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Fernbeziehung

Gemeinsam getrennte Wege gehen

Von Nasanin Kamani, 05.01.09, 19:27h, aktualisiert 05.01.09, 19:33h

Studiert ein Partner und der andere nicht, ist das eine Belastungsprobe für die Liebe. Weil der Student in eine fremde Stadt zieht. Oder weil der Partner sich plötzlich minderwertig fühlt.

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Thomas hat ein Studium in der Schweiz begonnen, Bianca wohnt immer noch in Köln. (Bild: Rako)
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Thomas hat ein Studium in der Schweiz begonnen, Bianca wohnt immer noch in Köln. (Bild: Rako)
Fest umschlungen stehen Thomas und Bianca (alle Namen geändert) am Kölner Flughafen. Nach sechzehn Monaten Fernbeziehung sind sie an Abschiede gewöhnt. Dennoch fließen Tränen - vor allem bei Bianca: „Es ist immer wieder schlimm, wenn er zurück in die Schweiz muss und wir uns zwei oder drei Wochen lang nicht sehen“, sagt die 21-Jährige. Thomas ist BWL-Student an der Universität St. Gallen. Als er Bianca bei den Proben für ein Theaterstück kennen und lieben lernte, war bereits klar, dass er Köln verlassen würde - auf den heiß begehrten Studienplatz an der renommierten Schweizer Uni wollte der 20-Jährige nicht verzichten. „Trotzdem hatten wir den Mut, es miteinander zu probieren. Darüber bin ich heute sehr glücklich.“ Schweiz hin, Köln her - in Bianca habe er seine „Traumfrau“ gefunden. Dass er sie nicht jeden Tag sehen kann, sei in mancher Hinsicht sogar vorteilhaft. „Ich finde es schlimm, wenn Leute nur noch etwas mit dem Partner unternehmen. Bei uns kann das nicht passieren: Jeder hat seine Freiräume und noch ein eigenes, Pärchen-freies Leben.“

Mit diesem freien Leben jenseits der Partnerschaft funktioniert es vor allem deswegen so gut, weil beide sich hundertprozentig vertrauen, glaubt Thomas. Denn wenn Bianca in Köln und er in St. Gallen ist, könne er gar nicht immer wissen, was sie treibt und mit wem sie sich trifft. Eifersuchtsattacken hätten in ihrer Beziehung trotzdem nichts verloren. „Von unserer gegenseitigen Loyalität und Treue sind wir voll und ganz überzeugt. Anders würde das alles gar nicht klappen.“

Zudem bewirke die räumliche Distanz, dass „das Gefühl der Verliebtheit“ niemals vergehe. Auch bei Bianca nicht: „Wenn ich Thomas vom Flughafen abhole, bin ich immer noch aufgeregt und habe eine riesige Vorfreude. Das hält die Beziehung frisch.“

Reisekosten ein Problem

Über die Reisekosten ärgert sie sich trotzdem: „In diesem Jahr habe ich Thomas fünfmal besucht und rund 100 Euro für jede Fahrt ausgegeben.“ Viel Geld für die 21-Jährige, die fast täglich bei H & M arbeitet, um sich später ihr Studium zu finanzieren. Ihr Ziel ist ein Journalismus-Studiengang in Freiburg. „Falls das klappt, kann ich in die Schweiz ziehen und Thomas jedes Wochenende sehen.“ Für die Beziehung würde das weniger Planungsstress bedeuten: „Wenn mein Freund für ein paar Tage nach Köln kommt, muss alles immer bis ins letzte Detail getimt sein. Wann wir was machen, wann er seine Freunde sieht und wann wir etwas mit der Familie unternehmen, ist schon festgelegt, bevor er kommt. Spontane Kino- oder Shoppingaktionen können wir vergessen. Das nervt schon manchmal.“ Dennoch zeigt Bianca Verständnis. Schließlich ebne das Studium in St. Gallen Thomas den Weg in eine erfolgreiche Zukunft . Das möchte sie unterstützen: „Ich bin stolz auf meinen Freund, seine Ziele, seine Fähigkeiten. Er verdient das Beste.“ Damit die Beziehung auf Distanz so gut funktioniert, müssen beide aber viel investieren, sagt sie: „Eine Fernbeziehung ist keine »Hobbybeziehung« für zwischendurch. Beide Seiten müssen sie ernst nehmen und gewillt sein, an dem »Wir« zu arbeiten.“

Die Beziehung von Bianca und Thomas ist an ihren Unterschieden gewachsen - Alina und Martin haben ihre verschiedenen Entscheidungen nach dem Abitur entzweit. Mit ihrem Freund Martin (22) steckt die Studentin in einer Beziehungspause und glaubt, „dass es eigentlich schon vorbei ist.“ Zu tief seien die Wunden, zu erschüttert das Vertrauen. „Ein Trümmerhaufen“, so die 21-Jährige, „und daran gebe ich hauptsächlich meinem Studium die Schuld.“

Martin und Alina besuchten dasselbe Gymnasium. Anfangs waren sie nur Freunde. In der Oberstufe entdeckten sie Gefühle für einander und wurden ein Paar. „Wir waren unzertrennlich: Gemeinsames Lernen, gemeinsames Chillen, gemeinsamer Urlaub, gemeinsam durchs Abi und eine gemeinsame Wohnung. Es war ein Traum“, erzählt Alina, die nach abgeschlossenem Einserabitur mit einem Studium in Englisch und Französisch anfing. Martin hatte nach der Schule keine Lust mehr, seinen Alltag den Büchern und der „Auswendiglernerei“ zu widmen. Er wollte endlich arbeiten und Geld verdienen. Also begann er eine Ausbildung im Logistik-Unternehmen seines Vaters.

Das war der Anfang vom Ende

„Das war der Anfang vom Ende“, sagt Alina: „Wir hätten niemals so unterschiedliche Lebenswege einschlagen sollen.“ Während Martin sich in das Berufsleben stürzte, erkundete seine Freundin das Uni-Leben: Studenten-Parties, Lerngruppen, Kursfahrten, gemeinsame Besuche in englisch- und französischsprachigen Kinos.

„In den ersten Monaten war es noch o.k., dass jeder seinen eigenen Tagesablauf hatte und zu unterschiedlichen Zeiten heim kam. Aber nach einem Jahr wurde Martin zunehmend unsicher.“ Er habe sich aus dem Leben seiner Freundin ausgeschlossen gefühlt und glaubte, mit ihren Uni-Freunden nicht mehr mithalten zu können.

Im Streit habe er Alina unterstellt, ihre „ach so intellektuellen“ Kommilitonen dem „ungebildeten Firmen-Arbeiter“ vorzuziehen. „Das tat wirklich weh. Andererseits hatte er Recht: In meinem Uni-Freundeskreis fühlte ich mich immer wohler und hatte das Gefühl, dort besser verstanden zu werden. Ich muss sogar zugeben, dass ich öfters mal einen Flirt hatte. Aber nie mehr. Dafür habe ich Martin zu sehr geliebt“, erzählt Alina, „Und er hat mich auch geliebt. Dass er mich betrogen hat, kann ich ihm aber nicht verzeihen.“

Als die Studentin von einer zweitägigen Paris-Reise zurückkam, fand sie Martin sturzbetrunken im Bett. Unter Tränen gestand er, mit einer anderen Frau geschlafen zu haben. „Ich hatte Angst und fühlte mich einsam. Ich wollte es tun, bevor Du es tust“- mit diesen Worten habe er sich zu rechtfertigen versucht. Alina wurde übel. „Ich lief ins Bad und hab mich übergeben. Mir war schwindlig, ich wär' fast ohnmächtig geworden.“ Anschließend zog sie bei einer Freundin ein. „Jetzt leben wir schon seit sechs Monaten getrennt. Ich liebe ihn immer noch. Aber wir haben uns verloren. Es wird nie mehr so sein wie damals in der Schule.“



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