Von Thorsten Keller, 19.12.08, 08:59h, aktualisiert 21.10.09, 11:14h
An diesem Punkt ist der CDU-Politiker Neumann (oder sein persönlicher Referent) allerdings nicht ganz auf der Höhe. Marius Müller-Westernhagen hat im vergangenen Jahrzehnt gut drei Viertel seiner Anhänger in die Flucht geschlagen. Den Kampf um die Meinungsführerschaft im Deutsch-Rock verlor er unwiderruflich 2002, als Herbert Grönemeyers „Mensch“ sein eigenes Album „In den Wahnsinn“ einfach platt machte. Die Zuschauer, die jetzt noch kommen, das sind die Zweihundertprozentigen, die selbstgebastelte Tapferkeitsmedaillen hochhalten, auf denen zum Beispiel „21 Jahre dabei, 48 Gigs“ draufsteht. Wahnsinn!
Der „60th Birthday Bash“, wie der polyglotte Marius seine vier Wunsch-Konzerte in Köln, Hamburg und Berlin nennt, beginnt in der Lanxess-Arena mit einem kurzen Vorprogramm von Westernhagens Tochter Mimi und ihrer Band Battlekat. Zwar kann die junge Frau auf ihren roten Stöckelschuhen kaum laufen, doch der erfrischend ungeschliffene Punk-Sound von Battlekat knallt dem unbedarften Marius-Fans zumindest die Erkenntnis vor den Latz, dass die Musikgeschichte nicht mit „Exile on Main Street“ von den Rolling Stones zu Ende gegangen ist. Diese Band ist als Referenzgröße unvermeidlich bei Westernhagen, weil damit seine Karriere als Rocker begann, anno 1967 in Düsseldorf. „Wir bekamen 400 Mark pro Auftritt für ne Rolling-Stones-Kopie“, singt Marius in seinem Damals-war-schöner-Song „Mit 18“. Fazit: Westernhagens Gage hat sich seither deutlich besser entwickelt als seine Musik.
Mit einer schwarzen Glitzerjacke (angeblich aus dem Fundus vom Gottschalk-Thomas) beginnt Westernhagen die Show, aber gleich der erste Song „Stinker“ verdeutlicht das Dilemma des Sängers. Seine Verwandlung vom Proll-Rocker im Feinrippunterhemd zum großspurigen Entertainer im feinen Zwirn ist nur visuell, in vielen seiner Songs bleibt er der proletarische Kumpeltyp, der seinen Lebenssinn vornehmlich im Sex und/oder im Suff findet. Gerade in diesem Segment war Westernhagen einmal unschlagbar gut. Der „Taximann“ ist so ein typischer Song - über die alkoholbefeuerte Heimfahrt zur Herzdame, wegen der man überhaupt erst in die Kneipe geflüchtet war. Und auch „Johnny W.“ wärmt in der Kölnarena das Gemüt, jener berühmte Schunkelsong über schottisches Trostwasser, mit dem viele um 1965 geborene Menschen Erinnerungen an den ersten Vollrausch verbinden.
Der Bühne ist ein Laufsteg und ein kleineres, kreisrundes Podium vorgebaut, doch Westernhagen selbst nutzt diesen Auslauf in Köln nur sporadisch. Stattdessen dürfen sich die Männer mit den Gießkannen immer wieder in Positur werfen: Westernhagens satter Stadionrock-Sound der späten achtziger und frühen neunziger Jahre verwechselt ausufernde Saxofonsoli chronisch mit „Soul“ - da müssen die Zuschauer auch im Jahr 2008 durch.
„War nie wirklich weg, hab’ mich nur versteckt“, röhrt Westernhagen im letzten Song des regulären Sets („Wieder hier“). Er spult dabei seine Ich-liebe-euch-alle-Gesten ab, die an diesem Abend eigentümlich müde und freudlos wirken, es sind die einstudierten Verbeugungen eines Schauspielers. Konfettikanonen trüben die Sicht der 12.000 Zuschauer. Und während die Band den Song zu Ende spielt, senkt sich der Vorhang und Westernhagen spaziert zufrieden ins Off. Seine Rente ist sicher.
Stinker in der Glitzerjacke-Stinker am Schreibtisch
17.02.2009 | 22.09 Uhr | p.seigies
hallo hr. berichterstatter. es ist wahr sie waren irgendwo anders aber nicht auf dem marius konzert. ich wünsche ihnen für die zukunft eine menge…
Wer ist (hier) der Stinker???....
28.12.2008 | 10.58 Uhr | micha_49
Wir kommen aus Münster, mögen gute Rock Musik, ob MMW, BAP oder Gröne.
Was diese sog. Journalist da von sich gibt, hat mit einer Konzertkritik nun…
Marius in Hamburg
24.12.2008 | 06.24 Uhr | Justav
Danke für den Hinweis auf die Konzertkritik im Hamburger Abendblatt. Selbst die Leadsängerin von Texas Lightning steckt das Universalgenie des KStA…
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