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Lieblingsplätze

Wo die Teufelchen verzaubert wurden

Von Kathrin Gemein, 05.01.09, 22:05h

Die Stadtführerin Veronice Mera leitet unter dem Titel „Schrecklich schöne Schauermärchen“ Führungen zu kölschen Geschichten und Sagen mit einem leichten Gruselfaktor für Kinder und Familien. Besonders auf dem Domherren-Friedhof kommen ihre Gruselgeschichten gut an.

Veronica Mera
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Veronica Mera mag den Domherren-Friedhof besonders gerne und freut sich über das zu ihren Geschichten passende Wetter. (Bild: Rako)
Veronica Mera
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Veronica Mera mag den Domherren-Friedhof besonders gerne und freut sich über das zu ihren Geschichten passende Wetter. (Bild: Rako)
Köln - Teufelchen haben etwas mit Vampiren gemein: Sie mögen kein Tageslicht. Und so müssen sie bei Sonnenschein irgendwo Unterschlupf finden. Da liegt in Köln nichts näher, als sich in den Winkeln und Ecken des Doms zu verstecken? „Ihr müsst euch das mal vorstellen: Da hüpfen die ganzen Hilfsteufel durch die Kirche. Und ärgern und erschrecken die Kirchgänger, jonglieren mit den Hostien und klauen dem Erzbischof die Monstranz“, leitet Veronica Mera ihre Geschichte für Kinder ein. Mit anderen Worten: Eine richtige Plage. Und so verzweifelt der Küster und betet inständig zu Gott, er möge ihn doch von diesen Quälgeistern erlösen. Seine Bitte wird erhört - und jedes Teufelchen verwandelt sich in eine Steinfigur. Die sind in Form von Wasserspeiern rund um den Dom zu bewundern. „Also passt auf: Falls ihr Teufelchen seid - im Dom fällt es auf“, bemerkt Veronica Mera grinsend.

Die 35-Jährige leitet unter dem Titel „Schrecklich schöne Schauermärchen“ Führungen zu kölschen Geschichten und Sagen mit einem leichten Gruselfaktor für Kinder und Familien. Die Tour führt erstmal rund um den Dom - mit Halt auf dem Domherren-Friedhof. „Das ist auf meiner Route mein Lieblingsort. Eine wunderbare Oase der Stille - mitten in der trubeligen Innenstadt“, begründet sie. Außerdem gebe es in Köln seit der französischen Besatzung einen Großteil der einst zu den einzelnen Kirchen zugehörigen Friedhöfe nicht mehr. So sei dies ein Relikt des alten Stadtbildes - und zugleich ein Ort, der zum Nachdenken anrege. „Aber mein Ziel ist es ja, Gäste zum Gruseln zubringen. “ So erzählt sie bildhaft und kindgerecht die Sage um den ersten Dombaumeister Gerhard, der unwissentlich einen Pakt mit dem Teufel einging, oder erklärt die Herkunft der so genannten Grinköpfe, die als steinerne Fratzenmasken an vielen Kölner Häuser verzieren. „Bei so einem Wetter sind meine Führungen eigentlich am schönsten“, erzählt Veronica Mera mit Blick auf den Schnee.

Die geborene Kölnerin ist hauptberuflich Ergotherapeutin. Aber durch ihre Grundschullehrerin ist sie schon früh an Sagen und Geschichten ihrer Heimatstadt herangeführt worden und hat nie die Faszination daran verloren. Als sie vor acht Jahren an einer Führung mit Gruselgeschichten teilgenommen hat, bemerkte sie, wie sehr sie „mit Herzblut an der Thematik“ hängt. Bewarb sich und macht seither etwa zwei Führungen im Monat rund um kölsches Erzählgut. „Ich finde die kleinen Geschichten sehr wichtig, um das Wesen des Kölners und der Stadt an sich zu verstehen“, erzählt Mera. Außerdem knüpfe die kölsche Historie an einem bestimmten Punkt wieder an die europäische Geschichte an. So entstehe ein großer Zusammenhang, der sich sonst nicht so schnell erschließe. Was ist denn das typische Wesen der Kölner? „Diese Gewitztheit, in schwierigen Situationen gerissen zu reagieren und sich um das Problem drum herum zu winden. Schließlich ist der Kölner historisch gesehen schon immer ein kleiner Opportunist, der sich nicht offen wehrt. Aber dafür mit viel Humor.“

Die Führung „Schrecklich schöne Schauermärchen“ der Agentur „Inside Cologne“ findet am 24. Januar, 8. Februar, 8. und 22. März statt. Treffpunkt ist um 14 Uhr am Heinzelmännchen-Brunnen südlich vom Dom. Die Teilnahme kostet 6,50 Euro; Kinder unter sechs Jahren nehmen kostenlos teil.



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