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Tagebau Düren

Der „Indesche Ozean“ bleibt umstritten

Von Bert Gerhards, 04.12.08, 22:14h, aktualisiert 05.12.08, 18:44h

Umweltschützer machen Bedenken gegen die Flutung des Tagebaus bei Düren geltend. Bei der Bezirksregierung fällt am Freitag eine Vorentscheidung darüber, ob ein Gewässer von Größe des Tegernsees entstehen soll.

Bagger in Inden II
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Bis 2030 arbeiten die Bagger in Inden II noch. (Bild: ddp)
Bagger in Inden II
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Bis 2030 arbeiten die Bagger in Inden II noch. (Bild: ddp)
KÖLN/DÜREN - Eigentlich ist die Angelegenheit klar geregelt: Wenn die Riesenbagger im Braunkohlen-Tagebau Inden II bei Düren 2030 ihre Arbeit beenden, muss das gewaltige Loch in der Landschaft wieder verfüllt, die Landschaft rekultiviert werden. So sieht es der rechtsgültige Braunkohlenplan vor. Doch seit einiger Zeit wird ein Alternativplan entwickelt - für den „Indeschen Ozean“. Er sieht anstelle des Zuschüttens eine Flutung mit Wasser vor, durch die bis 2060 der dann größte See in Nordrhein-Westfalen entstehen würde. Am heutigen Freitag befasst sich der Braunkohlenausschuss der Bezirksregierung in Köln mit dem Vorhaben.

Eine Wasserfläche von der Größe des Tegernsees (1100 Hektar) könnte entstehen, mit einem Volumen von 800 Millionen Kubikmetern Wasser, einer maximalen Tiefe von 180 Metern und mit 14 Kilometern Seeufer - das könnte eine Freizeitattraktion der Region zwischen Köln und Aachen werden. Badestrände, Wassersport, Wanderwege - das klingt weit besser als begrünter Abraum. Doch dieser Blick, befürchten Kritiker dieses Planes, lässt gravierende Nachteile außer Acht.

Ein so tiefer See sei ökologisch tot und allenfalls in wenigen seichteren Uferzonen von Nutzen für den Naturschutz, meldete sich in dieser Woche der Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (BUND) erneut zu Wort. Eine sinnvolle Rekultivierung der vom Bergbau zerstörten Landschaft wäre bei einer Flutung nicht mehr möglich. Selbst wenn man in dem See Unmengen Fische für die Angler aussetze, sich durchreisende Zugvögel niederließen oder Segelboote den See belebten“ bliebe er eine „ökologische Wüste“, so der BUND. Mehrere kleinere, weniger tiefe Seen könnten bei einer gleichen Uferlänge eine höhere ökologische Wertigkeit erreichen. Auch sei die 30 Jahre währende Wasserentnahme aus der Rur keineswegs völlig unbedenklich zu sehen.

BUND-Braunkohlenexpertin Dorothea Schubert nennt es „erschütternd, wie leichtfertig und zügig die Politiker und die Mitarbeiter der Bezirksregierung Köln die Wünsche des Bergbautreibenden erfüllen wollen und sich und den betroffenen Menschen einreden wollen, ein Restsee Inden wäre zum Wohle dieser und der nächsten Generationen“. Sie sieht nur einen wirklichen Profiteur eines „Indeschen Ozeans“: RWE Power.

90 Meter breite Abraumtrasse

In der Tat erfordert die bisher vorgeschriebene Verfüllung des Bergbaukraters eine über 90 Meter breite Abraumtrasse vom Tagebau Hambach nach Inden, über die 20 Jahre lang Abraum des aktiven Tagebaus in den bereits stillgelegten transportiert würde - von Kosten um die 250 Millionen Euro ist die Rede. Dass das Bergbauunternehmen die weitaus günstigere See-Variante bevorzugt überrascht da nicht. Ein 150-seitiges Gutachten von Prognos bescheinigt dem Vorhaben überdies jede Menge Vorzüge.

Auch dass sich die Kommunen Jülich, Niederzier und Inden - Anlieger der Abraumtrasse - für dem See in Inden II ausgesprochen haben, verwundert nicht. Dagegen halten die Stadt Düren, die örtlichen Kirchen, Vertreter der Landwirtschaft und eben die Naturschutzverbände. Und auch der Rhein-Erft-Kreis, der mit dem Hambacher Tagebau selbst dessen spätere Flutung und Nutzung als Freizeitrevier plant, beobachtet das Konkurrenz-Unternehmen eines 40 Jahre früher voll gelaufenen Sees skeptisch.

Dennoch ist dem Projekt „Indescher Ozean“ kaum noch der Weg zu versperren. Ein Arbeitskreis des Braunkohlenausschusses hat der Flutung bereits einstimmig zugestimmt. Wenn es jetzt von der Bezirksregierung grünes Licht gibt, dürfte der Landtag das Seeprojekt wohl genehmigen.



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