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Anstoss

Öffnet den Gazastreifen!

Von Tobias Kaufmann, 05.12.08, 10:45h, aktualisiert 05.12.08, 21:48h

Selbst wenn man den Propaganda-Anteil der Hamas abzieht, muss man zugeben: Den Menschen im Gazastreifen geht es schlecht. Es gibt ein Land, das das ändern könnte – aber sein Name wird aus politischen Gründen selten genannt. Anstoß – der tägliche Kommentar auf ksta.de.

Raketen-Griffit in Gaza
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Polizisten der Hamas stehen in Beit Lahia neben einem Graffiti, das zu Raketenangriffen auf Israel aufruft. (Bild: afp)
Raketen-Griffit in Gaza
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Polizisten der Hamas stehen in Beit Lahia neben einem Graffiti, das zu Raketenangriffen auf Israel aufruft. (Bild: afp)
Seit Januar wird an der Grenze zum Gazastreifen eine Mauer gebaut. Sie ist drei Meter hoch und aus Beton. Sie wird von einem Land errichtet, das den Küstenstreifen seit Monaten abriegelt, den es einst über Jahre selbst verwaltet hatte. Gegen diese Mauer ist kein Protest zu hören. Weder erregt sich die UN-Menschenrechtsbeauftragte, noch protestieren Friedensnobelpreisträger. Selbst die stets so aufgewühlte „arabische Straße“ bleibt ruhig angesichts der abgeriegelten Grenze.

Wenn die humanitäre Krise im Gazastreifen wirklich so dramatisch wäre, wie die von der dortigen Hamas-Regierung gelieferten Bilder suggerieren – dann könnte, müsste dieses Land ein Einsehen haben. Dann müsste ein diplomatisches Brummen einsetzen, um den bedrängten Menschen zu helfen und die Regierung, die Hilfe ermöglichen könnte, unter Druck zu setzen. Aber all dies geschieht nicht.

Das Land, um das es geht, heißt Ägypten. Aber die Welt schweigt zu Ägypten. Warum ist das so? Vermutlich teilt jeder, der ein bisschen etwas von der Materie versteht, die Sicherheitsbedenken, die Ägyptens Regierung dazu bringen, ihre arabischen Nachbarn auszusperren. Aber reicht das aus, um in Not geratenen Menschen nicht zu helfen? Schicken die USA und England nicht auch Hilfsgüter nach Simbabwe, obwohl es politisch gesehen ein Fehler ist, dem eisernen Regime des Robert Mugabe in einer schweren Krise das Leben zu retten?

Ist die Krise in Gaza also gar nicht so dramatisch?

Vielleicht ist die Welt, die zu Ägypten schweigt, aber auch viel zu sehr damit beschäftigt, Israel anzugreifen - und damit ausgerechnet von dem Land, das von der im Gazastreifen regierenden Clique täglich angegriffen wird, exakt das zu verlangen, was niemand von den Ägyptern verlangt. Obwohl man es von den Ägyptern verlangen müsste.

Wenn all dies aber so ist, dann erscheint über den empörten Erklärungen von Vertretern der Vereinten Nationen, von Hilfsorganisationen und Politikern zur Blockade des Gazastreifens eine Frage: Um wen geht es eigentlich? Geht es wirklich um jene Palästinenser, die im Elend leben – oder geht es mal wieder um wohlfeile Kritik an einem Staat, der vielen ohnehin auf die Nerven geht? Die Antwort fällt ungemütlich aus. Für Israel, vor allem aber für die Palästinenser. Denn die Not herrscht in Gaza, nicht in Jerusalem.



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