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Interview

„Gaza wird sterben“

Erstellt 05.01.09, 15:31h, aktualisiert 05.01.09, 15:34h

Die 70-jährige Samira Salim ist Rentnerin. Sie lebt mit ihrem Mann im Zentrum von Gaza-Stadt und fleht die internationale Gemeinschaft an, Frieden zu stiften.

Gaza
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Ein verletzter Palästinenser in Gaza-City (Bild: dpa)
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Ein verletzter Palästinenser in Gaza-City (Bild: dpa)
KÖLNER STADT-ANZEIGER: Frau Salim, wie ist Ihre Situation?

SAMIRA SALIM: Sehr, sehr schlecht. Es ist eine Katastrophe. Gaza wird sterben.

Wo leben Sie genau und sind Sie da noch sicher?

SALIM: Sicher sind wir absolut nicht. Wir wohnen in einer Wohnung auf der siebten Etage mitten in Gaza-Stadt. Rundherum sind durch die Bombardements schon sehr viele Häuser zerstört. Wir haben bisher Glück gehabt. Bisher. Letzte Nacht waren wir bei einem unserer Söhne. Der wohnt im Erdgeschoss. Aber auch da ist es gefährlich.

Können Sie überhaupt raus?

SALIM: Nein, wir sind den ganzen Tag hier oben. Was sollen wir machen? Wo sollen wir hin?

Können Sie noch einkaufen?

SALIM: Nein, das wäre zu gefährlich und es gibt ja auch nichts. Wir haben kein Wasser mehr und auch nicht mehr genug zu essen. Und es ist furchtbar kalt. Wir können ja nicht heizen. Seit sieben Tagen nun schon gibt es kein Wasser, weil es keine Elektrizität mehr gibt. Die Generatoren laufen nicht, weil auch kein Öl mehr da ist. Es muss dringend Öl geliefert werden.

Gibt es von irgendwoher Hilfe?

SALIM: Unser Nachbar hat noch Wasser. Er teilt es mit uns. Ansonsten ernähren wir uns aus Büchsen. Büchsen mit Gemüse. Kartoffeln. Wir essen das kalt, weil wir kein Gas haben, um die Herdplatten zu heizen.

Hilft Ihnen die Verwaltung von Gaza, die Hamas-Behörden?

SALIM: Sie können uns nicht erreichen. Es ist nicht genug für alle da.

Wird auch in der Innenstadt schon gekämpft?

SALIM: Hier bei uns sind noch keine israelischen Soldaten. Aber es ist auch so schon schlimm genug. Immer wieder schlagen Bomben ein, gibt es Detonationen. Es ist ein schrecklicher Lärm. 40 Kinder sind schon getötet worden, zwei allein, heißt es, sind wegen des Lärms gestorben.

Haben Sie Kinder?

SALIM: Drei Söhne und eine Tochter sowie 12 Enkel. Alle sitzen sie zu Hause und haben Angst. Die Schulen haben schon seit neun Tagen geschlossen. Es muss uns geholfen werden. Die internationale Gemeinschaft muss einen Frieden vermitteln. Bitte helfen Sie uns dabei.

Das Gespräch führte Astrid Wirtz



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