Von Christian Oeynhausen, 16.11.08, 16:49h, aktualisiert 17.11.08, 12:52h
Der Jubel wird laut wie nach einem großen Sieg. Die Leute recken Schilder mit Müllers Rückennummer 80 in die Höhe. Drei Monate nach seiner zweiten Operation wegen seines Hirntumors steht der 28-Jährige wieder in einem DEL-Spiel auf dem Eis. Am vergangenen Montag hat der „Spiegel“ Details über seine Krebskrankheit und die geringen Überlebenschancen veröffentlicht. Sechs Tage später hütet Müller das Kölner Tor, acht Minuten lang. Ein einziger Puck verirrt sich in seine Richtung, ein harmloser Befreiungsschlag. Sonst bekommt Müller nichts zu tun. Die Nürnberger fügen sich in die Niederlage. Die Gäste greifen gar nicht mehr richtig an. Keiner von ihnen will derjenige sein, der mit irgendeinem Glückstreffer auf ein nutzloses 2:5 stellt und damit Müller dieses Comeback verdirbt.
Niemand hat mit seinem Einsatz gerechnet, weder das Publikum, das Müller beim Einlaufen mit Enthusiasmus empfing, noch Müller selbst. „Ich war perplex, als der Trainer kam und fragte, ob ich rein will“, erzählte der Keeper.
Seine Kinder verpassten das Comeback, der Sohn liegt krank im Bett. Noch am Freitag, als Müller beim 2:3 nach Verlängerung in Duisburg erstmals wieder auf der Bank gesessen hatte, verkündete Trainer Clayton Beddoes, es sei zu früh für Kurzeinsätze. Der Sinneswandel, so sagt der junge Trainer, sei im Gespräch mit seiner Frau entstanden. „Er braucht so viel Eiszeit wie möglich“, sagt der Coach, „nur so kann er wieder in Form kommen, um unser Stammtorhüter zu werden“.
Die Mannschaft hat Beddoes am Sonntag die Gelegenheit dazu gegeben. Es war einer der besseren Tage in diesem trüben Herbst des KEC. Vor allem die junge deutsche Reihe mit Marcel Müller, Christoph Ullmann und Philip Gogulla überzeugte und lieferte den Vorsprung, der nötig war, um das Comeback des Jahres wahr werden zu lassen. „Dass ich wieder spielen kann, das ist das Größte für mich. Ich bin froh, dass ich das erlebe“, sagt Müller. Sein Kumpel Andreas Renz fügt an: „Hoffentlich nehmen sich viele, die krank sind, an ihm ein Beispiel. Auch wir schauen alle zu ihm auf.“
Kölner Haie: Doyle (ab 52:19 R. Müller) - Mo. Müller, Pratt - Lüdemann, Julien - Trygg, Renz - Ankert - Adams, Piros, Rudslätt - Warriner, McLlwain, Melischko - Gogullas, Ullmann, Ma. Müller - Flaake. - Schiedsrichter: Klau (Sümmern). - Zuschauer: 13 143. - Straf minuten: Haie 8 / Ice Tigers 10. - Tore: 1:0 Marcel Müller (22:13), 2:0 Gogulla (28:10), 2:1 Peacock (35:13), 3:1 Lüdemann (42:36), 4:1 Rudslätt (44:32), 5:1 Gogulla (52:19).
Grossartig!
17.11.2008 | 11.26 Uhr | gerdjürgen
Man muss weder ein Eishockey-, noch ein Haiefan sein, um das Verhalten des Vereins, des Trainers, der Kameraden und Fans zu bewundern.
Es ist ganz…
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