Von Miriam Betancourt, 03.12.08, 09:18h, aktualisiert 03.12.08, 15:32h
Etwa 15 Gutmenschen-Portale mit Namen wie Weltretter.org, Betterplace.org oder Helpedia.de wollen mit kleinen Schritten große Probleme angehen. Hilfsprojekte können sich dort mit Anliegen, Beschreibung und Fotos vorstellen und um Unterstützung im Kampf gegen Welthunger oder Klimawandel werben. Fortschritts-Skalen, die zeigen, wie viel Geld noch für das einzelne Projekt fehlt, sollen Spender motivieren. Es handelt sich aber nicht nur um Geld. Es kann auf den verschiedenen Seiten auch um freiwillige Helfer oder Sachspenden gehen. Manche Internetseiten präsentieren nur ausgewählte Spendensucher, andere sehen sich als unzensierte Plattform.
Soziales Unternehmertum
„Wir verstehen uns als soziale Unternehmer. Dieses Konzept hat im angelsächsischen Raum schon eine längere Tradition. Man tut Gutes und finanziert sein Handeln mit wirtschaftlichem Tun“, sagte Betterplace-Mitbegründer Moritz Eckert. Betterplace ist eine so genannte gemeinnützige Stiftungs-Gmbh, die sich durch Beratungsdienstleistungen für Unternehmen und private Geldgeber finanziert. „Die Spende für die einzelnen Projekte kommen jedoch zu 100 Prozent bei den Empfängern an. Davon benutzen wir nichts für den Betrieb der Seite“, versichert Eckert.
Seit der Gründung im November 2007 hat Betterplace laut Eckert rund 300.000 Euro eingenommen. Über 6.000 Hilfesuchende hätten rund 3.000 Spender erreicht. „Wir sprechen vor allem junge Leute an, die mit dem Internet in einer globalisierten Welt groß geworden sind. Und sie spüren, dass es Spaß macht, Gutes zu tun“, erläutert Eckert. Viele der Betterplace-Spender scheuten jedoch die Anonymität einer großen Hilfsorganisation. Stattdessen wollten sie konkret wissen, was mit ihrer Hilfe passiere. „Bei uns können die Menschen ganz gezielt helfen, bis hin zu der Spende für ein Schulbuch“, sagt Eckert. So könnten sich auch kleinere Projekte Unterstützung finden, die ansonsten in der Wahrnehmung der Weltöffentlichkeit keine Chance hätten.
Zeugenberichte statt Rechenschaftsberichte
Dabei setzen die neuen Portale auf eine Art Transparenz, die bisher bei Spendenorganisationen unüblich war – Zeugenberichte statt evaluierte Rechenschaftsberichte. Die Qualität, Seriosität und den richtigen Einsatz der Hilfsmittel wollen die Betreiber über Rückmeldungen der Nutzer sichern, in dem sie die Projekte und ihre Erfahrungen damit bewerten.
Mit diesem Ansatz hat Burkhard Wilke vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Frage (DZI) ein Problem. Das Institut vergibt das deutsche Spendensiegel und macht somit für den Spender deutlich, welche Organisationen bestimmte Qualitätsstandards einhalten. „Eine Summe von Einzelmeinungen kann eine professionelle Evaluation nicht ersetzen. Dafür ist die Materie zu komplex“, sagt Wilke. Außerdem gebe es die Gefahr, Ansichten im Netz gezielt zu steuern. „Es gibt Menschen, die sind darauf spezialisiert, Meinungen im Netz zu manipulieren und das Image eines bestimmten Unternehmens oder einer Person zu polieren“, sagt der DZI-Chef.
Selbst die Anerkennung einer Organisation als gemeinnützig sieht er nicht als ausreichenden Qualitätsnachweis. „Das kein Siegel für Seriosität, sondern rein steuerrechtlich relevant,“ sagt Wilke. Dennoch will Wilke nicht alles über die neuen Portale schlecht reden. „Auf ihnen geht es nicht nur um das Sammeln von Spenden, sondern auch um Informationen zu den einzelnen Themen“, sagte Wilke. „Das ist ein guter Zusatzaspekt, aber mehr nicht.“
Neue Kultur des Helfens
Die neuen Hilfsportale sehen in ihrer Existenz jedoch viel mehr. Sie sprechen von einer neuen Kultur des Helfens. Wilke ist skeptischer. „In den vergangenen Jahren gab es so viele Ideen rund um das Internet. Wir müssen erst mal sehen, was sich durchsetzt und ob sich die neuen Portale dauerhaft finanzieren können“, sagte der DZI-Chef. Darum macht sich der Betterplace-Gründer Eckert zurzeit keine großen Sorgen. „Wir sind sehr zuversichtlich. Die Zahlen entwickeln sich sehr positiv“, sagte Eckert. Dass sich erfolgreich Geld übers Internet sammeln lässt, hat jüngst ein sehr prominenter Politiker bewiesen. Auf der Webseite my.barackobama trafen sich während des US-Präsidentschaftswahlkamps Gleichgesinnte, um Spendenpartys und Kampagnenarbeit zu organisieren - Obama hat gewonnen.
Konkurenz belebt das Geschäft
03.12.2008 | 13.45 Uhr | Brenner
Einfaches Beispiel, dass jeder begreifen sollte seit Günther Jauchs "Wer wird Millionär": Der Publikumsjocker hat prozentual doppelt so oft recht als…
Erste Fusion im sozialen Internet
03.12.2008 | 12.57 Uhr | Basti Schwiecker
Inzwischen fusionieren die ersten sozialen Internetplattformen schon (Helpedia und elargio). Mehr dazu hier:…
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