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Beschimpfungen im Internet

Tägliche Angriffe auf die Seele

Von Britta Havlicek, 17.12.08, 18:06h, aktualisiert 17.12.08, 18:26h

Eine Schülerin aus Erftstadt wird im Internet beleidigt und beschimpft. Die 14-Jährige hat Angst, will aber nicht klein beigeben.

Samantha und ihre Mutter .
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Samantha und ihre Mutter Heike Hecker sind fassungslos. Eine Clique hat im Internet dazu aufgerufen, die 14-Jährige zu beleidigen. BILD: HAVLICEK
Samantha und ihre Mutter .
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Samantha und ihre Mutter Heike Hecker sind fassungslos. Eine Clique hat im Internet dazu aufgerufen, die 14-Jährige zu beleidigen. BILD: HAVLICEK
Erftstadt - Das Mädchen schüttelt den Kopf, als es die Internetseite eines Schülerforums betrachtet. „Das ist doch wirklich bescheuert.“ Samantha zuckt betont gleichgültig die Schultern, doch dann schießen ihr Tränen in die Augen. „Ich hasse Samantha Hecker“ hat dort eine Gruppe von Mitschülern ihr Forum genannt.

Insgesamt 28 Chatter haben sich schon angemeldet. Was dabei rauskommt, ist mit Rechtschreibfehlern nur so gespickt. Die Behauptungen klingen nach besonders schlechten Scherzen oder deuten gar auf das schlichte Gemüt der Urheber hin. Wie auch immer: Die bösartigen Aussagen über Samantha gehen mit voller Wucht unter die Gürtellinie. Beleidigungen, Schimpfwörter mit sexuellen Anspielungen, Drohungen, sie solle sich nicht mehr in Erftstadt blicken lassen, werden da im Internet veröffentlicht.

„Macht weiter so“

Und immer wieder wiegeln sich die Schüler gegenseitig auf, Samantha zu beleidigen, sie zu meiden und ihr zu drohen. „Ja, macht weiter so. Ich bin voll stolz auf euch“, so die virtuellen Anfeuerungsrufe eines Jungen.

Seit Wochen geht es so. In der Schule, Samantha besucht die Realschule in Lechenich, wird sie von dieser Gruppe von Schülern geschnitten, ihre ehemals beste Freundin hat sich von ihr abgewendet, macht jetzt bei der Clique der Hauptschule mit.

Täglicher Seelenterror: So empfindet es das Mädchen. Zunächst hatte sie sich ihren Eltern nicht anvertraut. Ihre Mutter Heike Hecker hat die unmittelbaren Auswirkungen der Quälerei bemerkt - und sofort gehandelt. „Sammy isst kaum noch etwas“, berichtet die besorgte Mutter. „Sie ist eigentlich ein quirliges Mädchen. Jetzt verkriecht sie sich am liebsten zu Hause.“ Auch die schulische Leistung des Teenagers sackt ab. Die Ursache fand die Mutter im Internetforum. „Ich habe im Computer nachgeschaut und habe entdeckt, was die Jugendlichen über sie schreiben und wie sie ihr drohen.“ Sie sprach ihre Tochter darauf an, da platzte es aus dem einst so fröhlichen Mädchen heraus.

Heike Hecker wandte sich an Vertrauenslehrer, auch an die Schulleitung. Aber da sei nichts zu machen, berichtet die Mutter. „Da dieses Mobbing hauptsächlich im Internet stattfindet.“ Die Miene der Mutter verdüstert sich, als sie die Beschimpfungen im Internet sieht. „Es ist kaum zu ertragen, wie unser Kind unter der Situation leidet.“ Gemeinsam mit Samantha hat sie sich an die Polizei gewandt, hat Strafanzeige gegen drei Schüler gestellt. Sätze wie „Pass auf dich auf, Schätzchen, du bist nicht mehr sicher in Erftstadt“ und „Wenn ich wütend bin, tritt mir lieber nicht mehr unter die Augen“ will sie den jungen Leuten nicht mehr durchgehen lassen.

Das Eingreifen der Mutter können Lambert Schauen und Dany Gruneberg von der Polizeidienststelle „Kriminalitätsprävention und Opferschutz“ nur begrüßen. „Die Mutter hört ihrem Kind zu und nimmt es ernst“, sagt Schauen. „Das hilft dabei, Grenzen zu setzen.“ Speziell zu dem Fall Samantha können sich die beiden Beamten nicht äußern - es ist ein laufendes Verfahren. „Ein offenes Ohr haben und keine vorschnellen Ratschläge geben“, rät Gruneberg allen Eltern von Mobbing betroffener Jugendlicher. „Sätze wie »Hör doch nicht hin« oder »Wehr dich doch« tragen dazu bei, dass sich das Kind isoliert fühlt, als hätte es etwas falsch gemacht.“

Heike Hecker macht jetzt Nägel mit Köpfen. Sie hat einen Rechtsanwalt mit dem Fall beauftragt. Denn sie will auch rechtlichen Beistand für ihre Tochter. Und Samantha hält die Ohren steif. Sie schlägt sich tapfer und geht weiter zur Schule - so gut wie möglich. Sie hofft, dass die Clique endlich von ihr ablässt, dass sie bald aus diesem Alptraum aufwacht.

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