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Interview

„Die Ostsee wird nicht das neue Mallorca“

Erstellt 10.12.08, 12:37h

Michael Lück von der Auckland University of Technology über die Folgen des Klimawandels.

Michael Lück
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Michael Lück ist Professor an der Auckland University. (Bild: Neil Gussey)
Michael Lück
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Michael Lück ist Professor an der Auckland University. (Bild: Neil Gussey)
Kölner Stadt-Anzeiger: In der Klimawandel-Debatte werden deutsche Küsten oft als Gewinner gesehnen. Wird die Ostsee zum neuen Mallorca?

Michael Lück: Das bezweifle ich stark. Dieser Eindruck entsteht, weil gemeinhin angenommen wird, dass die wärmeren Temperaturen zu großer Hitze in den klassischen Zielen im Mittelmeer führen, und gleichzeitig zu angenehmeren Temperaturen in Nordeuropa. Ich glaube aber kaum, dass die Menschen dann in Massen an die Ostsee 
fahren werden, nur weil es dort zwei Grad wärmer als jetzt ist.


Immerhin zwei Grad, bedeutet das nicht in jedem Fall eine längere Saison für die Touristen?

Lück: So einfach ist das nicht, denn man darf „warm“ nicht sofort mit „gut“ gleichsetzen. Mildere Winter können dazu führen, dass nicht genug Schädlinge sterben und im Sommer dann Überhand nehmen. Marienkäfer- und Rapskäferplagen sind die Folge, oder ein starker Zuwachs an Mücken. Stürme und andere Extremwettersituationen nehmen zu, gefährden Strände und die Infrastruktur. Außerdem steigt zwar die Lufttemperatur, die Wassertemperatur bleibt aber genauso kalt wie vorher – kein Vergleich zum Mittelmeer. 


Die Regierung der Malediven hat vor kurzem angekündigt, eine Ersatzheimat für ihre Bevölkerung zu kaufen, da man davon ausgeht, dass die Inseln im Meer versinken werden. Sollten die Einwohner von Sylt sich auch schon mal einen Platz auf dem Festland reservieren?

Lück: Mehrere Studien haben in der Tat in der Vergangenheit vor einem solchen Szenario gewarnt: Sylt werde verschwinden, heißt es da. Der Meeresspiegel wird zwar aufgrund der schmelzenden Polkappen steigen, im Südpazifik sogar um 30 Millimeter im Jahr. Auch der Meeresspiegel der Ostsee wird überdurchschnittlich hoch steigen. Trotzdem kommen neuste Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass Sylt nicht so gefährdet ist wie ursprünglich befürchtet. Solange die Küstenschutzmaßnahmen wie Strandaufspülungen weiter fortgesetzt werden, besteht keine direkte Gefahr für die Insel.

Das Gespräch führte Johanna Rüdiger



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