Von Johannes Puderbach, 02.12.08, 10:33h
ROLF HARTMANN: Fakt ist, dass die Hauptschulen generell weder von Schülern noch von Eltern akzeptiert werden. Die fehlende Akzeptanz ist objektiv nicht gerechtfertigt, da in den Eifeler Hauptschulen anerkannt gute Arbeit mit vorzeigbaren Ergebnissen geleistet wird. Durch viele Ereignisse in Großstädten leiden aber auch unsere Schulen. Dieser Fakt ist einfach nicht zu leugnen.
Warum leiden die Hauptschulen in der Nähe der Landesgrenze nach Rheinland-Pfalz besonders?
HARTMANN: Schon jetzt gibt es dort eine Mittelschule für den ländlichen Raum, und zwar die Regionalschule im benachbarten Jünkerath. Wir haben Abwanderungen zu dieser Schule zu verzeichnen. Und nach und nach führt Rheinland-Pfalz die „Realschule plus“ ein und schafft die Hauptschule ab.
Wie urteilen Sie über die Schulpolitik in NRW?
HARTMANN: Ich vermisse im Schulgesetz konkrete Lösungsansätze für den ländlichen Raum. Man darf das Thema Hauptschule nicht ideologisch diskutieren, sondern muss sich den Realitäten stellen. Und die sehen leider schlecht aus.
Was ist der Ausgangspunkt Ihrer Kritik?
HARTMANN: Kinder und Eltern werden einfach zu früh vor Entscheidungen gestellt. Deutschland ist mit Ausnahme von Österreich, Liechtenstein und Teilen der Schweiz das einzige Land, in dem nach dem vierten Schuljahr eine weitreichende Entscheidung gefällt wird, die für das ganze spätere Leben relevant ist.
Wie sieht Ihr ideales Schulmodell aus?
HARTMANN: Dies wäre eine Mittelschule mit den Zweigen Haupt- und Realschule und einer gemeinsamen Orientierungsstufe in den Klassen fünf und sechs. Ab Klasse sieben würden die beiden Zweige dann unter dem Dach einer gemeinsamen Schule fortgeführt.
Und wie sähe die Orientierungsstufe aus?
HARTMANN: Sie sollte ihren Namen auch verdienen. Es gäbe weitgehend gemeinsamen Unterricht und ab Klasse sechs eine erste Differenzierung in A- und B-Kurse. Damit Schüler auch noch auf Gymnasien wechseln können, müsste in Klasse sechs auch eine zweite Fremdsprache angeboten werden.
Das NRW-Schulgesetz sieht bereits die Möglichkeit einer Verbundschule vor. Dieses Modell ähnelt doch Ihrem Vorschlag.
HARTMANN: Nein, das stimmt nicht. Bei einer Verbundschule sollen nur bestehende Haupt- und Realschulen organisatorisch zusammengelegt werden. Ein gemeinsamer Unterricht ist nur sehr eingeschränkt möglich.
Gibt es weitere Argumente für die Mittelschule?
HARTMANN: Bei der jüngsten Pisa-Studie belegte NRW einen sehr schlechten Platz. Sachsen, das die Mittelschule bereits eingeführt hat, war sogar europaweit ganz vorne. Natürlich ist Sachsen nicht eins zu eins mit NRW zu vergleichen, aber für unseren ländlichen Raum ist das sächsische Modell eine gute Lösung.
Die NRW-FDP fordert neuerdings eine „regionale Mittelschule“. Was halten Sie von diesem Vorschlag?
HARTMANN: Das ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Die ablehnende Haltung der CDU ist hingegen zu ideologisch, ich vermisse bei ihr pragmatische Ansätze.
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