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Labbadia fassungslos

Versaute Weihnachten

Von Frank Nägele, 14.12.08, 21:57h, aktualisiert 14.12.08, 22:00h

Bayer 04 Leverkusen bestraft sich mit dem 1:1 gegen Energie Cottbus selbst und entzürnt den Trainer: Bruno Labbadia reagierte wütend und fassungslos auf den Ausgleichstreffer in der Nachspielzeit. Leverkusen überwintert nun auf Platz 5.

René Adler
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Frohes Fest! Der verkleidete Bayer- Löwe versucht vergeblich Torhüter René Adler zu trösten. (Bild: ddp)
René Adler
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Frohes Fest! Der verkleidete Bayer- Löwe versucht vergeblich Torhüter René Adler zu trösten. (Bild: ddp)
LEVERKUSEN - Bruno Labbadia sah aus wie ein Mensch, der sechs Richtige im Lotto hat, nur leider befindet sich der Schein mit den schönen Zahlen darauf im Auto, das ihm gerade gestohlen wurde. Fassungslosigkeit und Wut loderten hinter einer sehr dünnen Maske der Selbstbeherrschung. Weit und breit kein Funken Trost oder eine Perspektive, durch die betrachtet das Erlebnis angenehmer wirkt. „Es ist grausam“, knurrte der Trainer von Bayer 04 Leverkusen nach dem 1:1 gegen Cottbus, „das Schlimmste ist, dass wir jetzt viele Wochen mit der gefühlten Niederlage leben müssen.“ Und mit einer Tabelle, die auf den ersten vier Plätzen andere Vereine auflistet. „Wir waren wochenlang auf den Plätzen eins bis drei, jetzt so etwas, das ist tierisch ärgerlich“, schimpfte der Trainer des Tabellenfünften des Fußball-Bundesliga.

Alles war schlimm an diesem Spiel, das für den Favoriten mit einem 0:0 leichter zu ertragen gewesen wäre. Spiele gegen Cottbus muss man sich vorstellen wie den Versuch eines Sträfling, sich mit einem Teelöffel einen Fluchttunnel zu graben. Spaß macht das nicht. Erst recht nicht, wenn die Anstrengung dann unter größtem Schmerz gelungen ist und der Flüchtling merkt, dass er im Zimmer des Gefängnisdirektors auftaucht.

Die Spieler waren fassungslos an diesem Samstagabend, der gefühlt minus 50 Grad kalt war. „Das ist bitter und schwer zu begreifen“, klagte Stefan Kießling, der wie alle anderen in der 77. Minute gedacht hatte, der Auftrag sei erfüllt. Es war der Moment, in dem sie alle wie von Sinnen auf ihren Kapitän Simon Rolfes gestürzt waren, der mit Hilfe des gefährlichsten Bayer-Stürmers, dem Zufall, das 1:0 erzielt hatte. Ein erzwungenes, erwürgtes, erstochertes Tor in einem Spiel, das mit Fußball vor allem die Regeln gemein hatte. Bayer Leverkusen, von Position eins bis elf dem Gegner potenziell hoch überlegen, kam nicht damit zurecht, dass Energie Cottbus Fußball auf seine Art übte. „Sie können das, einfach nicht am Spiel teilnehmen“, meinte Bruno Labbadia verbittert. Es ist ein Errichten strategischer Sperren von Beinen, Leibern, Köpfen, die immer schon da sind, wo der Gegner a) den Ball hinspielen oder b) selbst hinlaufen will. Das ist die einzige Art, wie ein Klub mit den Mitteln von Energie eine Chance hat, in der Bundesliga zu überleben. Und sein Trainer Bojan Prasnikar („mit mehr Mut wäre noch mehr möglich gewesen“) konnte zurecht stolz darauf sein, dass es ihm gelungen ist, mit dieser Schar von Zweit- und Drittligaspielern dem großen Favoriten ein Bein gestellt zu haben.

Aber da war dieses Tor, 13 Minuten vor Schluss, das von den frierenden, auf alle ästhetischen Erlebnissen verzichtenden Zuschauern als Erlösung gefeiert wurde. Bayer hatte nach diesem 1:0 die erhofften 34 Punkte, stand auf Platz drei, schien eine sehr gute Vorrunde mit dem von allen erwarteten Pflichtsieg abgeschlossen zu haben. Was sollte schon passieren, der Gegner hatte ja in der ganzen Halbserie nur elf Tore erzielt? In den letzten Minuten jedoch kam der Ball immer wieder in die Nähe des Leverkusener Tores. Und als der eingewechselte Chinese Shao nach 90 Minuten einen Fernschuss wagte, hätte das Spiel beendet sein können, wenn René Adler den Ball neben den Pfosten ins Aus hätte fliegen lassen. Allerdings entschied sich der Nationaltorhüter dafür, den Ball abzuwehren und dem Gegner eine Ecke zu schenken. Und diese Ecke verwandelte Jiayi Shao in der Nachspielzeit mit dem Kopf zum 1:1.

„Wir haben uns die Weihnachtsfeier selber versaut“, grantelte Labbadia. Aber er hat jetzt nachträglich keine Mittel mehr. „Man kann das ja nicht mehr ungeschehen machen, es hat deshalb keinen Sinn, noch auf die Mannschaft einzuprügeln.“ Sie wussten sowieso, dass sie sich selbst bestraft hatten. „Mit einem Sieg wäre alles viel schöner gewesen“, jammerte Stefan Kießling. Wo er Recht hatte, hatte er Recht.



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