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Interview

“Die Universität ist ein Heiratsmarkt“

Erstellt 05.01.09, 19:27h

Die Diplompsychologien und Sozialpädagogin Carin Cutner Ocheja hat in Hamburg eine psychologische Praxis für Ehe, Paar- und Trennungsberatung.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Was passiert mit Beziehungen, in denen einer studiert und einer nicht?

CARIN CUTNER-OSCHEJA: Wenn der eine im Beruf ist und der andere an der Uni, kann ein gefühlter Unterschied der Gleichwertigkeit zwischen Studierten und Nicht-Studierten entstehen. Dieser wird von den Nicht-Studierten oft als Mangel erlebt. Schließlich hat man im Studium noch einmal die Möglichkeit, Neues zu entdecken: Neue Wissensfelder. Neue Menschen.

Was konkret könnte als „Mangel“erlebt werden?

CUTNER-OSCHEJA: Im Studium wird viel mehr in Gruppen gearbeitet als im Berufsleben. Man bildet Arbeitsgemeinschaften, trifft sich miteinander, oft auch zu Hause. Alles ist viel privater. Das ist ein Bereich, der auf den Partner, der all das nicht miterlebt, sehr verunsichernd wirken kann.

Wie schafft man es, die Beziehung trotz unterschiedlicher Lebensmodelle aufrecht zu erhalten?

CUTNER-OSCHEJA: Der Weg zusammenzubleiben, ist immer, miteinander zu reden. Auch über die Veränderungen, die man getrennt durchlebt. Das Fremde in einer Beziehung ist das Salz in der Suppe. Versalzen sollte man die Suppe aber nicht. Einer Entfremdung muss man entgegenwirken, indem man den Partner immer informiert und in die neuen Felder und Freundeskreise integriert. Verschwiegene Zonen können gefährlich werden.

Und wenn der Studierende an der Universität einen neuen Partner mit ähnlicheren Interessen findet?

CUTNER-OSCHEJA: Man kann es nicht ausschließen. Die Uni ist eine Anhäufung von jungen Menschen, die alle auf der Suche sind - ein Markt der Möglichkeiten, auch ein Beziehungsmarkt, eine Art Heiratsmarkt.

Eigentlich Gift für die Beziehung, vor allem für den Partner im Berufsleben.

CUTNER-OSCHEJA: Dass junge Leute sich weiterentwickeln, gehört zu ihrer Lebensaufgabe. Wenn Paare das nicht zusammen hinbekommen, dann ist die Beziehung womöglich nicht stark genug.

Das Interview führte Nasanin Kamani



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