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Uefa-Cup

Besuch in der Heimat

Von Andreas Morbach, 01.12.08, 20:03h, aktualisiert 01.12.08, 20:04h

Schalke, im Vorjahr noch Viertelfinalist in der Champions League, befindet sich in der Bundesliga im freien Fall. Vor dem Spiel bei Twente Enschede steht Trainer Fred Rutten an alter Wirkungsstätte unter Druck.

Fred Rutten
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Mit Schalke nach Enschede: Trainer Fred Rutten. (Bild: dpa)
Fred Rutten
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Mit Schalke nach Enschede: Trainer Fred Rutten. (Bild: dpa)
GELSENKIRCHEN - Nicht einmal der niederländische Trainer-Exportschlager Guus Hiddink konnte Fredericus Jacobus Rutten vor zweieinhalb Jahren zur gewünschten Beförderung verhelfen. Bis zu Hiddinks Engagement in Russland 2006 hatte Rutten dem berühmten Meister beim PSV Eindhoven als Assistent gedient. Und nun, wo es Hiddink weiter zum russischen Rubel zog, lockte der Lohn für so viel Treue. Bevor er ging, legte Globetrotter Hiddink den Eindhoven-Chefs seinen langjährigen Vasallen noch als Nachfolger wärmstens ans Herz. Doch die PSV-Oberen senkten die Daumen - und Rutten musste wieder zurück nach Enschede. Dorthin, wo er von 1993 bis 2001 schon Trainer war. Und nicht nur das: Nachdem er bis zum 15. Lebensjahr für die Jugend-Teams in seinem Geburtsstädtchen Wijchen gekickt hatte, wechselte der Abwehrspezialist 1978 zum FC Twente. Und blieb dort bis zu seinem Karriere-Ende im Jahr 1992.

Macht mit den zwei Jahren nach der gescheiterten Hiddink-Werbung exakt ein Vierteljahrhundert persönliche Fußball-Geschichte in Enschede. Da ist es geradezu Pflicht einer jeden Loskugel, den Mann auch in seinem ersten Auslandsjob beim FC Schalke 04 an die alte Wirkungsstätte zu lotsen: Also gastiert Rutten am Mittwoch im letzten Gruppenspiel der Königsblauen im Uefa-Cup im Stadion De Grolsch Veste. Und Spötter sagen, seinen 46. Geburtstag am Freitag könne Rutten getrost gleich in Enschede feiern.

Die Ruhe in Person

Denn Schalke, im Vorjahr noch Viertelfinalist in der Champions League und im Sommer für 15,5 Millionen Euro mit Ruttens Wunschspielern Farfan und Engelaar verstärkt, befindet sich im freien Fall. Mit dem 0:2 in Stuttgart sackte der Klub in der Liga auf Rang neun ab, bei einer weiteren Pleite in Enschede droht das vorzeitige Uefa-Pokal-Aus. Und in den Punktspielen bis Weihnachten warten als Gegner Berlin (3.) und Hoffenheim (1.). Bei der gestrigen Pressekonferenz zum Twente-Spiel war der Niederländer dann wieder die Ruhe in Person und verwies auf seine bislang letzte Trainerschleife in Ostholland. „Da hatten wir anfangs auch kleine Probleme, bloß wurden die nicht so ausgewertet wie hier in Deutschland“, erzählte Rutten und ließ wissen: „Ich habe noch immer Spaß an meinem Beruf, die Ergebnisse machen aber weniger Spaß.“

Da geht es ihm genau wie Andreas Müller. Der Manager steht wegen seiner zum Teil extrem verfehlten Einkaufspolitik bei den Fans wie bei den Vereinsoberen zunehmend in der Kritik. Er bittet aber um ein Ende der internen Zänkereien. „Wir alle brauchen unsere ganze Kraft“, betonte Müller, „am besten mit der Unterstützung von allen, die Schalke lieb und gern gewonnen haben.“ Ein frommer Wunsch. Die Luft wird dünner, für Müller - und für Rutten. Auch nach einem knappen halben Jahr in Gelsenkirchen sucht der einstige Vorstopper, den sie in der Heimat „das Türschloss von Twente“ nannten, noch den passenden Schlüssel, um die nach Müllers Überzeugung in den Schalker Profis schlummernden Talente freizulegen. Und alle warten darauf, dass sich des Managers These, Rutten könne das ihm anvertraute Personal besser machen, endlich mit Leben füllt.

Dabei ist gerade der Trainer mit seinen oft inhaltsschwachen Analysen und seiner extrem ruhigen Art beim Folklore-Klub Schalke noch immer ein Buch mit sieben Siegeln. Manager Müller verweist gerne darauf, dass er bei Ruttens Arbeit positive „Entwicklungen“ erkenne, und bittet um „Zeit“. Doch gerade das wirtschaftlich gewagte Projekt FC Schalke verlangt nach regelmäßigem sportlichem Erfolg. Offiziell will Aufsichtsrats-Chef und Ober-Kritiker Clemens Tönnies Mannschaft, Trainer und Manager bis zur Winterpause „nicht weiter unter Druck setzen“. Doch angeblich gibt es in der Vereinsspitze schon Überlegungen, den Schalker Jahrhunderttrainer Huub Stevens zu reaktivieren. Der betreut übrigens gerade mit mäßigem Erfolg den PSV Eindhoven. Jenen Verein, der den sanften Fredericus Jacobus Rutten nie als Cheftrainer haben wollte.



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