Erstellt 16.11.08, 09:58h, aktualisiert 17.11.08, 08:30h
Brandstifter stecken vermutlich in mindestens einem Fall hinter dem Feuerinferno im Süden Kaliforniens. Ein Sprecher der Feuerwehr, Dough Lannon, sagte dem TV-Sender CNN am Sonntagabend (MEZ), alles deute darauf hin, dass das Feuer in der Region um Santa Barbara von Menschenhand gelegt worden ist. Bis zum Sonntag hatten die Einsatzkräfte den Brandteppich dort im Griff. Zwei weitere Feuerwalzen wüteten derweil weiter entlang der Stadtgrenze zu Los Angeles. Dank des nachlassenden Windes machten die Einsatzkräfte jedoch auch dort erhebliche Fortschritte.
Rasendes Tempo
Das Flammenmeer hatte sich seit Mitte der Woche in rasendem Tempo ausgebreitet, und dabei Landstriche und Gebäude in den Kommunen Los Angeles, Riverside und Orange sowie Santa Barbara vernichtet. Mindestens sechs Feuerwehrmänner wurden verletzt. Gouverneur Arnold Schwarzenegger rief für diese Gebiete den Notstand aus. Insgesamt wüteten die Flammen in Kalifornien am Wochenende auf rund 100 000 Quadratkilometern.
Augustin Reyes ist einer der Tausenden, die in den Flammen alles verloren haben. Ihm stehen die Tränen in den Augen, als die CNN-Kameras einfangen, wie er ungläubig auf die verkohlten Überreste seines Hauses in Sylmar schaut. In der Nacht zum Samstag hatten ihn die Einsatzkräfte aus dem Schlaf gerissen. Beißender Rauch, Brandgeruch und eine drückende Hitze stieg von den umliegenden Hügeln herab ins Fernando Valley. Reyes und seiner Familie blieb wie all ihren Nachbarn nicht viel Zeit, sich vor der nahenden Feuersbrunst in Sicherheit zu bringen. Als er am nächsten Tag zurückkehrt, steht sein Haus nicht mehr. "Ich weiß nicht, wie ich das meinem siebenjährigen Sohn erklären soll", erzählt der verzweifelte Vater. "Er ist Autist und kann Veränderungen nicht gut ertragen."
"Das ist das verheerendste Feuer, das wir hier seit 1961 erlebt haben", sagt ein Einsatzhelfer einem örtlichen Fernsehsender. Der Schaden sei noch nicht abzuschätzen. So sei ein ganzer Trailer-Park mit 500 mobilen Wohncontainern dem Erdboden gleich gemacht worden.
Der Ort Sylmar (silbernes Meer), so benannt nach den einst großen Olivenhainen mit ihren silbernen Blättern, macht seinem Namen keine Ehre mehr: Schwarze Häuserruinen und verkohlte Baumreste prägten am Sonntag das Bild. Das Feuer tobte in der sonst malerischen Gegend, um sich dann mit teilweise 130 Kilometern pro Stunde entlang der Stadtgrenze zu Los Angeles weiter durchzufressen.
Rasende Feuerwalze
Aus der Ferne verfolgten die geflüchteten Anwohner schockiert und verzweifelt die rasende Feuerwalze. Zahlreiche Verkehrswege sind abgeschnitten, darunter auch große Einfahrtstraßen mit Hochspannungsmasten. Das Feuer sorgte immer wieder für Stromausfälle in der zweitgrößten Stadt der USA.
"Jeder muss jetzt helfen, wie er kann" appellierte Los Angeles' Bürgermeister Antonio Villaraigosa. Er bat die Bürger der Stadt, Strom zu sparen und sich Wasserreserven anzulegen. Den Opfern der Buschbrände sicherte er zu, ihnen zu helfen, wieder ein Dach über dem Kopf zu bekommen. In Los Angeles wurden vier Schulen zu Notunterkünften umgewandelt.
Die starken Santa-Ana-Winde, die über die Hügel durchs Tal fegen, zwangen die Einsatzkräfte am Wochenende vorübergehend, ihre Löscharbeiten aus der Luft einzustellen. Fortschritte erzielten sie dagegen im Nobelort Montecito. In der Küstenstadt bei Santa Barbara war das Feuer, das zahlreiche Prominentenvillen in der Gemeinde bedrohte, mittlerweile weitgehend unter Kontrolle. Dutzende Villen wurden aber von den Flammen zerstört. Viele Hollywood-Stars bangten um ihre Anwesen, Kinostar Rob Lowe oder Talkmasterin Oprah Winfrey mussten vor den Flammen fliehen. Während die Villa von Michael Douglas unversehrt blieb, griff das Feuer auf das Anwesen von "Zurück in die Zukunft"- Star Christopher Lloyd über. (dpa)
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