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Statistik

Zahl der Kindstötungen steigt

Erstellt 29.12.08, 21:02h

Die Zahl der Kindstötungen in Deutschland ist in den letzten zehn Jahren deutlich angestiegen und die Polizei ist sehr besorgt über die Entwicklung. 173 Mädchen und Jungen sterben an den Folgen von Gewalt.

BERLIN - In Deutschland sterben in jeder Woche drei kleine Kinder unter sechs Jahren durch Gewalt, Misshandlung oder Vernachlässigung. Die Zahl dieser Kindstötungen ist polizeilichen Erhebungen zufolge in den vergangenen zehn Jahren deutlich gestiegen. Allein im Dezember sorgten zwei Fälle für Schlagzeilen. In Stuttgart stieß eine Mutter ihr vierjähriges Mädchen in den Neckar, weil sie sich mit der Erziehung überfordert fühlte. In einer Kölner Müllsortieranlage entdeckten Arbeiter einen toten Säugling in einer Plastiktüte. Die 19-jährige Mutter stellte sich der Polizei. Rechtsmedizinern zufolge war der lebensfähige Junge erstickt worden.

Nach Angaben des Bundes Deutscher Kriminalbeamter kamen im Jahr 2007 bundesweit 173 Jungen und Mädchen in den ersten sechs Lebensjahren ums Leben. In 20 Fällen gingen die Ermittler von Mord aus, in 91 Fällen von Totschlag und in 62 Fällen von fahrlässiger Tötung, wie der BDK-Vizevorsitzende Bernd Carstensen sagte. Das Kinderhilfswerks Unicef hatte in den vergangenen Jahren stets von rund 100 gewaltsam gestorbenen Kleinkindern jährlich gesprochen - und war bisher davon ausgegangen, dass diese Zahl etwa stabil bleibe. Angesichts der aktuellen Entwicklung beklagen die Experten, dass in der offiziellen Kriminalstatistik Kindstötungen nicht extra ausgewiesen werden.

Der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, befürchtet, dass 2008 die Zahl der Kindstötungen erneut zugenommen hat. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) geht darüber hinaus von einem „großen Dunkelfeld“ aus. „Die Dunkelziffer von Kindstötungen in den ersten sechs Lebensjahren liegt wohl bei einem Vielfachen von dem, was entdeckt wird“, sagte der GdP-Vorsitzende Konrad Freiberg.

Nach GdP-Angaben nahm die Zahl junger Frauen und Familien, die mit der Erziehung der Kinder überfordert sind, zu. Die Überlastung führe oft zu Aggressionen, die letztlich an den Kindern abreagiert würden, sagt Freiberg. BDK-Vize Carstensen ergänzte: „Wir stellen bei den Tötungen kurz nach der Entbindung fest, dass die Mutter oftmals in geordneten Verhältnissen lebt.“ Die Frauen - so schildert Carstensen diverse Vernehmungen - sagen, das Kind habe nicht in die Lebensplanung passt, sie hätten sich aber vor einem Schwangerschaftsabbruch gefürchtet - und deshalb das Kind umgebracht.

Der Kriminalistenverband plädiert für Veränderungen beim Datenschutz. „Derzeit dürfen Informationen über eine Kindesgefährdung an eine andere Institution nur weitergegeben werden, wenn eine Gefahr für Leib oder Leben des Kindes besteht“, sagte Carstensen. Über verdächtige blaue Flecken allein dürfe jedoch nicht informiert werden - wegen der Verschwiegenheitspflicht von Ärzten und Sozialarbeitern. (ddp)



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