Von Frank Nägele, 08.12.08, 20:38h
Und hier beginnt das kaum Fassbare. Der Deutsche Fußball-Bund, angeführt vom Präsidenten Theo Zwanziger, tut genau das nicht. Wie ein Seismograph der Ehrpusseligkeit registriert dieser weinerliche Riese alle Vorgänge darauf, ob sie sein Ansehen berühren oder gar beflecken und gibt ein irritierendes Bild ab.
Die Ankündigung des Präsidenten, möglicherweise vom Amt zurück zu treten, falls ein Gerichtsbeschluss dem Journalisten Jens Weinreich eine Formulierung in einem Internet-Blog nicht verbietet, ist unfassbar. Der Jurist Zwanziger, der im Steuer- und Verfassungsrecht promoviert hat, verwahrt sich schon im Voraus gegen jedes Urteil, das nicht seiner Auffassung entspricht. Da schießt ein Spatz auf Kanonen -und die Kanonen drohen beleidigt mit Rückzug. Kein gutes Zeichen von Rechtsverständnis an der Spitze einer Organisation, die permanent selbst Recht sprechen muss und dieser Tage den von ihr wegen Schiedsrichterbeleidigung angeklagten Trainer Felix Magath wie einen Renegaten behandelt, weil er gegen eine 10 000-Euro-Strafe den ihm zustehenden Einspruch eingelegt hat.
Das Selbstverständnis des DFB und seines Präsidenten offenbaren sich am krassesten in dem Fall, von dem alles ausgeht. Der Verband und die Deutsche Fußball-Liga waren vom Kartellamt wegen des Verdachts auf Absprachen durchsucht worden. Der Verdacht bestätigte sich zwar nicht, aber der DFB ist bis heute zutiefst gekränkt und lässt nicht nach in seinem Bemühen, das Vorgehen des Kartellamtes zu geißeln. In diesem Zusammenhang hat Weinreich gegen Theo Zwanziger die strittige Bezeichnung „unglaublicher Demagoge“ verwendet.
Prüfungen staatlicher Organe muss jeder über sich ergehen lassen, sei es in Steuerfragen, Straßenverkehr oder sonst wo. Wer würde es wagen, sich einer PKW-Kontrolle zu entziehen mit den Worten: „Sie wissen wohl nicht, wen sie vor sich haben? Wie können Sie es wagen, mein Fahrzeug auf Verkehrstauglichkeit und meinen Atem auf Genuss von Alkohol zu untersuchen?“ Wer so etwas tut, macht sich hochgradig lächerlich und zeigt, dass er nicht verstanden hat, für wen Recht gelten muss: für jeden.
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