Erstellt 11.12.08, 14:00h
Ein Plakat zeigt das neonfarbene Skelett eines Raubfisches. Die Gräten, die von der Wirbelsäule des Fisches abstehen, deuten die Form eines Tannenbaums an. "Merry-Fishmas" steht darunter. Die Initiatoren der Ausstellung, Johannes Marmon und Johannes Müller, betrachten fachmännisch grüne Büroklammern in der klassischen gezackten Form einer Tanne. "Niedlich", findet Marmon.
Die beiden 29 Jahre alten Männer haben vor etwa zwei Jahren ihr Produktdesign-Diplom an der HFG abgelegt und führen nun gemeinsam ein Design-Büro. Zum fünften Mal organisieren sie zusammen mit Studenten inzwischen die Ausstellung "Picture a Christmas tree!". Neben der Idee, den Weihnachtsbaum zum Kunstobjekt zu machen, geht es ihnen auch darum, den beteiligten Akteuren die größtmögliche Freiheit für ihre Ideen einzuräumen. "Die Möglichkeiten sind enorm. Im Grunde verbindet ja jeder etwas mit dem Weihnachtsbaum und kann eine individuelle Idee einbringen", sagt Müller.
Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt
Plakate, Installationen, Animationsfilme, Bäume aus Zuckerwürfeln oder Kunststoff waren schon zu sehen. Im ersten Jahr beteiligten sich etwa 40 Studenten, in diesem Winter erwarten die Ausstellungsmacher mehr als dreimal so viele Baumprojekte im Lichthof der Hochschule. Wegen der großen Zahl an Exponaten können die meisten Kunstwerke erst kurz vor dem Start der Ausstellung aufgebaut werden. Ein Pariser Designer hat eine Installation vorbereitet, die ausschließlich aus Weihnachtskugeln besteht und auf einem Ankündigungsfoto so wirkt, als hingen die Kugeln an einem unsichtbaren Baum. Minimalistisch: Eine Studentin zeigt eine Zahnbürste, deren Borsten aus Tannennadeln bestehen.
Ein österreichischer Künstler, der in Brasilien arbeitet, kombiniert Fotos von einem Hubschrauberlandeplatz und einem Funkturm so, dass sie an den Weihnachtsbaum erinnern. Studenten präsentieren unter anderem eine elf Meter lange und 4,5 Meter hohe Installation aus Bildschirmen, die Weihnachtsbäume zeigen. Im neuen Keramikofen der Werkstatt backen der Hausmeister, die Dozenten aus Modellbau und Keramik Flammkuchen. Zudem soll es Lesungen und Musik geben.
Angeordnet sind die Bäume in diesem Jahr so, dass das Arrangement an ein Treibhaus erinnert. Eingesetzt in große Kästen, sind Plastiktannen, Lebkuchenbäume und sonstige Installationen unter Neonröhren zu bewundern. "Wir haben das Symbol bewusst gewählt, weil wir die HFG auch als Nährboden für die künstlerische Entwicklung sehen", berichtet Müller. Im vergangenen Jahr waren die Kunstwerke in Drahtverschlägen untergebracht, wie sie Weihnachtsbaumverkäufer nutzen, um ihre Ware nachts vor Dieben zu schützen.
Nicht nur Profis und Nachwuchsdesigner beteiligen sich an der Schau. Auch der Hausmeister der HFG hat schon einmal eine Installation abgeliefert. Gerade das begeistert die langjährige Besucherin der Ausstellung, Yvonne Fehling. "Ich finde es gut, dass sich auch Designer von außerhalb einbringen, aber auch Leute, die normalerweise kaum etwas mit dem Kunstbetrieb zu tun haben." Fehling hat ebenfalls ein Design-Büro, war selbst allerdings nicht an der HFG. Ihr fachmännisches Urteil über die Schau lautet knapp: "Sehr charmant." (ddp)
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