Von MICHAEL MANN, 08.01.09, 10:38h, aktualisiert 08.01.09, 11:07h
Entlang des Brückenzauns hängen Schlösser. Auf diesen Schlössern stehen Namen mit Datum. Manche sind dazu verziert mit Grüßen oder einfach nur mit Initialen. Ein neuer Trend? Es könnte der Nachfolger des Graffiti-Tags sein, oder der Nachkomme des „Ich war hier“-Satzes, der gerne mit dem Edding auf alle erdenklichen Oberflächen gekritzelt wird - vom Eifelturm bis zu den Gondeln in Venedig.
Beides trifft nicht zu. Bei dem Schlösser-Trend handelt es sich um einen Brauch aus Italien. In Rom befindet sich eine alte Brücke, die Milvische Brücke, die über den Tiber führt. Diese Brücke ist ein regelrechter Wallfahrtsort für verliebte Paare. Dort werden Schlösser, auf denen die Namen des Paares eingraviert sind, an der Brücke fest gekettet und der Schlüssel wird in den Tiber geworfen. Dieser Brauch soll die Haltbarkeit der Liebe unterstützen, frei nach dem Motto „unsere Liebe hält ewig“.
Genau diesem Zweck soll auch die Hohenzollernbrücke dienen, und mit jedem Tag mehren sie die Liebeserklärungen. Ein schönes Zeichen sind diese Schlösser, jedoch müssen wir leider auch darüber nach denken, wie viel Liebe so eine Brücke aushält. In Rom sind es mittlerweile so viele, dass schon eine Lampe unter dem Gewicht der Liebe dran glauben musste.
Es könnte es sich zu einem regelrechten Kult entwickeln, seinen Namen in ein Schloss eingravieren zu lassen um sich damit in Köln zu verewigen. Aus einem Zeichen der Liebe würde somit auch ein Statement für die Zugehörigkeit: Wir binden uns an diese Stadt. Was wäre, wenn es so viele Schlösser werden, dass daraus eine neue Touristenattraktion entsteht? „Besuchen sie Köln mit der weniger schönen aber vollbehängten Verewigungsbrücke . . . und ganz nebenbei dem Kölner Dom“, könnte es dann in den Touristenführern heißen. Das wäre eine schöne neue Bereicherung für Köln.
Der Schlösserkult ist zudem allemal interessanter und sieht besser aus als die Edding-Schmierereien. Und noch müssen wir uns keine Gedanken um die Statik der machen. Sollte es mal zu viel werden, könnten wir sie zusätzlich stützen oder an beiden Seiten Drehkreuze installieren, damit nur eine Gewisse Anzahl von Menschen die Brücke gleichzeitig betritt. Brauchtum fordert eben manchmal Opfer.
Besser noch, wir könnten die Kölner Wirtschaft damit ankurbeln, zumindest ein wenig, indem wir an beiden Zugangsseiten hochoffizielle Gravier-Häuschen errichten. Dort könnte man sich dann sein Schloss kaufen, beschriften lassen und an der Brücke befestigen - gegen Aufpreis vielleicht sogar befestigen lassen. Das schafft direkt noch Arbeitsplätze.
Die Schlösser an der Kölner Brücke sind also ein unterstützenswerter Trend. Und selbst, wenn sie nicht so ausarten, wie wir es uns ausmalen, sind sie auf jedenfall ein Hingucker.
Virtuelle Liebesschlösser
24.03.2011 | 19.43 Uhr | rachcenich
Im Zeitalter des WEB 2.0 wird dieser Brauch jetzt auch im Internet fortgesetzt.
Virtuelle Liebesschlösser, u.a. auch auf der Hohenzollernbrücke in…
Tolle Idee
08.01.2009 | 15.38 Uhr | stefan.fischer
Die "Liebesschlösser" sind wirklich eine wunderbare Idee und als positive Geste eine Bereicherung für Köln. Der Verein "deutzkultur e.V." plant eine…
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