Von Johannes Puderbach, 03.12.08, 17:34h
Die größte Sorge der Eifeler Schulen ist der Lehrermangel. Zwar stellt das Land genügend Geld für Stellen bereit. Doch das System der Stellenbesetzung wurde umgestellt. Früher wurden die Lehrer im Prinzip auf die Schulen des Landes verteilt. Mittlerweile gilt jedoch das Motto der eigenverantwortlichen Schule. Das bedeutet, dass die Schulen ihre freien Stellen selbst ausschreiben. Doch auf die Stellenausschreibungen aus der Eifel gehen kaum Bewerbungen ein. Denn die Junglehrer wollen lieber in den Großstädten arbeiten, statt in die Provinz zu pendeln oder gar umzuziehen. Besonders betroffen von dieser Entwicklung sind die Grundschulen. Auch die Besetzung von Schulleiterstellen fällt schwer, weil es oft keinen einzigen Bewerber gibt.
„Landzulage“ abgelehnt
Während der Diskussion mit dem Staatssekretär forderten die Schulleiter unter anderem, eine Art „Landzulage“ für Lehrer einzuführen. Doch Winands wehrte sich gegen diesen Vorschlag. Dann müsse man zum Beispiel für Gelsenkirchen auch eine „Ballungszulage“ einführen. Auch die Forderung der Schulleiter, die Landesregierung müsse Lehrer in die Eifel abordnen, stieß auf wenig Gegenliebe. „Wenn ich einen Lehrer zum Beispiel nach Hellenthal schicke, der lieber in Köln arbeiten will, dann ist der doch sowieso schnell wieder weg“, berichtete ein Teilnehmer der Versammlung. Als Ausweg aus dem Dilemma machte der Staatssekretär folgenden Vorschlag: Die Schulleiter sollten Bewerbern, die ihr Referendariat in der Eifel absolvieren, Stellen an den hiesigen Schulen schmackhaft machen.
Auf die schwierige Besetzung von Schulleiterstellen angesprochen, meinte Winands, dass er die Besoldung von Rektoren im Grundschulbereich für nicht angemessen halte. Da die Besoldung von Rektoren von der Schülerzahl abhängt, schlug er vor, dass die kleinen Eifeler Grundschulen zu Schulverbänden zusammengeschlossen werden sollten. „Dann bräuchte man erstens weniger Rektoren, und zweitens würden die dann mehr verdienen“, erklärte ein Versammlungsteilnehmer.
Auch das strittige Thema der Kopfnoten wurde von den Schulleitern angesprochen. Über das Hin und Her der jüngsten Zeit äußerten sie allgemeinen Unmut. Winands räumte ein, dass die Politik Fehler gemacht habe. Mit der Reduzierung von sechs auf drei Kopfnoten habe die Landesregierung aber nun für Besserung gesorgt.
„Der Staatssekretär hat sich wesentlich besser verhalten als Schulministerin Barbara Sommer bei ihrem Besuch in Steinfeld im vergangenen Jahr“, berichteten mehrere Pädagogen übereinstimmend. Es habe eine gute Atmosphäre geherrscht, und Winands sei auf alle Fragen sachlich eingegangen.
In der kurzen Pressekonferenz vor der Diskussionsveranstaltung durfte der „Kölner Stadt-Anzeiger“ gerade einmal drei Fragen stellen. Auf die Zukunft der schrumpfenden Grundschulen angesprochen, erklärte Winands dies: „Wir sind bemüht, alle Standorte zu halten.“ Neuerdings seien sogar Grundschulen mit nur noch 30 Kindern möglich. Für die bedrohten Eifeler Hauptschulen schlug er vor, dass sie miteinander kooperieren sollten. Die Mindestgröße in solchen Verbünden betrage pro Schule 106 Schüler. Zum Themenkomplex Turbo-Abitur und Umbau der Gymnasien zu Ganztagsschulen meinte Winands: „Wir sind jetzt in einer Umstellungsphase - es wird fünf Jahre dauern, bis alle Gymnasien Ganztagsschulen sind.“ Er verwies auf eine aktuelle Maßnahme der Landesregierung: Ab dem 1. Februar erhalte jede weiterführende Schule 25 000 Euro oder eine halbe Lehrerstelle für die Übermittagbetreuung.
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige