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Austausch

Auszeichnung ziert Lebenslauf

Von Ralf Johnen, 28.11.08, 17:40h

Eine Politikstudentin bereitet die UN-Simulationskonferenz in Bonn vor. Die 22-jährige Maren Jaschke freut sich auf den Austausch mit 180 jungen Menschen aus allen Teilen der Welt.

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Maren Jaschke mag den politischen Austausch. Auch UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon hat sie bereits die Hand geschüttelt. BILD: JOHNEN
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Maren Jaschke mag den politischen Austausch. Auch UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon hat sie bereits die Hand geschüttelt. BILD: JOHNEN
Sankt Augustin - Klar, von außen kann jedermann leicht behaupten, dass er dieses oder jenes besser machen würde. Doch Maren Jaschke möchte sich nicht anmaßen, einfach mal eben so die Arbeitsweise der Vereinten Nationen in Frage zu stellen. Nicht ohne persönlich für die Organisation gearbeitet zu haben. Und nicht ohne genaue Einblicke in die Funktionsweise des unübersichtlichen Geflechts an Suborganisationen zu haben.

Im Vorfeld ihrer eigenen großen UN-Simulationskonferenz sagt die 22-jährige Politikstudentin daher diplomatisch: „Ich würde mich zunächst einmal darauf beschränken, die Ideale der Vereinten Nationen zu vertreten.“ Erst danach rückt sie damit heraus, was ihr weltpolitisch besonders gegen den Strich geht: Zum Beispiel, „dass Hilfsgelder bei den Kleptokraten der Entwicklungsländer landen“. Und, wie sie etwas zögerlich hinzufügt, könne es wohl auch nicht schaden, die UN einmal gründlich zu reformieren. Schließlich sei es kein Geheimnis, dass der Verwaltungsüberbau zu groß und unübersichtlich sei. Und dass zu viel Geld dort hinein fließe.

MENSCHEN

IM GESPRÄCH

Ab Montag kommender Woche hat die aus Sankt Augustin stammende Jaschke nun Gelegenheit, die weltpolitische Gemengelage und die Potenziale der Vereinten Nationen gründlich zu sondieren. An diesem Tag nämlich beginnt im Bonner Wasserwerk eine Tagung, zu der 180 Delegierte aus 50 Ländern anreisen. Bis einschließlich Freitag werden die Diskutanten an Konzepten arbeiten, welche die Welt voranbringen könnten. Theoretisch, aber vielleicht auch praktisch, denn die wichtigsten Ergebnisse werden an die UN weitergetragen.

In typischer UN-Lyrik nennt sich die Veranstaltung BIMUN, was für Bonn International Model United Nations steht. Nachdem sie im vergangenen Jahr als Delegierte erstmalig an dem großen Event teilgenommen hat, ist sie in diesem Jahr für die komplette Pressearbeit zuständig. Als Referentin für diese Fachrichtung weiß Jaschke, dass vergleichbare Konferenzen inzwischen an vielen Ort stattfinden, um ein besseres Verständnis für internationale Politik zu kreieren.

Dennoch aber betont sie, dass die Bonner Variante etwas Besonderes sei - nicht nur wegen der historischen Austragungsstätte: „Es ist die einzige Konferenz ihrer Art, die ausschließlich von Studenten organisiert wird.“ Und auch die englisch-französische Bilingualität suche ihresgleichen. Vielleicht am wichtigsten aber sei die Tatsache, dass Bonn die einzige deutsche Stadt sei, an der die UN mit mehreren Organisationen ansässig ist: „Das ist auf jeden Fall etwas besonderes.“

Um die Frage zu beantworten, warum sie das beträchtliche Arbeitsvolumen auf sich nimmt, muss sie nicht lange überlegen: „Ich lerne dabei unglaublich viel.“ Es sei faszinierend, einer Tagung beizuwohnen, in der ein Student aus Afghanistan die Rolle eines Delegierten aus den USA übernehme. Bei 180 Teilnehmern entstehe so eine Vielfalt an Perspektiven, von der man nur profitieren könne.

Hinzu komme natürlich, dass sich Freundschaften mit jungen Leuten aus allen Kontinenten bilden: „Beim letzten Mal sind reichlich Tränen geflossen, als die Konferenzwoche vorbei war“, räumt sie lachend ein. Dann wären da noch die Sprachkenntnisse, die eine Trainingseinheit verpasst bekommen. Und die Ablenkung vom Studium, das im Massenbetrieb an der Uni Bonn nicht immer erquicklich sei. Wie die Stipendiatin der Friedrich-Ebert-Stiftung ergänzt, ist aber auch ein Nutzwert nicht von der Hand zu weisen: „Die Teilnahme am BIMUN gilt im Lebenslauf bei vielen Unternehmen als echte Auszeichnung.“

Kooperation mit FH-Studenten

Zur Schule gegangen ist Maren Jaschke in Sankt Augustin, wo sie das Albert-Einstein-Gymnasium besucht hat. Dieser Hintergrund hat sie auch dazu verleitet, in ihrem Heimatort für studentische Unterstützung zu werben: „An der FH Bonn / Rhein-Sieg kann man ja Technikjournalismus studieren.“ Also sei sie auf die Studenten zugegangen, und habe gefragt, ob sie nicht Lust hätten, bei der Simulationskonferenz das konferenzinterne News-Team zu verstärken. Da die Resonanz „begeistert“ war, besteht die zwölfköpfige Redaktion nun zur Hälfte aus FH-Studenten. „Diesen Kontakt“, sagt Jaschke, „wollen wir auch in Zukunft beibehalten“.

Die BIMUN-Teilnehmer übrigens müssen zwischen 18 und 30 Jahre alt sein. Sie werden ausgewählt, nachdem sie sich per Internet in Form eines „Letter of intent“, also einer schriftlichen Absichtbekundung, beworben haben. Diesmal freut sich Maren Jaschke besonders darüber, dass ein Konferenzteilnehmer aus dem Gaza-Streifen anreist. Ebenfalls ungewöhnlich ist die Teilnahme zweier erst 16-jähriger Türkinnen, die mit einer Begleitperson nach Bonn kommen. Bedauerlich hingegen sei die Absage eines Studenten aus dem Kongo, der aufgrund der angespannten politischen Verhältnisse absagen musste.

Wenn die Tagung vorbei ist, wird die 22-Jährige, die nebenbei auch noch im Kölner NS-Dokumentationszentrum arbeitet, erst einmal ihr Bachelor-Studium beenden. Danach plant sie - „wenn mich jemand nimmt“ -, noch einen Masterabschluss in Politikwissenschaften. Einer anschließenden Karriere in einer Nichtregierungsorganisation wäre sie keineswegs abgeneigt. Am liebsten in einem „Think Tank“ für Entwicklungspolitik. Auf diese Weise reift dann vielleicht auch ein Wissen heran, das sehr wohl ein differenziertes Urteil über die Lage der Vereinten Nationen gestattet.



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