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Närrisch

Karnevalsverein war getürkt

Von Rainer Rudolph, 08.01.09, 22:35h, aktualisiert 09.01.09, 15:19h

Die vermeintliche Gründung des „1. Türkischen Karnevalsverein Deutschlands“ war getürkt. Der vorgebliche Türke ist in Wahrheit der für seine Lukas Podolski-Parodien bei „1 Live“ bekannten Komiker Jan Böhmermann, das ganze eine Aktion von RTL.

Karnevalsverein
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Mehrere Kölner türkischer Herkunft haben angeblich den ersten Türkischen Karnevalsvereins Deutschlands gegründet. (Bild: ddp)
Karnevalsverein
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Mehrere Kölner türkischer Herkunft haben angeblich den ersten Türkischen Karnevalsvereins Deutschlands gegründet. (Bild: ddp)
Köln - Das Rätsel um den angeblich ersten türkischen Karnevalsverein ist geklärt: Wie der Sender inzwischen bestätigte, handelte es sich um Aufnahmen für die neue Serie "TV-Helden". Alles sei nur ein Spaß gewesen. Man habe einen Testballon hochgeschickt, wie eine Karnevalshochburg wie Köln auf einen türkischen Karnevalsverein reagieren werde. Die Anwürfe aus der rechten Szene seinen allerdings nicht erfunden. Ein Sprecher: "Damit haben wir nichts zu tun. Als Sender distanzieren wir uns deutlich davon."

Hinter dem am Donnerstag im Hotel Caprice am Eisenmarkt als Gründungsmitglied auftretenden Davut Yilmaz steckt der Komiker Jan Böhmermann. Darauf angesprochen, versicherte Böhmermann noch am Donnerstagabend vehement, er habe mit Karneval, geschweige denn türkischem, „nichts am Papphütchen und Pappnäschen“. Auf ein „gemeinsames Portrait“ mit dem ominösen Vereinsgründer freue er sich aber trotzdem. Am Freitag dann bestätigte Böhmermann die Gerüchte und stellte ein Statement auf seine Internetseite (siehe eingefügtes Youtube-Video). Darin verspricht "allen verwirrten Fotografen, Journalisten und Radioreportern, dass sie sich sicherlich eines Tages im Fernsehen wiedersehen werden" - offenbar eine Anspielung darauf, dass die Pressekonferenz von den Veranstaltern selbst gefilmt wurde.

Die Veranstaltung, die solches Aufsehen erregte, war von Merkwürdigkeiten begleitet. So gab es kaum Ansprechpartner, und der Veranstaltungsort wurde bis zuletzt geheim gehalten. Gerade dies weckte aber so viel Medieninteresse, dass der kleine Raum im Hotel die bundesweit angereisten Journalisten kaum fassen konnte. Als Gründungsmitglied stellte sich neben Davut Yilmaz auch eine Melek Cezmi (27) vor, nach eigenen Angaben Mutter und BWL-Studentin, tatsächlich aber wohl die Schauspielerin Caroline Korneli.

Die dringlichste Forderung von „Davut Yilmaz (29)“ lautete: „Das Dreigestirn aus Prinz, Bauer und Jungfrau muss um die Figur des »Türken« erweitert werden.“ Alternativ komme in Frage, dass eine der traditionellen Figuren jedes zweite Jahr von einem Türken besetzt werde. Die provokante, wenn auch von vornherein als unernst bezeichnete Forderung nach der „Türken-Quote“ gehörte zu den humoristischen Höhepunkten der öffentlichen Vorstellung des „1. Türkischen Karnevalsvereins Deutschlands“ (TKVD).

Schon während der Pressekonferenz fragte sich die versammelte Journalistenschar, wer das alles wohl getürkt haben mag . . . Die Ähnlichkeit Yilmaz', des Mannes im Mittelpunkt des Geschehens, mit dem für seine Lukas Podolski-Parodien bei „1 Live“ bekannten Böhmermann, war auffällig.

„Ich möchte feiern, ohne angefasst zu werden. Das wollen auch viele deutsche Frauen, und die sind herzlich willkommen in unserem Verein,“ sagte "Melek Cezmi" (27). Nicht ganz so sicher zeigten sich die beiden mit dem Alkoholgenuss. „Die Idee zur Vereinsgründung kam uns vorigen Karneval bei einer Flasche Wein“, gestand Yilmaz. Andererseits gehöre Alkohol nicht notwendig zum Karneval, ein Glas Wein könne genügen.

Unsinn sind in jedem Fall die von den 35 angeblichen Vereinsmitgliedern geplanten Aktionen, unter anderem eine „Lichtperformance“ am Domforum: Mit den Displays ihrer Handys wollten die Akteure einen „Schnauzbart aus Licht“ an den Kölner Dom werfen. Auch einen eigenen „Festwagen“ habe man schon entworfen: einen 3er-BMW „mit einem Schnauzbart, der alle Karnevalisten erschlagen wird“.

Blühende Fantasie am Ende auch die Behauptung, erst nach einem Gespräch mit dem Festkomitee habe man den Wunsch nach einem eigenen türkischen Dreigestirn fallengelassen. Das Festkomitee dementierte umgehend.



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