleitet. Als dieser Konvoi beschossen wurde, hätten US-Sender darüber berichtet und vorsichtig erklärt, der Angriff sei wohl von israelischen Streitkräften ausgegangen. Im deutschen Fernsehen sei der Vorgang kein Thema gewesen. Vielleicht deshalb, so mutmaßt Pott, weil wenige Tage zuvor Salomon Korn, Vize-Präsident des Zentralrats der Juden, im ZDF-Fernsehrat erklärt hatte, die TV-Berichterstattung stelle das Vorgehen Israels im Libanon einseitig als aggressiven Akt dar und nicht als legitime Verteidigungsmaßnahme gegen Raketenangriffe der Hisbollah.
„Wo sind die Botschafter der »arabischen Welt« im deutschen Fernsehen?, fragte Anis Abdul-Ella, Deutschlandkorrepondent von Al Arabia. Der israelische Botschafter sei zum Thema Nahost-Konflikt sofort auf dem Bildschirm, die arabischen Kollegen würden entweder nicht angefragt oder meldeten sich nicht zu Wort. Da müssten sich die Botschafter wohl doch stärker als „Kommunikationsagenturen“ ihrer Länder begreifen, erklärte der Veranstalter.
Überhaupt, meldete sich das Publikum zu Wort, müssten sich die arabischen Länder gravierender engagieren. In Berlin gebe es kein arabisches Kulturzentrum, weil sich die Staaten nicht einigen könnten, wer dort das Sagen habe und wer zahlen solle. Aber vielleicht lassen sich die Botschafter in die Pflicht nehmen, nach dem Motto „Ex oriente pecunia“.
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