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Mittel gestrichen

Uni Witten-Herdecke in Geldnot

Von Günther M. Wiedemann, 17.12.08, 13:48h, aktualisiert 17.12.08, 23:49h

Deutschlands älteste Privatuniversität Witten-Herdecke steht vor einer massiven finanziellen Krise. Das Land Nordrhein-Westfalen streicht der seit Jahren unterfinanzierten Hochschule die Förderung.

Witten-Herdecke
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Die Universität Witten-Herdecke (Bild: Uni)
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Die Universität Witten-Herdecke (Bild: Uni)
DÜSSELDORF - Die Landesregierung verweigert der Privat-Universität Witten-Herdecke nicht nur den für 2008 eingeplanten Zuschuss in Höhe von 4,5 Millionen Euro, sondern fordert auch drei Millionen Euro für das letzte Jahr zurück. Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) hat darüber die Hochschule gestern informiert: „Ich bedauere sehr, dass es der Hochschule nicht gelungen ist, für 2009 und die beiden nächsten Jahre einen verlässlichen, attestierten Wirtschaftsplan vorzulegen.“ Ohne eine nach Nachweis einer ordnungsgemäßen Geschäftsführung fehlten die rechtlichen Voraussetzungen, um Landeszuschüsse gewähren zu können.

Das Land entziehe die Zuwendung „nur schweren Herzens“, sagte Pinkwarts Sprecher Ralf-Michael Weimar dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Allein in diesem Jahr habe man die Hochschule achtzehn mal aufgefordert, die notwendigen testierten Finanzpläne vorzulegen. Für 2007 fordert Pinkwart deshalb Geld zurück, weil die Hochschule einräumen musste, dass ihre Einnahmen höher waren als zum Zeitpunkt der Bewilligung gegenüber der Landesregierung angegeben worden war.

Die Hochschule, die Anfang der 80er Jahre als erste Privat-Universität in Deutschland gegründet worden war, bezeichnete gestern ihre Lage nach der Entscheidung des Ministers als „fragil“ (zerbrechlich). In den letzten beiden Jahren waren zwei Versuche gescheitert, neue Groß-Sponsoren zu finden. Auch hier scheiterten die Gespräche unter anderem an unzulänglichen Finanzplänen, heißt es in Düsseldorf. In Koalitionskreisen wird nicht ausgeschlossen, dass die Universität nun Insolvenz anmelden muss. Dann wäre der Lehrbetrieb nicht mehr gewährleistet. Die Landesregierung will dann „auf jeden Fall sicherstellen, dass die 1100 Studenten ihr Studium an einer anderen Hochschule in Nordrhein-Westfalen fortsetzen können“, sagte der Ministeriumssprecher dieser Zeitung. Die Studenten müssen je nach Fachrichtung für die Studium zwischen 10 000 und 45 000 Euro bezahlen. Witten-Herdecke ist die einzige private Hochschule, die auch Mediziner ausbildet.

FDP-Fraktionsvize Christian Lindner sagte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“, die FDP habe immer Sympathie für die Privat-Universität Witten-Herdecke gehabt. „Wir Liberale wollen private Hochschulen.“ Aber deswegen könne es keine Ausnahmen vom Haushalsrecht geben. Lindner stellt fest, keine andere Private Hochschule bekomme staatliche Mittel (Witten-Herdecke seit 1995). Dass es auch anders und sogar exzellent gehe, das zeige die private Fachhochschule in Brühl.

In Koalitionskreisen wird darauf hingewiesen, dass die Hochschule im Sauerland auch Probleme mit dem Wissenschaftsrat bei der Zulassung von Studiengängen hat. Auch hier spiele das unklare Geschäftsgebaren eine zentrale Rolle. Vertreter der oppositionellen SPD und der Grünen machten die Landesregierung mitverantwortlich für die jetzt entstandene Situation. Die Sozialdemokraten forderten die Einsetzung eines staatlichen Verwalters.



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