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US-Zeitungen

Kommen Kolumnen aus Bangalore?

Von Eva C. Schweitzer, 08.12.08, 21:29h

Indische Lohnschreiber füllen amerikanische Online-Zeitungen und Tageszeitungen für einen Hungerlohn. Die Mitarbeiter der „New York Times“ schlagen wegen Preis-Dumping Alarm. Fehler enthüllten die Billig-Arbeiter.

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The Denver Post (Bild: KSTA)
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The Denver Post (Bild: KSTA)
Zeitungen erleben schlechte Zeiten, und das macht manch einen kreativ. James Macpherson, der in Pasadena, ein Vorort von Los Angeles, die Online-Site „Pasadena Now“ betreibt, hat eine preiswerte Alternative zu kalifornischen Journalisten gefunden: Indische Lohnschreiber. Denn die können, nach fast hundertjähriger britischer Besatzung, fließend englisch, die Löhne liegen aber weit unter denen der USA.

Auf die Idee kam Macpherson, weil er früher einmal eine Schneiderei betrieb, die in Vietnam nähen ließ. Er schaltete Stellenanzeigen im Onlinedienst Craigslist und wurde überschwemmt von Anrufen aus Indien. Daraufhin feuerte er seine sieben Angestellten, darunter fünf Reporter, und rekrutierte sechs Inder für die Redaktion, die er mit seiner Frau Candice leitet. Das sei, meint er, der „Prototyp für den künftigen Journalismus“.

Nun berichten die sechs Inder über Weihnachtskonzerte, Theaterpremieren, Geschäftseröffnungen, Demonstrationen und Unwetter in Pasadena, dabei werten sie Nachrichtenagenturen, Presseerklärungen und die kalifornische Presse im Internet aus. Zudem sind sie mittels Video zu den Sitzungen des Rathauses und der Schulverwaltung zugeschaltet. Manchmal gibt es Pannen: Eine der indischen Reporterinnen glaubte, bei „Rose Bowl“ handele es sich um ein kulinarisches Event - es ist aber ein Sportstadion. Ein anderer Korrespondent verpasste es, als zwei schwarze Ratsmitglieder aus Protest die Sitzung verließen - der Kamerawinkel hatte sie nicht erfasst. Finanziell aber lohnt es sich: Macpherson zahlt den Indern 7,50 Dollar für eine Textmenge, die einer Zeitungsseite entspricht. Hingegen hatten seine Reporter 600 bis 800 Dollar pro Woche verdient. Das alles hätte sich prima im Verborgenen entwickeln können, hätte nicht Maureen Dowd von der „New York Times“ Alarm geschlagen: Würden demnächst ihre Kolumnen aus dem Weißen Haus aus Bangalore (seit dem 1. November: Bengaluru), geschrieben, fragte sie, und: Würde sie dafür künftig nur noch Pfennige bekommen?

Tatsächlich ist das ein Trend, der in der englischsprachigen Welt um sich greift. So hat kürzlich MediaNews-Vorstand Dean Singleton angekündigt, er wolle so viel wie möglich nach Indien verlagern. Die MediaNews Group gibt 54 Zeitungen heraus, darunter die Denver Post, die Detroit News und die Pasadena Star-News, Singleton ist zudem Chairman der Agentur Associated Press. Übrigens gehört die „Pasadena Star-News“ zu den Quellen, die von den Reportern von Pasadena Now genutzt werden, so dass demnächst womöglich nur noch Inder voneinander abschreiben. Singleton hat bereits Produktionsabläufe nach Indien verlagert, so spart er 65 Prozent seiner Kosten. Auch der „Columbus Dispatch“ aus Ohio lässt Seiten in Indien designen. Und die Nachrichtenagentur Reuters hat ein Schreibbüro in Bangalore, das die Wall Street abdeckt. Dort arbeiten 1600 Angestellte, neben Reportern auch Fotoredakteure.

Nach einer Umfrage der World Association of Newspapers wird bei 350 Blättern über eine Verlagerung nach Indien nachgedacht, auch in England. „Irgendwann wird David Montgomery von seinen Abenteuern in Europa zurückkehren, die Mirror-Gruppe zurückkaufen und dann legt auch der los“, unkte der britische Independent.



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