Schriftgröße

Neuer Schulunterricht

Die erste Laptop-Klasse von Köln

Von Nina Schmedding, 17.11.08, 11:10h

Innovativ und sinnvoll - oder teuer und schädlich? Eine Kölner Schule testet neue technische Möglichkeiten. Das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium hat in der fünften Stufe eine Laptop-Klasse eingerichtet. An drei Tagen werden die Schüler an Notebooks unterrichtet.

Notebook-Klasse
Bild vergrößern
Die 5b des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums wird an drei Tagen in der Woche an Notebooks unterrichtet. (BILD: KRASNIQI)
Notebook-Klasse
Bild verkleinern
Die 5b des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums wird an drei Tagen in der Woche an Notebooks unterrichtet. (BILD: KRASNIQI)
Notebook-Klasse
Bild verkleinern
Die Tafel wird nicht gebraucht. Für den Unterricht wird ein Beamer eingesetzt. (BILD: KRASNIQI)
Notebook-Klasse
Klack, klack, klack. 32 brandneue Monitore werden aufgeklappt, dann der Powerknopf gedrückt. Im visionären Blau strahlt es von 32 Bildschirmen. Kein Computerseminar für Manager, sondern seit Anfang dieser Woche normaler Unterrichtsalltag in der Klasse 5b des Kölner Friedrich- Wilhelm-Gymnasiums (FWG). „Laptop-Klasse“ heißt das Projekt, das bei den Eltern bereits bei der Anmeldung für das Gymnasium vor einem Jahr laut Schulleiter Peter Jansen heiß begehrt war. Genauso wie bei den Schülern. „Mein Computer zu Hause ist so langsam“, sagt zum Beispiel die neunjährige Tamina und wirft ihrem neuen Notebook einen begeisterten Blick zu. „Wenn ich was nicht weiß, kann ich das jetzt viel schneller im Internet recherchieren. Und außerdem kann ich den Laptop mitnehmen, wenn ich verreise.“

Das Projekt geht auf eine Initiative der Stadt Köln zurück, neben dem FWG nehmen noch eine Kölner Realschule und eine Hauptschule daran teil. Voraussetzung dafür: Die Eltern müssen das persönliche Notebook für ihr Kind selbst anschaffen – für rund 920 Euro.

Unterstützung von der Stadt

Ein ganz schöner Batzen, wie auch Schulleiter Jansen zugibt. Deshalb sollte der Geldbeutel der Eltern auch nicht ausschlaggebend für die Teilnahme an der Laptopklasse sein. Da sich zwei Drittel aller angemeldeten Fünftklässler interessierten, wurde gelost. Schüler, deren Eltern Inhaber des Köln-Passes sind und deren Einkommenssituation also ohnehin niedrig ist, bekamen das Notebook von der Stadt gestellt. Andere Eltern, für die es schwierig war, das Geld aufzubringen, wurden vom Förderverein der Schule unterstützt. Das FWG liegt mit der neuen Technik im Klassenzimmer in NRW im Trend: Die Stadt Würselen bei Aachen etwa hat Anfang des Schuljahres gleich alle ihre Schulen mit Laptops ausgestattet. Wie sinnvoll ein solch flächendeckender Einsatz tatsächlich ist, ist unter Pädagogen allerdings immer noch umstritten. In den USA, wo der Hightech-Unterricht längst alltäglich ist, verbannen Schulen die tragbaren PCs mittlerweile wieder. Der Grund: Laut einer Studie des amerikanischen Bildungsministeriums macht es für die Lernleistung der Schüler keinen Unterschied, ob im Unterricht neue Medien eingesetzt werden oder nicht. In vielen Fällen ließen sich die Kinder durch den Laptop im Unterricht sogar mehr ablenken, guckten zum Beispiel heimlich Filme.

Schulleiter Jansen erhofft sich von dem Einsatz des Mediums trotz aller Kritik eine Vielzahl an zusätzlichen Kompetenzen. „Die Schüler werden so von klein auf an die Arbeit mit neuen Medien gewöhnt“, sagt er. „Sie lernen, dass es mit »google« nicht getan ist, sondern wie man kompetent recherchiert.“ Außerdem geht er davon aus, dass die Laptops das selbstständige Lernen fördern. An drei Tagen der Woche soll der zusammenklappbare Rechner in der Schule eingesetzt werden, zum Beispiel in der Deutschstunde zur Recherche oder Textverarbeitung. Jeden Tag nach dem Unterricht nehmen die Schüler das Gerät mit nach Hause: Statt den Deutschaufsatz ins Heft zu schreiben, das der Lehrer in der nächsten Stunde einsammelt und mit Rotstift korrigiert, werden die Hausaufgaben dann zum Beispiel einfach per Mail versendet.

Spezielle Regeln für die Nutzung

Die Schüler sind an diesem Tag, an dem sie ihr Laptop zum ersten Mal im Unterricht anschalten dürfen, sehr motiviert. Der eine wischt zärtlich den Bildschirm sauber, der andere klappert schon mal probeweise auf den Tasten herum. Da schreckt es auch nicht, dass sie als erstes einen ganzen Schwung von speziellen Regeln mit Klassenlehrerin Tanja Thebrath durchgehen müssen. Zum Beispiel, dass sie im Unterricht nur Seiten benutzen dürfen, die schulischen Zwecken dienen. Oder dass die persönlichen Zugangswörter geheim gehalten werden müssen.

Dass sie selbst dafür verantwortlich sind, dass der Akku des Geräts zu Beginn des Unterrichts immer aufgeladen ist. Es ist ziemlich warm in dem Raum, in dem 32 Kinder sitzen und genauso viele Rechner laufen. Um die Strahlenbelastung müsse man sich trotzdem keine Sorgen machen, sagt Jansen. Die liege in einem Bereich, der „nicht schlimm“ sei.

Motivation für Jungen

Lehrerin Thebrath ist der Meinung, dass durch das Lernen mit dem Laptop die geschlechterspezifische Entwicklung ausgeglichen werden kann. „Jungs, die schlechtere Abschlüsse als Mädchen bekommen, lesen zu wenig, arbeiten aber gern mit dem Computer und sind so vielleicht motivierter“, sagt Thebrath. Umgekehrt könnten Mädchen ihre Technikkenntnisse verbessern. Außerdem fördere das Projekt das individuelle Lernen des jeweiligen Schülers. Bei so vielen Kindern in einer Klasse könne man nicht jedem gerecht werden. Ein Punkt, den Hirnforscher Gerald Hüther durchaus kritisch sieht. „Was für die Persönlichkeitsentwicklung eines Schülers notwendig wäre, dazu benötigt man kein Laptop. Der Lehrer tritt dadurch noch weiter in seiner Persönlichkeit zurück. Lehrer sollen aber Vorbilder und Lernbegleiter sein“, sagt der Wissenschaftler, der die Abteilung für Neurobiologische Grundlagenforschung an der Psychiatrischen Klinik der Uni Göttingen leitet. Solche Initiativen zeigten nur, „wie überkopft und lernorientiert und nur auf das Denken ausgerichtet, Schulen sind. Dass Schüler Empathie und Gefühle ausbilden, ist nicht so sehr gefragt. Dadurch verlieren sie aber den Bezug zu ihrem Körper, zu ihrer Beweglichkeit“, kritisiert der Forscher. „Und zu einer gefestigten Persönlichkeit ist auch noch keiner geworden, weil er ein Laptop gut bedienen kann.“

Auch Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, ist Gegner von flächendeckender Laptop-Ausstattung an Schulen: „Das Geld sollte besser in die Leseförderung gesteckt werden. Die Probleme, die Schüler haben, werden mit Laptops nicht verbessert, sondern eher noch gefördert“, sagt Kraus und zählt auf: Wer nur noch am Notebook schreibe, könne die Schreibmotorik nicht entsprechend ausbilden und verlerne das Schreiben mit der Hand. Zudem leide Orthographie und Grammatik, „weil es an Laptops Korrekturprogramme gibt.“ Ein Argument, an dem sich wiederum die Geister scheiden. „Der Vorteil beim Tastenschreiben ist, dass die Schüler noch ungeübt sind und Buchstabe für Buchstabe eintippen müssen“, sagt etwa Deutschlehrerin Thebrath. Dadurch sei der Lernprozess intensiver, die Schüler machten sich mehr Gedanken darüber, wie das einzelne Wort geschrieben werde.

Und die Kinder, die es nicht per Los in die Laptop-Klasse geschafft haben? „Eine Freundin von mir wollte auch unbedingt in diese Klasse“, sagt die zehnjährige Giulia bedauernd. Damit die Freundin sich nicht ärgert, will sie ihr gar nicht erzählen, was sie jetzt alles mit dem Laptop lernt. Ein Problem, was auch Schulleiter Jansen sieht. Damit der Eindruck, die Laptop-Klasse sei etwas Besseres, gar nicht erst entstehe, habe man ganz bewusst die 5 „b“ zur Laptop-Klasse gemacht, erklärt er. Nicht etwa die 5 „a“, was ungewollt an A-Klasse erinnert hätte. Schließlich würden auch die anderen Schüler im Umgang mit neuen Medien geschult, nur eben in anderem Umfang. Der Lehrer weiß, dass das Projekt nicht zwangsläufig bessere Leistungen zur Folge hat. Er sei zwar optimistisch – aber „wenn der Aufwand nicht im Verhältnis zum Nutzen steht, hören wir wieder auf. Auch wir betreten Neuland.“



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Orte des Geschehens

große Karte

Anzeige


Ausflugstipps


WAS.WANN.WO.


Das Magazin auf Facebook

Das Magazin auf Facebook

Extra


Serie


Mode und Design



Kolumne


Kolumne


Aktion


ksta-blogs.de


Dienste



Die 5 beliebtesten Pausenspiele

Mahjongg Fortuna
Zuma
Zuma »
1507 Spieler
Bookworm
Bookworm »
1263 Spieler
Bubble Shooter
Bubble Shooter »
1034 Spieler
Bejeweled 2
Bejeweled 2 »
956 Spieler

Stadtmenschen Community