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Nahost

Krieg bis „zum bitteren Ende“

Von Inge Günther, 29.12.08, 07:41h, aktualisiert 30.12.08, 08:16h

Es sind martialische Worte: Israel hat der Hamas am dritten Tag seiner Militäroffensive einen "Krieg ohne Gnade" erklärt und das Truppenaufgebot an der Grenze zum Gazastreifen weiter verstärkt. Wie im Sommer 2006 in Libanon hat der militärische Anfangserfolg große Ambitionen geweckt.

Gazastreifen
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Ein palästinensischer Junge wirft im Gazastreifen mit Steinen nach israelischen Panzern. (Bild: dpa)
Gazastreifen
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Ein palästinensischer Junge wirft im Gazastreifen mit Steinen nach israelischen Panzern. (Bild: dpa)
Gaza
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Ein israelischer Soldat ist mit einem Panzerkonvoi auf dem Weg zum Gazastreifen. (Bild: afp)
Ehud Barak
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Israels Verteidigungsminister Ehud Barak. (Bild: afp)
Gaza
Ehud Barak
JERUSALEM - Israelische Militärs klingen derzeit vollmundig wie selten. Man habe es nicht nur auf die Terroristen sondern auf die gesamte Hamas-Regierung abgesehen, unterrichtete Vizegeneralstabschef Dan Harel am Montag die Vorsteher jener Kommunen, die sich in Reichweite palästinensischer Raketen aus Gaza befinden. „Das Schlimmste liegt nicht hinter, sondern noch vor uns.“ Aber am Ende der Operation „Gegossenes Blei“, prophezeite Harel, werde kein Gebäude der Islamisten mehr stehen.

Bei vielen Israelis kommen solche Worte gut an. Wie seinerzeit im Fall der Hisbollah möchte man mit der Hamas ein für alle Mal aufräumen. Dafür ist man bereit, auch längere Aufenthalte in ungemütlichen Schutzräumen zu verbringen, die im Süden Israels allenthalben entrümpelt werden.

Wie im Sommer 2006 in Libanon hat der militärische Anfangserfolg große Ambitionen geweckt. Geschätzt wird, dass die ersten israelischen Angriffswellen die mittlere Kommandoebene der Hamas ausgeschaltet haben. Mindestens die Hälfte der in Gaza installierten Abschussrampen soll zerstört sein. Doch am Ende ist die Hamas noch nicht, wie sie am Montag mit Dutzenden von abgefeuerten Raketen demonstrierte. Allein neun trafen am Morgen die Hafenstadt Aschkelon, die von Gaza 18 Kilometer entfernt liegt. Eine schlug in einer Baustelle ein, auf der arabische Israelis arbeiteten. Ein Beduine starb, zehn andere wurden verletzt. Auch in Sederot gab es Raketentreffer.

Sterben geht weiter

Auch in Gaza ging das Sterben weiter. Fünf israelische Bomben verwandelten die Islamische Universität in ein Trümmerfeld. Sie galt als kulturelles Prestigeobjekt der Hamas. Nach israelischer Erkenntnis dienten die Labore dort der Fertigung von Munition und Explosivstoffen. Ein Verdacht, der sich bereits vor dem Islamisten-Putsch im Juni 2007 erhärtet hatte, als Sicherheitsdienste der Fatah dort bei einer Razzia auf Waffenverstecke der Hamas gestoßen waren.

Weiteres israelisches Bombardement zielte auf ein Gästehaus und andere Einrichtungen der Hamas, meist in dicht gedrängten Wohngebieten. Im Flüchtlingslager Dschabalja etwa starben fünf Töchter einer Familie, die jüngste vier Jahre alt. Blutiger Beweis, dass es in einem übervölkerten Küstenstreifen wie Gaza keine „chirurgisch sauberen Militäreingriffe“ gibt.

Entsprechend wächst der Druck auf Ägypten und die moderate palästinensische Führung in Ramallah. Sie hatten zunächst ein gewisses Verständnis für Israels Vorgehen gezeigt, sich dafür aber den Zorn bei Protesten in der arabischen Welt eingefangen. Auch wenn Palästinenser-Präsident Mahmoud Abbas eine Schwächung der Hamas-Rivalen mehr als recht ist, am Montag geißelte er die „israelische Aggression“ in Gaza. Nach syrischem Vorbild ließ er weitere Friedensgespräche mit den Israelis absagen.

Kinder und Frauen unter den Opfern

Israel indes nimmt es als unvermeidlichen Kollateralschaden, dass auch Kinder und Frauen unter den Opfern sind. So sehr man alle Anstrengungen unternehme, nur die Hamas zu treffen, so Außenministerin Zipi Livni, „bezahlen leider auch Zivilisten den Preis“.

Was die israelische Regierung erreichen will, schien am dritten Tag der Offensive allerdings unklarer als zu Beginn. Zwar heißt es, das Jerusalemer Außenamt arbeite an einer „Exit-Strategie“, womit diplomatische Szenarien gemeint sind, um den Waffengang zu beenden. Aber eilig scheint man es damit nicht zu haben. Verteidigungsminister Ehud Barak, der vor der Operation „Gegossenes Blei“ so oft gescholten wurde wie er jetzt gelobt wird, schließt eine Verhandlungslösung derzeit aus. Israel führe gegen die Hamas „Krieg bis zum bitteren Ende“.

Skepsis ist freilich geboten, ob tatsächlich die große Bodenoffensive beabsichtigt ist. Zwar wurde das Grenzland zu Gaza zum militärischen Sperrgebiet erklärt. Nur, dass die Panzer vor den Übergängen stehen, muss nicht heißen, dass sie auch einrollen. Es könnte genauso Teil der psychologischen Kriegsführung sein. Denn ein städtischer Guerillakampf, wie er in Gaza droht, brächte mutmaßlich herbe Verluste für die Israelis und zudem die direkte Verantwortung als Okkupationsmacht für 1,5 Millionen Palästinenser.

Der Militärexperte Alex Fishman - kein Linker - ist daher dafür, gerade jetzt, im Lichte des Erfolgs, einen Waffenstillstand zu arrangieren. Die Gefahr sei groß, sonst in einen Zermürbungskrieg gezogen zu werden. „Wir sollten uns lieber schnell entscheiden“, so Fishman, „damit die Entscheidung nicht für uns gemacht wird.“



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