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Boxen

Fäuste gegen Aggressivität

Von Norbert Ramme, 15.12.08, 14:40h

Junge Nachwuchstalente boxten gegeneinander und feierten miteinander im „Boxing Gym“ von Ex-Champion Jerry Elliott Weihnachten.

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Publikumslieblinge bei der Weihnachtsfeier des MCP-Boxprojekts waren Ryan Koch (l.) und Malcom Elsen. (Bild: Ramme)
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Publikumslieblinge bei der Weihnachtsfeier des MCP-Boxprojekts waren Ryan Koch (l.) und Malcom Elsen. (Bild: Ramme)
Innenstadt - „Halt! Stopp! Nein. So geht es nicht“. Kurz nach Beginn der dritten Runde des Boxkampfs zwischen den beiden zwölfjährigen Patrick Felten aus Sülz und Nick Pinior aus Blumenberg unterbrach Ex-Box-Champion Jerry Elliott (32) - einst mit den Weltmeistergürteln der Boxverbände IFB und WBC ausgezeichnet - den Kampf. „Ohne Kopfschutz machen wir nicht weiter.“ Das war anscheinend allen Organisatoren und Verantwortlichen durchgegangen, dass die beiden Jungs ihre gepolsterten Helme vergessen hatten. Elliott war aber auch bei der Weihnachtfeier mit einigen Einlage-Kämpfen in seinem „Boxing Gym“ am Barbarossaplatz sichtlich im Stress. Da galt es für einige Jungen schnell noch einen neuen Gegner zu finden, weil der geplante Kontrahent von Bayer Leverkusen nicht gekommenen war. Die Weihnachtstüten mussten gepackt werden, die später an alle Kinder und Jugendlichen verteilt wurden und zwischendurch waren immer wieder seine Tipps gefragt.

Doch die Unterbrechung im Ring dauerte nur kurz. Lächelnd ließen sich Patrick und Nick von Elliott den Kopfschutz anlegen, ehe sie wieder mit erhobenen Fäusten aufeinander los gingen. Ein Sieger wurde allerdings nicht gekürt. „Ihr habt euch angestrengt, sehr gut geboxt und daher beide gewonnen.“ Nicht unbedingt das Ergebnis zählte, der Spaßfaktor und die Begeisterung für den Boxsport waren entscheidend. Bei dieser Weihnachtsfeier der anderen Art wollten die Nachwuchs-Amateur-Boxer zeigen, was sie in den letzten Monaten und Jahren im Training bei Ex-Profi Elliott und seinem Trainer-Kollegen Elvis Kucista (40) gelernt haben.

Die meisten Kinder und Jugendlichen gehören zum „Multi-Cultural Project for Kids“ (MCP), einem gemeinnützigen Boxverein, den Elliott mit einigen Freunden gegründete hatte, um Kindern aus sozial schwachen und schwierigen Verhältnissen auch „ömesöns“, also ohne Beitragszahlung, mitmachen zu lassen. Die Vermittlung von Disziplin und Respekt vor dem Trainingspartner sind dabei mindestens ebenso wichtig wie die Verbesserung der körperlichen Fitness und die Stärkung des Selbstvertrauens. Elliott: „Ich will ihnen nicht nur das Boxen, sondern auch soziales Verhalten, Disziplin und den Umgang mit Regeln beibringen. Erfolgserlebnisse muss man sich nicht auf der Straße erkämpfen, die kann man sich durch Sport holen.“

So auch bei Maxim Bendsch: „Mich hatte Jerry auf der Straße angesprochen und zum Training geholt“, sagt der Vierzehnjährige, der die Europaschule in Zollstock besucht. „Früher war ich aggressiv, in der Schule und auf der Straße. Seit ich boxe, hat sich das weitgehend gelegt.“ Solch eine Verhaltensänderung ist eines der Ziele des Projektes, an dem derzeit 45 Kinder und Jugendliche unterschiedlicher Nationalität teilnehmen.

Die kleinsten sind Ryan Koch und Malcom Elsen (beide 8), die angefeuert von Trainer Kucista („Schön durchpusten. Klasse machst Du das“) einen Einlage-Kampf bestritten. Wohl am erfahrensten ist der gerade 18 Jahre alt gewordene Lucio Bartholotto, der seit mehr als zwei Jahren im Projekt mitmacht und gegen den Leverkusener Jasim Gürsoy, den derzeit amtierenden Deutschen Jugendmeister, in den Ring kletterte. Zur Belohnung gab es für alle dann Urkunden und Tüten mit Trainingshemden und anderen Geschenken.

 www.mcp-cologne.com



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