Schriftgröße

Weihnachten

„Aschenbrödel“ verzaubert Millionen

Erstellt 19.12.08, 14:57h, aktualisiert 19.12.08, 17:08h

Wenn die Kerzen brennen, steckt der Prinz dem Aschenbrödel den Schuh an den Fuß. Seit 33 Jahren flimmert "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" zu Weihnachten über die Bildschirme.

Aschenbrödel
Bild vergrößern
Der Prinz passt Aschenbrödel im Film "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" den verlorenen Schuh an. (Bild: dpa)
Aschenbrödel
Bild verkleinern
Der Prinz passt Aschenbrödel im Film "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" den verlorenen Schuh an. (Bild: dpa)
ERFURT - Der tschechisch-ostdeutsche Märchenfilm "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" mit seinem zauberhaften Ende gehört nicht nur für Kinder zum weihnachtlichen Pflichtprogramm.

Die Geschichte ist schnell erzählt. Das gute Aschenbrödel lebt als Waise bei der bösen Stiefmutter und wird von ihr und der garstigen Stiefschwester schikaniert. Im Gegensatz zur Grimmschen Version spielt der Knecht eine entscheidende Rolle: Er schenkt ihr drei verzauberte Haselnüsse. In einer verbirgt sich das prächtige Kleid, mit dem Aschenbrödel als rätselhafte Schöne auf dem Ball des Prinzen erscheint. Der verlorene Schuh führt ihn auf die Spur, der Rest ist bekannt.

Millionen von Fans

Vor 35 Jahren feierte "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" Premiere in Prag, 1974 folgte Ostberlin, 1975 wurde er erstmals im WDR gezeigt. Seitdem lockt das Werk von Regisseur Václav Vorlícek jedes Jahr Millionen Fans vor die Bildschirme. 2007 lag der Marktanteil allein am ersten Weihnachtstag in der ARD mit 1,6 Millionen Zuschauern bei 13,8 Prozent. In diesem Jahr zeigen die Kanäle der ARD das Märchen insgesamt zehnmal an den Feiertagen. Den Anfang macht der WDR Heiligabend um 16.15 Uhr. Aber auch in Tschechien, der Schweiz, Frankreich, Norwegen und sogar auf den Philippinen gehört Aschenbrödel zu Weihnachten wie Christbaum und Geschenke.

Warum sein Film so erfolgreich ist, kann Vorlícek nicht erklären. "Damit gerechnet habe ich nicht", sagt er vergnügt. "Es ist eben eine sehr schöne Fassung des alten Märchens." Im Gegensatz zur deutschen Version fügt sich Aschenbrödel bei Vorlícek nicht demütig ihrem Schicksal, sondern ist witzig, klug und selbstbewusst. Trotz des Verbotes ihrer Stiefmutter jagt sie heimlich mit ihrem treuen Pferd Nikolaus stürmisch durch den Wald. "Wie ein Indianer", sagt Vorlícek. Den Prinzen fordert sie mutig mit der Armbrust heraus. Und als er sich endlich in sie verliebt, fällt sie ihm nicht einfach in die Arme, sondern gibt ihm ein Rätsel auf.

Mutiges Mädchen

Das kam nicht überall gut an. "In den arabischen Ländern war das alles zu emanzipiert für eine Frau. Dort hielt man das Aschenbrödel für eine Revolutionärin", erzählt der Regisseur. In Deutschland dagegen traf das mutige Mädchen, gespielt von der schönen Libu¨e ¦afránková, den Nerv. "Als ich klein war, war dieses Aschenbrödel eine Art Vorbild für mich", erzählt Kathrin Miebach. Die 35-jährige Lehrerin aus dem nordrhein-westfälischen Meschede hat vor rund sieben Jahren eine Fanseite im Internet aufgebaut. Jedes Jahr im Januar veranstaltet sie auf Burg Bilstein im Sauerland zwei Feste, auf denen kostümierte Fans unter anderem zur Filmmusik von Karel Svoboda tanzen.

Gerd Müntefering wundert dieser Kult nicht. Der 73-Jährige hat den Märchenklassiker nach West-Deutschland gebracht. Als Leiter des WDR-Kinderfernsehens war er für Filmeinkäufe häufig in der Tschechoslowakei unterwegs. "Prag gehörte sozusagen zum sozialistischen Vorhof der WDR." Dort entdeckte Müntefering etwa den Maulwurf für "Die Sendung mit der Maus" und ließ die Kinderserie "Pan Tau" produzieren. "Die Tschechen haben es in den 60ern und 70ern einfach verstanden, gute Kinderfilme zu machen. Mit Leichtigkeit, epischer Qualität und tollen Bildern."

Als er "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" 1973 im Rohschnitt in Prag sah, war er "sofort hin und weg", erinnert er sich. Eine Sache jedoch habe er absolut nicht ertragen können: Den Liedtext über der Anfangsmelodie, gesungen von Karel Gott. Der tschechische Sänger hatte extra eine deutsche Version aufgenommen. "Die habe ich rausgeschmissen", sagt Müntefering. "Es war einfach zu schnulzig." (dpa)



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Kölner Stadt-Anzeiger auf dem iPad


Anzeige


Bildergalerien


ksta-blogs.de


Kolumne


WAS.WANN.WO.


Hintergrund


Extra


Dienste