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Kinderpornoring

Wende im Fall Kampusch

Von Rudolf Gruber, 05.12.08, 23:26h

Das österreichische Entführungsopfer Natascha Kampusch könnte Opfer eines Kinderpornoringes gewesen sein. Laut dem neuen Chef des Bundeskriminalamts, Franz Lang, seien jetzt „im weiteren Umkreis Verdachtsmomente in Richtung Kinderpornografie“ aufgetaucht.

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Das österreichische Entführungsopfer Natascha Kampusch (Bild: dpa)
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Das österreichische Entführungsopfer Natascha Kampusch (Bild: dpa)
WIEN - Natascha Kampusch wurde 1998 als zehnjähriges Mädchen entführt und von ihrem Kidnapper Josef Priklopil achteinhalb Jahre gefangen gehalten. Im August 2006 tauchte die damals 18-jährige Wienerin wieder auf, sie hatte sich befreien können. Seit Ende November rollt die Kripo Österreichs größtes Entführungsdrama der Nachkriegszeit neu auf. Eine unabhängige Untersuchungskommission hatte schwere Ermittlungspannen der Polizei aufgedeckt. Der Hauptvorwurf: Sie sei Hinweisen über mögliche Komplizen Priklopils nicht nachgegangen.

Die Nachforschungen haben nun eine überraschende Wendung genommen: Natascha Kampusch könnte Opfer eines Kinderpornoringes gewesen sein. Laut dem neuen Chef des Bundeskriminalamts (BKA), Franz Lang, seien jetzt „im weiteren Umkreis Verdachtsmomente in Richtung Kinderpornografie und eines Pornoringes“ aufgetaucht. In einem Interview mit der Tageszeitung „Österreich“ sprach Lang von Hinweisen, „dass Kampuschs Entführer Wolfgang Priklopil Kontakt und Freundschaften zu Menschen hatte, die sich im Kinderporno-Bereich aufhalten“. Doch kurz darauf schwächte ein BKA-Sprecher diese Aussage wieder ab: Die Kinderporno-Ermittlungen stünden in „keinem Zusammenhang“ mit dem Fall Kampusch selbst. Anscheinend fand man innerhalb des BKA noch zu keiner einheitlichen Sprachregelung. Jedenfalls sind die Hintergründe des Entführungsfalls mysteriös geblieben. Vermutungen, wonach Kampusch von ihrem Entführer sexuell missbraucht worden sein könnte, hatte es bereits im Sommer gegeben, als Details der vertraulichen Ermittlungsprotokolle Boulevardmedien zugespielt worden waren.

Über die Wiederaufnahme der Ermittlungen hatte sich Kampusch selbst eher widersprüchlich geäußert. „Ich finde es gut, dass sich die Behörden entschieden haben, mehr Licht in meinen Entführungsfall zu bringen“, sagte sie in einer ersten Reaktion. Wenige Tage später meinte sie in einem TV-Interview: „Ich sehe irgendwie keinen Sinn darin.“ Sie habe jedenfalls keine Mittäter gesehen, sondern nur ihren Entführer Priklopil.

Kampuschs Anwalt Gerald Ganzger sagte, er glaube zwar auch nicht an einen Mittäter, fügte aber sibyllinisch hinzu: „Ob es Mitwisser gab, ist eine andere Frage.“



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