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S04 in der Krise

Aus dem Kellerfenster gefallen

Von Andreas Morbach, 04.12.08, 20:21h

Die Schalker verbuchen die 1:2-Niederlage in Enschede trotz einer schwachen Leistung unter der Rubrik „Pech“. Das erste Tor der Niederländer war abseits, während Westermann und Kuranyi jeweils am Pfosten scheiterten.

Andreas Müller
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Geschockt: Manager Andreas Müller. (Bild: dpa)
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Geschockt: Manager Andreas Müller. (Bild: dpa)
ENSCHEDE - Die Tür, durch die sich Offizielle im Stadion de Grolsch Veste in Enschede notfalls davonstehlen können, war nicht leicht zu entdecken. Josef Schnusenberg fand sie trotzdem, der Präsident des FC Schalke 04 hat offensichtlich Erfahrung in solchen Dingen. Schnell fort vom Ort der nächsten sportlichen Schmach wollte der Finanzexperte aus Ostwestfalen, war aber doch bereit, zuvor zur Lage im Allgemeinen („Wir sind ganz unten, jetzt kann es nur noch besser werden“) und zur 1:2-Niederlage bei Twente Enschede im Speziellen zu sprechen.

Der schmerzhafte Tiefschlag beim Vierten der niederländischen Eredivisie lief in der aktuellen Schalker Pannen-Soap einhellig unter der Rubrik „Pech“. Die königsblauen Gemeindemitglieder jedenfalls vergingen fast vor Verzweiflung über das frühe Abseitstor von Twente-Kapitän Wielaert (2.), über das sich bezeichnenderweise kein Schalker beschwerte, und die eigenen Aluminiumtreffer durch Westermann (41.) und den erneut blassen Sturmführer Kuranyi (60.) - und verschlossen deshalb gnädig die Augen vor den enormen spielerischen Defiziten der Schalker. Inklusive Schnusenberg, der auf seiner Flucht immerhin das Bonmot des Abends lieferte : „Im Moment fallen wir aus dem Kellerfenster.“

Druck auf den Trainer hat sich erhöht

Das Gute daran: Unter Tage sollten sich Schalker eigentlich auskennen. Das Schlechte: Das galt früher. Heute dagegen läuft beim Vereinsbus, wie jetzt vor der Arena von Enschede, das gesamte Spiel über der Motor, damit die erschöpften Profis später auf keinen Fall frieren müssen. Der Druck auf Cheftrainer Fred Rutten und Manager Andreas Müller hat sich jedenfalls nochmal erhöht. Am Montag musste das Duo bei Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies in Rheda-Wiedenbrück antanzen. Mit von der Partie waren Tönnies-Intimus Schnusenberg sowie Geschäftsführer Peter Peters. Und am Ende gab es neben lauwarmen Worten über die „ungeheure Stärke“ des Trainers und den viel sagenden Hinweis, Manager Müller sei „angezählt“, werde intern aber nicht in Frage gestellt, die Message: „Wir haben jetzt drei schwere Spiele, da müssen wir Erfolg haben.“ Den Satz durfte man getrost als Ultimatum verstehen, das seit Enschede und dem absehbaren Aus im Uefa-Cup verstrichen wäre. „Ich bin morgen auf Schalke“, teilte Vereinsboss Schnusenberg am Mittwoch vorsorglich mit. Dabei sind der finanzpolitische Spannmann von Tönnies und der machtbewusste Fleischfabrikant selbst Teil der ständig wachsenden Probleme. Denn trotz langjähriger Zugehörigkeit zum FC Schalke 04 ist das fußballerische Fachwissen der beiden Herren so überschaubar wie ihre Vernetzung in der Szene.

Gerade die Suche nach einem Nachfolger für Müller wird da auf dem ohnehin dürr besetzten Managermarkt zu einer Titanenarbeit. Zwar scharrt der auf Schalke bereits auf einigen Pöstchen erprobte Olaf Thon längst mit den Hufen, das Rumoren in den Gelsenkirchener Gemäuern geht in der Manager-Frage allerdings mehr in Richtung große Lösung. Dass der stets um Ausgleich bemühte Müller noch zu retten ist, glaubt vor den letzten beiden Partien des Jahres gegen Hertha (morgen) und in Hoffenheim, nach denen das Schalker Scherbengericht tagen wird, jedenfalls kaum noch einer. Muss der Verein mit dem zweitteuersten Kader nach dem FC Bayern doch gerade schockiert mit ansehen, wie Hoffenheim, Leverkusen oder Berlin in der Liga an ihm vorbeischießen. Und international ist Schalke nach dem Abstieg in den Uefa-Cup nun auf die Gnade anderer angewiesen, allein um nur die Gruppenphase zu überstehen.

Ein erbärmliches Zwischenzeugnis - und klar ist: Wer auch immer die Geschicke der Schalker im nächsten Jahr in die Hand nimmt, der betritt eine Großbaustelle. Auf der die Spieler, die in Enschede vor lauter Ärger am Ende sogar ihre Fans ignorierten und sich beim Berlin-Spiel nun auf einiges gefasst machen sollten, einem vorkommen, als hielten sie sich alle nur noch die Ohren zu. Und warteten auf die Explosion.



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